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Frozen Yogurt : Ein fluffiges Kühl

  • -Aktualisiert am

Zum Fro-Yo passen frische Früchte, aber auch Mini-Smarties oder Gummibärchen sind gebräuchlich Bild: ddp images

Mit oder ohne bunte Topping: Joghurt-Softeis wird nun auch in Deutschland immer beliebter - als Fastfood-Erfrischung mit weniger Kalorien.

          Wirklich gesund, so richtig lecker und dann noch mega-cool - geht das? Nach den Schlangen vor den Eisdielen der neuen Art zu urteilen: eindeutig ja. Die Kids, die hier geduldig warten, gehören einer Generation an, die ganz mühelos Apple-Gerätschaften mit Hello-Kitty-Niedlichkeit und Philippe-Starck-Design zusammenbringt, und ihr neuester Stoff in den (selbstverständlich recyclingfähigen) weißen Bechern ist nahezu fettfrei, voller lebender Kulturen und nur wenig gesüßt, die Früchte darauf sind frisch.

          Nichteingeweihte könnte ein flüchtiger Blick auf die kalten Kringelspitzen eine plötzliche Softeis-Renaissance vermuten lassen. Doch „frozen yogurt“, oder etwas banaler Joghurt-Softeis, ist die neueste Form des allgemeinen Trends, der gesunde Ernährung und Fastfood verbindet, und erfreut sich seit letztem Sommer auch in deutschen Städten wachsender Beliebtheit.

          Die fluffige Erfrischung schafft Kultstatus

          In den Vereinigten Staaten war säuerlich erfrischendes Joghurt in geeister Form bereits Anfang der achtziger Jahre schick. Doch nach einem anfänglichen Boom sahen sich Anbieter wie „I Can't Believe It's Yogurt“ oder „This Can't Be Yogurt“ zu eng auf dem Eiskrem-Markt positioniert und der Front von Mitbewerbern dort nicht gewachsen. Denn Eiskrem heißt in Amerika nicht ohne Grund „ice cream“, wörtlich übersetzt also Eis-Sahne, und ist traditionell wesentlich üppiger als das Speiseeis italienischer Tradition. Die Joghurteis-Produzenten taten sich einerseits schwer, den Geschmacksansprüchen Genüge zu leisten; andererseits war die Health-Food-Welle noch nicht stark genug, um eine Kategorie für sich zu bilden.

          Der neue Kickstart 2005 nahm den Umweg über Seoul, wo selbstbewusste junge Konsumenten gesundes Fastfood nicht als Paradox und Joghurteis nicht als Ersatzware betrachteten. Mit Ketten wie „Red Mango“ und „Pinkberry“ - beide von Amerikanern koreanischer Herkunft gegründet - schaffte die fluffige Erfrischung zuerst in Los Angeles und dann in New York schnell den Sprung zum Kultstatus.

          Ein Treffpunkt der dritten Art

          Bei den heutigen Fro-Yo-Shops geht es wie bei den Coffeeshops à la Starbucks nicht nur um ein kulinarisches Angebot; sie sind vielmehr ein Treffpunkt der dritten Art - weder Schule oder Arbeit noch Zuhause. Stil ist wichtig; geschwungene Formen in poppigen Buntstiftfarben mit viel Weiß und alles irgendwie „niedlich“, passend zu der kunterbunten Vielfalt an Toppings, außer frischen Früchten etwas weniger gesunde Mini-Smarties, kleingehackte Schokoriegel, Kekse und Gummibärchen.

          Während das Eis selbst in den Vereinigten Staaten in verschiedenen Geschmacksrichtungen und abgedrehten Varianten angeboten wird, gibt es hierzulande neben dem weißen Naturjoghurt allenfalls eine zusätzliche Variante wie etwas Blaubeer oder Mango.

          Naturnah - oder nicht?

          Wie gesund ist das alles nun? Ob Amerika oder Europa, auf den Websites und in den Social-Media-Auftritten der einzelnen Firmen schwirrt es nur so vor entsprechenden Schlagworten wie „natürlich“, „fettfrei“, „zuckerfrei“, „glutenfrei“, „probiotisch“. Doch der angeblichen Quadratur des Schlaraffenlandkreises steht die Wirklichkeit der Zutatenliste entgegen. Die amerikanische Kultkette „Pinkberry“ nennt dort für die Variante „Original“, also natur, „fettfreie Milch, Zucker, gesäuerte pasteurisierte fettfreie Milch mit lebenden und aktiven Kulturen (weniger als 2%), gesäuertes fettfreies Milchpulver, Fruktose, Dextrose, natürliche Aromen, Zitronensäure, Guarkernmehl, Maltodextrin, Mono- und Diglyzeride, Stärke“ - das ist nicht ganz so naturnah, wie manche vielleicht meinen.

