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Food-Trucks : Essen auf Rädern

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Wo steht Ihr diese Woche? Ein Food-Truck in Los Angeles. Bild: Getty Images

Sie servieren Hot Dogs, Crêpes, Lobster und jedes denkbare Sandwich, sie locken zum Frühstück, zum Mittag- wie zum Abendessen: In Amerika erleben fahrbare Imbisse, die Food-Trucks, dank Nostalgie und Rezession ein Revival.

          Auf dem Parkplatz einer katholischen Kirche an der Vermont Avenue in Los Angeles wummern an einem Montagabend Generatoren, verlockende Düfte erfüllen die Luft. Vier „food trucks“ haben sich hier zu einem kleinen kulinarischen Straßenfest aufgestellt, vor den Fenstern der mobilen Küchen stehen Jogger und Familien mit Kinderwagen, Rentner und junge Pärchen an. „Oh, bin ich satt!“, klagt eine ältere Dame lachend, „aber ich musste nach dem peruanisch-japanischen Reisgericht unbedingt noch ein kubanisches Sandwich probieren.“

          Food-Trucks sind der letzte Schrei der amerikanischen Straßenszene: Imbisse auf Rädern, die an wechselnden Standorten frisch zubereitete Köstlichkeiten aus aller Welt feilbieten. Unter diesem Label findet sich von Crêpes bis Waffeln, von kubanischer Cuisine bis zu indianischen Spezialitäten, von Lobster bis Hot Dogs, von Tempeh bis Pommes ein ungeheuer vielfältiges Angebot.

          Lola Comacho, 29, schmiss vor zwei Jahren ihren Job als Kostümbildnerin in Hollywood hin, um mit zwei Freunden einen fahrbaren Imbiss zu leasen, den ein befreundeter Animator mit einem schön stilisierten Würstchen-Logo verzierte. Jetzt kutschiert sie mit Tony Arpaia, 29, und Sean Brand, 28, durch Burbank, Hollywood und das San Fernando Valley und verkauft Hot Dogs aus „The Wien“ - klassisch mit Sauerkraut und Senf oder Chili und Ketchup, oder mal ganz anders: in Bacon gewickelt, mit Zwiebelringen, Jalapeño und mexikanischem Frischkäse. Die drei halten sich mit ihrer rollenden Küche über Wasser, aber Tony sagt: „Es ist nicht einfach in einer Stadt, in der alle fünfzehn Meter eine Bar, ein Diner oder ein Restaurant zu finden ist.“ Die Food-Truck-Szene ist berüchtigt für ihren hohen Durchsatz.

          Mit Sauerkraut und Senf oder Chili und Ketchup: „The Wien“-Betreiber Lola Comacho und Tony Arpaia vor ihrem Wagen am Sunset Boulevard.

          Schon seit den 1860er Jahren gehören mobile Küchen zum amerikanischen Way of Life. Die chuckwagons des 19. Jahrhunderts versorgten die Cowboys auf den endlosen Prärien des Westens mit Bohnen, Trockenfleisch, Kaffee und Keksen. In den amerikanischen Großstädten der Jahrhundertwende begannen findige Unternehmer mit fahrbahren Imbissen, sogenannten roach coaches, die Baustellen der Stadt abzuklappern. Inzwischen gehören Hotdog- und Brezelstände längst zum Stadtbild New Yorks, Barbeque-Trailer prägen seit Jahrzehnten die Landstraßen der Südstaaten, und Tamale- und Burrito-Trucks sind in Kalifornien und Arizona nicht erst neuerdings allgegenwärtig.

          In den vergangenen Jahren allerdings erfuhren die Food-Trucks ein kulinarisches Revival, inspiriert von Nostalgie und einem neu sich entwickelnden Sinn fürs gute, einfache Leben, wie man ihn in Städten wie Austin, Texas, oder Portland, Oregon, zu pflegen begann. Befeuert wurde die Renaissance der mobilen Küchen aber auch von der Wirtschaftsrezession. Vielen erschien ein fahrbares Restaurant als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit, als finanzierbare Existenzgründung; der Markt für ein günstiges Lunch oder Dinner wuchs ja angesichts überall knapperer Budgets. Und Mobilität war in den Vereinigten Staaten schon immer ein Symbol des Willens, sich selbst zu verbessern.

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