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Fürst Pücklers Tafelbücher : „Gern führe ich Wein im Munde“

Fürst Pückler schuf viele Parks. In späteren Jahren widmete er sich mehr dem Wein. Bild: Bundeskunsthalle Bonn

Hermann Fürst von Pückler-Muskau lebte gern über seine Verhältnisse. Er war „Gutschmecker“ und Weinliebhaber. In den Tafelbüchern hielt er jedes Essen fest.

          Was für ein Leben! In seinen Jugendjahren hatte er so viel Geld durchgebracht, dass er fast enterbt worden wäre. 1815 hätte er in Waterloo beinahe sein Leben verloren. Und wie durch ein Wunder trugen ihm all die amourösen Abenteuer keine Krankheiten zum Tode ein. Hermann Heinrich Ludwig Graf von Pückler-Muskau, 1785 als Erbe einer sächsischen Standesherrschaft an der Lausitzer Neiße geboren, war der Nachruhm weiß Gott nicht in die Wiege gelegt.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Im Jahr 1817 schloss Pückler eine Konvenienz- Ehe mit der geschiedenen Lucie von Pappenheim, geborene von Hardenberg- Reventlow. Die reiche Mitgift seiner „Schnucke“ war schnell aufgezehrt. 1826 ließ sich Pückler pro forma scheiden und brach nach England auf. Als Dandy auf Brautschau hinterließ der Fürst (so durfte er sich seit 1822 nennen) so viele Spuren, dass Charles Dickens ihn in den „Pickwick Papers“ als einen nicht akzentfrei sprechenden „Count Smorltork“ verewigte.

          Begehrte Reisetagebücher

          Prince Pickle nahm es mit Gleichmut. Seine Reisetagebücher, nach seiner Rückkehr nach Muskau unter dem Titel „Briefe eines Verstorbenen“ veröffentlicht, zählen zum Besten, was über das England des Regency geschrieben wurde. Und sie verkauften sich besser als alles, was Goethe und Heine zu Papier gebracht hatten. Pückler war gerettet – und schon bald wieder auf Reisen. Als „Semilasso“ (Halbmüder) bereiste er Europa und Ägypten.

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          Wofür der Fürst all das Geld ausgab? Über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg legte er Parks von europäischem Rang an, nicht nur in Muskau. In Babelsberg hatte er auf Bitten des preußischen Prinzen Wilhelm seine Hände im Spiel. Sein Meisterwerk wurden Schloss und Park Branitz bei Cottbus. Er selbst attestierte sich eine seltsame Krankheit: „Parkomanie“.

          Einsam im Alter

          Als Pückler die englischen Landschaftsgärten nach der Befreiung Europas von Napoleon zum ersten Mal sah, war er 30 Jahre alt. Als er 1828 brautlos von seinem dreijährigen Aufenthalt in England und Irland nach Muskau zurückkehrte, stand er im fünften Lebensjahrzehnt. Und jetzt, 1866, in Branitz?

          Alt war der Fürst geworden – und so einsam, wie man es damals im Alter von mehr als 80 Jahren nur sein konnte. Karl August Varnhagen von Ense war vor zehn Jahren gestorben, Karl Friedrich Schinkel schon viel länger tot, seit vier Jahren vermisste er seinen Jugendfreund Leopold Schefer, den Dichter und Komponisten, und schon seit zwölf auch Lucie. Die Fürstin lag seit 1854 unweit von Schloss Branitz begraben – obwohl oder vielleicht weil sie nie die vielen Leidenschaften ihres „Lou“ teilte. „Entschuldige diese Weindigression“, hatte ihr der Fürst am 20. November 1826 geschrieben, „welche Dich, die nur Wasser trinkt, eben nicht sehr interessieren kann, aber Du weißt einmal, ich schreibe für uns Beide, und mir, ich gestehe es, ist der Gegenstand nicht unwichtig. Gern ,führe ich Wein im Munde‘“.

          Ein „Gutschmecker“ und ein Weinkenner

          Auch das war Hermann Fürst Pückler- Muskau: Ein „Gutschmecker“, wie er sich in diesem Brief bezeichnete, ein „zu großer Freund der Gastronomie“, wie er später in Würzburg festhielt, und ein Weinkenner von Gnaden, wie seine Korrespondenz erkennen lässt. Der Fürst war derart um seinen Nachruhm besorgt, dass er von vielem, was er handschriftlich aufsetzte, mittels ingeniöser Maschinerie Kopien anfertigte. Heinrich Masser alias Herr Billy, sein kleinwüchsiges Faktotum, ließ er Tafelbücher führen. Auch am 16. Juni 1866.

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