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Veröffentlicht: 05.08.2017, 12:13 Uhr

Grillmeisterschaften „Bratwurst kann jeder“

Der deutsche Grillmeister Michael Hoffmann findet: Bei schönem Wetter kann jeder grillen und Bratwurst ist langweilig. An diesem Wochenende muss er seinen Titel verteidigen. Ein Gespräch.

von Ariane Dreisbach
© dpa Grillmeister Michael Hoffmann (Archivbild)

Herr Hoffmann, Sie haben im Alter von 49 Jahren schon an etwa 50 Grill- und Barbecue-Wettbewerben teilgenommen. Wie kamen Sie dazu?

Bei uns zu Hause war immer der Grill an, 2003 haben wir dann mit Freunden beschlossen, bei einem Wettbewerb mitzumachen und sind auf Anhieb Amateurmeister geworden. Danach haben wir uns mit dem ,Bazillus Grillus‘ infiziert.

An diesem Samstag nehmen Sie mit Ihrem Team „GutGlut“ als Titelverteidiger in der Profi-Klasse an der Deutschen Grill-Meisterschaft 2017 in Fulda teil. Mit welcher Ausrüstung starten Sie?

Wir haben einen 7,5-Tonner-Lastwagen gemietet, damit unsere acht Grills, der Smoker, der fast 500 Kilogramm wiegt, die Tische, Zelte, Kühlschränke und Getränke alle reingehen.

Das müssen Sie alles selbst mitbringen?

Genau. Die Hauptkomponente des Menüs wird immer vorgegeben, Wolfsbarsch zum Beispiel, aber für die Beilagen und die Präsentation unseres Essens sind wir selbst zuständig.

Haben Sie in Ihrem Team „GutGlut“ denn genug Leute, um die ganzen Grills zu bedienen?

Ja, wir sind zu acht. Dieses Jahr ist zum ersten Mal auch meine zwölf Jahre alte Tochter dabei. Wir teilen uns die Aufgaben: Es gibt zum Beispiel die Griller, einen Heizer, einen zum Marinieren und einen Tisch-Manager, der die Jury umgarnt.

Nach welchen Kriterien werden Sie bewertet?

Die Juroren achten auf die optische Garstufe, auf den Biss, die Beilagen und die Gesamtharmonie. Pro Kategorie kann man bis zu zehn Punkte kriegen. Wer am Ende die meisten hat, gewinnt.

Wie bereiten Sie sich auf die Wettbewerbe vor?

Im Februar kommen immer die Ausschreibungen raus, und danach treffen wir uns jedes zweite Wochenende zum Training. Da probieren wir dann auch mal 40 Beilagen aus.

Sie starten in der Profi-Klasse, obwohl Sie keine Köche oder Metzger im Team haben. Was ist Ihr Geheimnis?

Das Grillen ist unsere Leidenschaft, wir haben uns das selbst beigebracht und laufen keinen Trends hinterher. Wir grillen nur das, was uns auch schmeckt – das sieht man auch an der Figur!

Was machen Sie, wenn Sie nicht grillen?

Ich bin IT-Informatiker.

Was ist die größte Herausforderung am Wettbewerbsgrillen?

Gut grillen viele, aber bei einem Sechs-Gänge-Menü ist es schwierig, pünktlich für den Juror die richtige Garstufe zu erreichen.

Was passiert, wenn es bei einem Wettbewerb regnet?

Bei schönem Wetter kann ja jeder grillen! Wir gewinnen bei Regen eigentlich immer. Nur der Wind ist unser Feind, der wirbelt die Asche auf, und der Smoker zieht nicht richtig ab.

Dieses Jahr steht zum ersten Mal keine Bratwurst auf dem Speisenplan bei den Deutschen Grill-Meisterschaften. Fehlt die nicht?

Nein, ich finde das gut, die Bratwurst ist langweilig geworden. Man kann sie nicht groß verändern beim Grillen, wenn sie noch als Bratwurst zu erkennen sein muss. Außerdem kann Wurst jeder, das ist nicht unser Anspruch.

Wie stehen Sie den Winter ohne Grillen durch?

Wir grillen das ganze Jahr über, an Silvester das letzte Mal und an Neujahr das erste. Im Winter mache ich zum Beispiel Gänsebrust mit Spekulatiusmarinade.

Ihr Tipp für den Hobby-Griller?

Man sollte das Steak eine Stunde vorher aus dem Kühlschrank nehmen. Dann ist es nicht mehr so kalt, dass es außen verbrennt, während es noch nicht durch ist. Man sollte auch die überflüssige Marinade abtupfen, dann tropft es nicht und es gibt kein Feuer durchs Fett. Das wird dann ja meistens mit Bier gelöscht, was den Garvorgang unterbricht und Asche auf das Grillgut wirbelt. Wer Biergeschmack will, sollte sein Fleisch lieber am Vorabend in eine Marinade mit dunklem Bier einlegen.

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