          Allerdings gibt es andere Anbieter, die komplett mit Bio-Zutaten arbeiten oder Agavensirup statt des herkömmlichen Zuckers verwenden. Über die Geschmacksunterschiede der einzelnen Shops lassen sich in den virtuellen Communities endlose und teils fanatische Diskussionen verfolgen - die einen mögen es säuerlicher, die anderen süßer.

          Hauptzutat Luft

          Nicht von der Hand zu weisen ist, daß Frozen Yogurt von einer gewissen Leichtigkeit geprägt ist (was sich mit manchen der Toppings allerdings mühelos ausgleichen lässt). Das basiert banal auf einer entscheidenden, aber nicht aufgeführten Ingredienz: Luft. 50 bis 80 Prozent werden in den Spezialeismaschinen in die milchige Grundmasse gepresst, die dafür einen hohen Anteil an Milchtrockenmasse und meist ein Bindemittel enthält.

          Da Frozen Yogurt nach Volumen verkauft wird, erklärt sich so die Beliebtheit bei Investoren: Ein Anbieter von Eismaschinen erwähnt auf seiner Website die Möglichkeit von 187,50 Euro Umsatz bei einem Wareneinsatz von 13 Euro, an anderer Stelle wird von einem „sehr rezessionsfesten Geschäftszweig“ gesprochen - solange die Kids das Zeug als hip betrachten und das nötige Kleingeld haben (hierzulande knapp drei Euro für die kleinste Portion). „Starbucks“-Gründer Howard Schultz hat jedenfalls bereits 2007 kräftig in „Pinkberry“ investiert.

          Kalorien machen fröhlich

          In der Kombination Joghurt und Minusgrade steckt zweifellos Potential, und das nicht nur finanztechnisch, sondern auch kulinarisch. Vom Wunschtraum des kalorienfreien Genusses sollte man sich dabei verabschieden; hier bringen ein paar Kalorien mehr ein großes Mehr an Freude - und Natürlichkeit. Zu Hause lässt sich die Fro-Yo-Fluffigkeit der Shops zwar selbst mit einer Eismaschine nicht reproduzieren, aber wie die Rezepte oben zeigen: tolles Joghurteis, das ist sogar ohne ein solches Gerät möglich, und beim nächsten Hitzeschub äußerst erfrischend - sogar cool.

          Zum Selbermachen

          Frozen Yogurt „natur“

          Säuerliche Süße oder süße Säuerlichkeit, das kann jeder selbst entscheiden. Mit der Art des verwendeten Joghurts ändert sich die Konsistenz als Eis: Sogenannter griechischer Joghurt enthält weniger Molke und damit mehr Trockenmasse und führt zu einem kremigeren Ergebnis, normaler Joghurt (1,5%) wirkt eher ein wenig kristallig wie ein Granato. Schmeckt solo, aber auch mit allen möglichen Fruchtpürees, Karamel, frischen Früchten aller Art, Knuspermüsli, Schokoflocken. Viele kleine Schüsseln mit verschiedenen Toppings und Saucen auf dem Tisch verteilt zum Selbstmischen und -streuen sind auch eine Idee für den nächsten Geburtstag, nicht nur für Kinder.

          Für 4-6 Portionen 500 g Joghurt mit 8 EL (120 g) Agavensirup und 1-1,5 EL Zitronensaft verquirlen oder aufmixen. Im Tiefkühler in einem flachen Gefäß gefrieren, dabei nach jeweils 45 min mit Gabel oder Schneebesen die Kristalle glattrühren. Nach 2,5-3 Stunden ist eine feste, aber noch geschmeidige Konsistenz erreicht, und das ist auch (zumindest bei der Verwendung von normalem Joghurt) der optimale Genussmoment. Ansonsten hartfrieren lassen und vor dem Servieren im Kühlschrank etwa 1 Stunde wieder weich werden lassen.

          Geeister Joghurt mit Sommerbeeren

          Drin statt drauf - die Mischung der Beeren ist Geschmacks- bzw. Angebotssache. Hier genügt es, die gefrierende Masse einmal nach etwa 1 Stunde glattzurühren (insgesamt braucht sie etwa 3 Stunden), und es ist gar kein Problem, das Eis im Voraus zu machen und dann etwa 1 Stunde im Kühlschrank weich werden zu lassen. Sieht in Gläsern angerichtet besonders schön aus.

          Für 3-4 Portionen 120 g gemischte Beeren mit 60 g Zucker mischen und einige Stunden oder über Nacht stehen lassen, damit etwas Saft entsteht. (Wenn säuerliche Früchte wie Johannisbeeren überwiegen, etwas mehr Zucker verwenden.) Dann kurz mit dem Stabmixer zerkleinern oder mit einer Gabel zerdrücken, so dass noch deutliche Fruchtstücke erkennbar sind. 200 g griechischen Joghurt (10%) daruntermischen und in einem flachen Gefäß tiefkühlen

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