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Selbst destillieren : Ergibt irgendwie Gin

  • -Aktualisiert am

Zunächst werden die Wacholderbeeren zerdrückt, dann die übrigen Gewürze in die Flüssigkeit gegeben. Das Resultat sieht dann ganz unterschiedlich aus, je nach Zutaten. Bild: Sami Skalli

Gin ist in: Kaum ein anderer Klarer scheint heute so salonfähig zu sein. Unsere Autorin hat den Wacholderschnaps selbst hergestellt und einen Destillateur probieren lassen.

          Die Beeren knirschen und knacken, als ich sie mit einem Löffel auf dem Teller zerdrücke. Jede einzelne muss dran glauben, bis von dem Wacholder nur noch Fetzen übrig sind. Zufrieden schaue ich auf das Massaker vor mir. Es duftet schon nach Gin. Nun der Alkohol: Ich öffne das Einmachglas und halte die Nase rein. Riecht nach Medizin!So beginnt meine Karriere als Gin-Produzentin. Übers Internet habe ich mir vier Sets besorgt, mit denen ich die Spirituose selbst herstellen kann: „Private Gin“, den „Gin Baukasten“, das „Dr. Charles Levine Gin Kit“ und das „Homemade Gin Kit“. Jedes Paket kostet um die 50 Euro. Mein Ziel: Herausfinden, ob die selbstgemachten Schnäpse mit denen im Handel mithalten können. Ein Destillateur soll die Ergebnisse blind verkosten.

          Der erste Schritt zum „Private Gin“ ist getan. Nun lasse ich den zerstückelten Wacholder ins Einmachglas mit dem Alkohol rieseln. Das Fruchtfleisch färbt den Klaren gelblich, Gin- und Medizingeruch vermischen sich. Ich schließe das Glas. 24 Stunden später, so lange soll der Mix aus Beeren und Alkohol ziehen, leuchtet der Gin in einem kräftigen Gold. Sieht schon gut aus! Nun sind die Gewürze dran. Hibiskus, Kardamom, Koriander, Piment, Roter Pfeffer, Orangen- und Zitronenschale stecken in kleinen Reagenzgläsern in dem Karton. Ich schnappe mir zuerst die Pfefferkörner. Meine Augen tränen etwas, während ich die rosa Kugeln mit dem Löffel bearbeite. Dabei soll der Pfeffer dem Schnaps eine leichte Süße verleihen, heißt es im Rezept.

          Ab in die Apothekerflasche und in den Kühlschrank

          Für die nötige Säure sollen Zitrone und Orange sorgen. Ich entkorke die beiden Kunststoffröhrchen und halte sie unter meine Nase. Die Schalen riechen frisch – und ein bisschen nach Weihnachten. Hibiskus, Kardamom und Piment kommen hinzu. Zum Schluss noch die Koriandersamen: Hoffentlich schmeckt der Gin hinterher nicht nach Seife! Im Moment erinnert die Kräutermischung allerdings schon an ein Duft-Potpourri, wie es in manchen Badezimmern steht. Noch einmal heißt es 24 Stunden warten. Dann muss der Gin aus dem Einmachglas in die Apothekerflasche. Wer schon einmal versucht hat, einen Rest Rotwein aus dem Glas wieder in die Flasche zu füllen, kennt das. Mit Schwung kippe ich das bauchige Glas um – und schon ist der kleine Trichter verstopft. Der Gin bildet eine Pfütze auf dem Tisch. Was in der Flasche gelandet ist, soll für weitere zwölf Stunden offen im Kühlschrank stehen. Prima! Dann kann das Aroma der halbvollen Thunfischdose den Seifengeschmack noch etwas verfeinern.

          Bild: Sami Skalli

          Ich nehme mir das zweite Set vor, den „Gin Baukasten“. Bevor ich loslegen kann, muss ich einkaufen, denn die Alkoholgrundlage fehlt in diesem Karton. Ich entscheide mich für einen 40-prozentigen Wodka. Wie daraus Gin werden soll, ist mir noch ein Rätsel. In dem Karton stecken Tütchen mit Gewürzen: von roten Jalapeños über rosa Pfeffer bis zu Süßholz. Als Erstes greife ich mir den Wacholder. Leider kommt der am Stück in den Alkohol. 24 Stunden schwimmen die Beeren in dem Hochprozentigen, dann sind die restlichen Gewürze dran: Malvenblüten, Rosmarin, Orangenschale, Piment und Kardamom. Die rosa Blüten riechen wie Früchtetee. Ob das was wird?

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