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Fragen an Tarkan Taşyumruk : „Hektisch und Hauptsache satt“

  • Aktualisiert am

Mit Soße und Brot: „Der Döner hat sich mehr und mehr dem deutschen Geschmack angepasst.“ Bild: dpa

Am Wochenende fand wieder die Kontaktmesse Dönergastronomie (Döga) in Berlin statt. Der Vorsitzende des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa erklärt, warum der Döner das Fast Food Nummer eins ist.

          Hat man überhaupt noch Appetit auf Döner, wenn man wie Sie den ganzen Tag mit Döner zu tun hat?

          Gelegentlich esse ich noch einen, aber vor allem zur Verkostung. Doch so vollgestopft, wie man ihn heutzutage in Imbissbuden bekommt, mag ich ihn nicht. Ich mag meinen Döner am liebsten mit wenig Salat, ein wenig schlanker.

          Was heißt „heutzutage“? Hat sich der Döner verändert?

          Ja, der Döner hat sich mehr und mehr dem deutschen Geschmack angepasst. Der ursprüngliche Döner war zum Beispiel ohne Sauce. Aber Saucen sind heute nicht mehr wegzudenken. Dem türkischen Geschmack entspricht das nicht.

          Warum mögen gerade die Deutschen den Döner so gern?

          Der Döner passt als Fast-Food-Produkt sehr gut in den deutschen Arbeitsalltag. Er ist schnell zubereitet, man kann ihn unterwegs essen. Für die halbe Stunde Mittagspause ist der Döner perfekt.

          Wie sieht es in anderen Ländern aus?

          Der Döner ist mittlerweile in ganz Europa erfolgreich. In Spanien und Polen etwa, wo der Döner erst vor fünf Jahren auf den Markt kam, ist er zu einem Kultessen geworden ist. Und der Döner verbreitet sich immer noch schnell. In jedem Land, das der EU beitritt, ist auch der Döner danach bald vertreten. In Rumänien konnte man das zuletzt gut sehen.

          Mag Döner lieber traditionell: Tarkan Taşyumruk
          Mag Döner lieber traditionell: Tarkan Taşyumruk : Bild: privat

          Wie kommt der Döner in der Türkei an?

          Er ist auch dort beliebt, wird aber viel seltener so wie in Deutschland gegessen, im Brot und mit Sauce. In der Türkei isst man den Döner viel öfter auf dem Teller, mit Reis und Salat. Wie ein richtiges Essen, für das man sich Zeit nimmt. Nicht hektisch und Hauptsache satt werden. Ein bisschen südländischer eben.

          Wie groß ist die deutsche Döner-Branche mittlerweile?

          Es gibt etwa 16 000 Imbissbuden und 350 Produktionsbetriebe. Die Branche macht etwa 2,8 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Jährlich werden 750 Millionen Döner gegessen. Im Markt sind 60 000 bis 70 000 Menschen beschäftigt. Damit sind wir etwa so groß wie McDonald’s.

          Gibt es noch Entwicklungspotential?

          In Deutschland ist der Markt gesättigt, viel mehr Dönerbuden kann es nicht mehr geben. Zwischen den Buden sorgt das natürlich für einen großen Preiskampf, den man vor allem in Berlin beobachten kann. In anderen Bundesländern ist es längst nicht so schlimm.

          Und wie sieht es in der Industrie aus?

          Auch da ist die Konkurrenz groß. Aber Deutschland ist das Produktionszentrum in Europa, es wird viel exportiert, Maschinen oder Fleischspieße etwa. Durch die neuen Märkte gibt es also noch ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten.

          Am Wochenende hat sich die Branche auf der Döga, der Kontaktmesse Dönergastronomie, getroffen. 2010, im ersten Messejahr, fand ein Döner-Roboter, der das Fleisch selbständig vom Spieß schneidet, viel Aufmerksamkeit. Gab es in diesem Jahr wieder so ein Highlight?

          Nichts, was den Endverbraucher so stark betrifft wie der Döner-Roboter. Es wurden viele Maschinen vorgestellt, die der Verbraucher nie zu Gesicht bekommen wird, vor allem Hilfsgeräte für die Produktion, Fleischwölfe etwa oder Maschinen, die das Fleisch portionieren, aus dem der Dönerspieß herstellt wird. Auf der Döga geht es aber nicht nur um Maschinen, die Branche ist vollständig vertreten: Gewürzhersteller, Bäckereien, Schlachtereien. Und natürlich geht es auch darum, neue Absatzmärkte zu erschließen.

          Welche Länder sind interessant?

          In den Vereinigten Staaten hat sich der Döner noch nicht so durchgesetzt. Es gibt ihn zwar, aber der Spieß wird häufig noch vom Restaurantbesitzer selbst gemacht, so wie bei uns in den siebziger Jahren. Bislang gibt es kaum Industrie. Dementsprechend haben wir uns auf die Kollegen aus Amerika sehr gefreut.

          Sind Gespräche über das Geschäft nicht ein bisschen unangenehm, wenn alle Döner mit Knoblauchsauce essen?

          Ich hoffe nicht, das ist ja unser Geschäft, damit machen wir unser Geld. Ich esse meinen Döner bei solchen Anlässen aber vorsichtshalber ohne Knoblauch.

          Die Fragen stellte Andreas Nefzger.

          Quelle: F.A.Z.

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