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Dosentomaten im Test : Wenn es noch tomatiger schmecken soll

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Vielleicht lässt sich das Dilemma am besten anhand der ebenfalls gut beleumundeten „Delverde“ verdeutlichen. Denn diese „Pomodori Pelati Gusto Fresco“ wirken trotz flammender Farbe geschmacklich unscharf, so dass man auf der Zunge lediglich ein Nebeneinander von Un- und Vollreife zu spüren vermeint, dessen Mitte oder Schwerpunkt man vergeblich sucht. Das Mundgefühl lenkt die Gedanken eher auf ein Kompott aus Pfirsich, gekochter Salatgurke mit Anklängen vom Sellerie, in das ein Schuss Tomatensaft geraten ist.

Erstaunlich: Die „Ja!“-Tomaten haben es unter die besten fünf geschafft.
Erstaunlich: Die „Ja!“-Tomaten haben es unter die besten fünf geschafft. : Bild: Jan Roeder

Ähnlich verhielt es sich mit „Valfrutta“, die trotz eines beinahe wie zu Apfelmus eingedickten Safts und knalligen Rots ein bisschen gemüsig, im Ganzen jedoch wässrig, ja fast leer bleibt. Nach dem Genuss der spanischen Vertreter „Ibero“ und „Sol de Extremadura Tomate Entero Pelado Primera“ sprach Manina Panzer von „Süße ohne Körper“. Mit der Wendung wollte sie eine eigentümliche Substanzarmut beschreiben, die zunächst mit breiter Brust daherkommt, um sich anschließend in Beliebigkeit zu verlieren.

Demgegenüber behauptete sich „Ja!“ mit einer klaren Linie, die eine gewisse Wässrigkeit nicht ganz zu leugnen vermag. Beim Biss durch das hellrote feste, offenbar nur blanchierte Fruchtfleisch entsteht sofort der Eindruck von Frische. Sie resultiert aus einer „kleinen“ Säure, die mit einer natürlichen Fruchtsüße und einem ebensolchen Salzgehalt zusammengeht. Schließlich stützt noch ein leises, nach Strunk und Rispe riechendes Parfum den positiven Eindruck. Wolfgang Panzer wies noch darauf hin, dass eine gute Dosentomate wie diese oder die ihr nahestehende „Del Monte“ von der Konsistenz her notfalls auch im Salat Verwendung finden könne.

„Da ist Dampf dahinter“

Nun hätte man trotzdem denken können, dass es den Biotomaten ein Leichtes gewesen wäre, die Discountware zu überrunden. Schließlich stehen sie im Ruf, eine bessere Vergangenheit mit altvorderer Gärtnerleistung zu vertreten. Diese Illusion zerstob im Nu. Denn gleich vier Vertreter, nämlich „Basic“, „Campo Agricultura Biologica“, „Dennree“ und „Rapunzel“, kamen den Testern schwächlich, angebittert bis künstlich, überdies mit Fehltönen versehen vor. „Basic“ etwa erinnerte die Köchin an Aspirin und „Campo“ an den muffigen Geruch eines alten Schranks. Einzig „Natura Toscana Bio Pomodori“ schien wie gewachsen im Mittelfeld.

„Ja!“ wurde dennoch geschlagen. Denn wiederum vier Dosen, diesmal aus dem Preiskorridor von 1,39 Euro bis 2,60 Euro, plädierten eindrucksvoll dafür, dass es sich lohnt, etwas mehr für diesen Grundstoff auszugeben. „Annalisa Pomodoro San Marzano Dell’Agro Sarnese-Nocerino“ aus Kampanien, neben der Poebene wichtigstes Tomatenanbaugebiet Italiens, entwickelt nach säuerlichem Beginn den charakteristischen Ton einer Frucht, die in praller Sonne gewachsen scheint und bereits eine Ahnung von einem gebackenen Zustand andeutet.

Allerdings bleibt „Annalisa“ ein wenig verhalten. „Da ist mehr Dampf dahinter“, sagte Wolfgang Panzer nach dem ersten Probelöffel von „Manufactum San Marzano Tomaten“. Diese zwischen fest und weich angehaltenen Früchte sind intensiv süß, durchaus auch mineralisch und äußern sogar eine Tendenz zur Paprika; ihnen fehlte eigentlich nur ein Tick Säure, um mit der stark ähnelnden, vielleicht noch dichteren „Il pomodoro più buono de Vesuvio“ gleichzuziehen. Auf diesem Niveau befand sich auch „Mutti“. Jedoch nicht die Sorte „S. Marzano Dell’Agro“, sondern die noch vollere und geradezu vitalisierende „Mutti Pelati Mediterranei Nuova Qualità“. Diese Nuancen freilich werden erst in der Kombination mit einem hochklassigen Olivenöl deutlich. Aber welche delikaten Nuancen es sind!

Das Ergebnis im einzelnen

Fünf Sterne: „Mutti Pelati Mediterranei Nuova Qualità“ / Vier Sterne: „Il pomodoro più buono de Vesuvio“ / Drei Sterne: „Manufactum San Marzano Tomaten ganz und geschält“; „Mutti S. Marzano Dell’Agro Sarnese-Nocerino“ / Zwei Sterne: „Annalisa Pomodoro San Marzano Dell’Agro Sarnese-Nocerino“ / Ein Stern: „Ja! Geschälte Tomaten in Tomatensaft“ / Unter „ferner liefen“ (ohne besondere Reihenfolge): „Basic“, „Rewe“, „Kaiser’s Tengelmann Star Marke“, „Del Monte“, „Ibero“, „Valfrutta“, „Campo Agricultura Biologica“, „Dennree“, „Rapunzel“, „Delverde Gusto Fresco“, „Sol de Extremadura“, „Natura Toscana Bio“, „Edeka Italia“, „Baktat Domates“, „Casar“, „De Cecco“, „Ederki Tomates Entières“.

Quelle: F.A.S.

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