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Französische Küche im Comic : „Kochen ist Leidenschaft“

  • Aktualisiert am

Wenn Kochen Kunst ist, dürfen Wände aussehen wie Gemälde von Jackson Pollock. Bild: CARLSEN Verlag

Guillaume Long hat ein Comic-Kochbuch geschrieben. Ein Gespräch über über Schweinshaxe, Bildsprache und die Wiederentdeckung vergessener Gewürze.

          Herr Long, Sie haben ein Comic-Kochbuch geschrieben. Ich habe weder mit Comics noch mit dem Kochen viel zu tun. Aber ist die Schürze so wichtig, dass sie auf die erste Seite Ihres Buches gehört?

          Die Elemente Schürze, Schneidebrett und Messer sind die Basis guter Küche. In Frankreich wendet sich mein Buch an Leute wie Sie, die weder viel mit Comics zu tun haben noch sich groß in ihren Küchen auskennen. Viele Leser meines Blogs bei „Le Monde“ sind Studenten, die keinen blassen Schimmer vom Kochen haben. Sie kommen als Leser, und ich entführe sie dort in die Welt der Comics und des Kochens.

          Ich dachte erst, es geht um dieses Bild. Schon auf der ersten Seite lässt sich der Koch nicht mehr vom Künstler unterscheiden.

          Es ist eine Anspielung auf Jackson Pollock und dessen Dripping-Gemälde. Nachdem er die gemacht hatte, träufelte die Farbe auch mehr in seinem Atelier als auf der Leinwand.

          Mit vier Zeichnungen zum Zucchini-Salat
          Mit vier Zeichnungen zum Zucchini-Salat : Bild: CARLSEN Verlag

          Brauchen Studenten denn wirklich die japanischen Messer, kupfernen Soßenschüsseln und Knoblauchreiben, die Sie mit Leidenschaft empfehlen?

          Also ich habe so eine Geek-Neigung zur Welt; Star Wars und so. Ich habe große Freude an technischen Gadgets. Ich schaffe sie mir gerne an, und ich habe sie gerne um mich herum, auch wenn ich sie gar nicht so oft gebrauche. Das sind aber auch keine besonders teuren Gegenstände, als Comiczeichner hätte ich für die ja gar kein Geld.

          Ihr Buch ist Lebenshilfe, Rezeptesammlung, Einführung in die Kultur der Küche und Kolumnensammlung. Welche Idee verbinden Sie mit ihm?

          Als leidenschaftlicher Koch habe ich mir immer Rezeptbücher gekauft. Die lese ich dann mit Genuss im Wohnzimmer, weil sie in der Küche zu schmutzig werden zwischen den Töpfen und Gemüsepasten. Das hat mich auf die Idee gebracht, selbst ein Buch zu machen, das man nicht unbedingt in der Küche neben sich aufschlagen muss, sondern das man dort lesen kann, wo man Lust darauf hat. Lust ist die Hauptsache. In dem Buch stecken viele Sachen, die recht einfach sind, die man sich dann für später merken kann. Ich bin ja auch kein Drei-Sterne-Koch.

          Sie berichten im Buch auch von Reisen. Sie verliebten sich in Italien und beschwerten sich über Ungarn. Was gäbe es über Deutschland zu sagen?

          Wir waren gestern in einem Düsseldorfer Traditionsbrauhaus. Vorher hatte mir mein deutscher Dolmetscher von den berühmten Hähnchen und Schweinshaxen erzählt. Auch Pierre Korzilius, der Direktor des Institut Français, hatte mir den Mund wässrig gemacht. Als die dann ankam, dachte ich, es ist wie bei Asterix und Obelix, ein Wildschwein am Stück. Ich habe tatsächlich geschafft, alles zu essen. Dafür habe ich dann heute nichts gegessen. So läuft es offenbar. Den einen Tag isst man und den anderen dann nicht, das ist sehr gut und praktisch. In Berlin freue ich mich auf die Currywurst, von der wird ja viel gesprochen, ich werde sie dann mal probieren.

          Können Sie sagen, was Ihnen mehr Spaß macht, das Kochen oder das Zeichnen?

          Das Kochen. Zeichnen macht auch Spaß, aber es ist seit zehn Jahren meine Arbeit. Manchmal macht man seine Arbeit mit viel Freude, am anderen Tag hat man die Nase voll davon. Beim Kochen ist es anders, es ist eine Leidenschaft geblieben. Es bedeutet für mich immer Entspannung, damit kann ich mir jederzeit eine Freude machen.

          Hat Zeichnen mit Talent zu tun und Kochen mit Übung? Ist Ihr Buch eine Einladung zum Üben?

          Man kann auf beiden Gebieten üben. Ich bin Comiczeichner geworden, weil ich Geschichten erzählen wollte. An der Kunsthochschule habe ich mich lange mit Film beschäftigt. Die einfache Bildsprache hat mich interessiert, dann habe ich mich weiterentwickelt. Jetzt habe ich ein Niveau erreicht, von dem ich glaube, es ist brauchbar. Es bedeutet viel Arbeit, dahin zu kommen, wo man hinwill. Meine Zeichnungen sind auch immer zweckgebunden. Ich zeichne nie aus reinem Vergnügen. Wenn ich etwas sehe, was ich später als Modell brauche, mache ich lieber ein Foto, das ist praktischer.

          Es gibt gerade mehrere Comic-Kochbücher aus Frankreich. Fleisch kommt in ihnen kaum vor.

          Ich esse unheimlich gerne Fleisch, aber es ist ja keine große Sache, sich ein Hacksteak oder Würstchen zu machen. Es erschien mir interessanter, die Leser mit Gemüse bekannt zu machen: Schwarzer Rettich, Auberginen, Zucchini und Brokkoli. Viele fragen sich, wie man sie schmackhaft zubereitet. Gerade für die Aubergine interessieren sich junge Leute, die diese Eierfrucht im Supermarkt sehen, aber nichts mit ihr anzufangen wissen. Es gibt allerdings auch gerade eine Mode in Frankreich, vergessenes Gemüse und Gewürze wiederzuentdecken.

          Die Fragen stellte Stefan Schulz. Übersetzung: Stefan Barmann

          Guillaume Long: „Kann denn Kochen Sünde sein“, Carlsen-Verlag, Hamburg 2013, 24,90 Euro.

          Quelle: F.A.S.

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