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Essen auf Rädern : Fastfood der nächsten Generation

  • -Aktualisiert am

Klappe auf, Essen raus: Food Trucks sind längst Teil der urbanen Gastronomie. Doch nicht jeder Betreiber kann auch davon leben. Bild: Matthias Lüdecke

Mobile Küchen mischen deutsche Großstädte auf. Um sich einen festen Platz in der Gastronomie zu sichern, befahren Foodtrucker auch neue Wege.

          Inmitten der Betonwüste aus mehrstöckigen Bürohäusern könnte das weiße Imbissmobil auch eine Fata Morgana sein. Tatsächlich entpuppt es sich als Oase für die hier schuftenden Jungunternehmer und Kreativen, denen es in unmittelbarer Nähe des Gewerbehofs Kiefholzstraße in Berlin-Treptow an Möglichkeiten für die Mittagsverpflegung mangelt. „Gutes Drauf“ prangt neben einem aus geometrischen Formen zusammengesetzten Apfel in magentaroten Lettern auf dem Wagen. Und Gutes ist auch drin: In der Vitrine hinter hochgelassener Klappe steht eine Schüssel Pink Risotto mit Roter Bete und Parmesan, daneben die letzten Stücke einer Blumenkohl-Curry-Quiche und eine Rhababer-Baiser-Tarte.

          Täglich wechselnde Standorte

          Jetzt, gegen vierzehn Uhr an einem Donnerstag, erheben sich die letzten Gäste von den Holzbänken vor dem Wagen und reichen ihre grün-, orange- und gelbfarbenen Teller und Becher - Mehrweg-Geschirr aus Bambusfasern und Maismehl - über die Theke an Angelika Seydel und Matthias Schäfer. In der mobilen Küche mit zwei Kühlschränken, drei Waschbecken, einem Backofen und einer Kaffeemaschine, betrieben über einen integrierten Generator, arbeitet das Paar seit April 2014. Die Ausrichtung auf vorwiegend vegetarische und vegane Quiches, Suppen und Tartes mit Zutaten aus Regional- und Bio-Anbau stand von Anfang an fest, die täglich wechselnden Standorte ihres Imbisses hingegen mussten Seydel und Schäfer sich erobern.

          Denn anders als in den Vereinigten Staaten, wo Food Trucks, also Imbisswägen, auf öffentlichen Flächen stehen dürfen, können fahrende Gastronomen in Deutschland nicht einfach am Straßenrand haltmachen, die Klappe öffnen und verkaufen. Sie brauchen Sondernutzungsgenehmigungen, und da die für öffentliche Großstadtflächen kaum zu bekommen sind, gab es in Frankfurt, Köln und Berlin bisher die geballte Ladung Food Trucks häufig nur im Rahmen von ganzjährig stattfindenden Festivals und Märkten, wo mobile Gastronomen auf einem Privatgelände stehen dürfen und dafür häufig Standmiete zahlen.

          In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Food Trucks in deutschen Großstädten dennoch zu einem Trend entwickelt, der in Hamburg, Berlin oder auch Nürnberg allmählich im Gastro-Alltag ankommt. Engagierte Trucker befahren hier längst neue Wege, um sich langfristig zu etablieren und aus ihrem Hobby eine Haupteinnahmequelle zu machen.

          Mit der Lunch-Karawane durch Deutschland

          Lena Arlt stürzte sich nach ihrem Studium komplett in die Zubereitung und den Verkauf typischer Gerichte der kreolischen und Cajun-Küche New Orleans’, während ihr Geschäftspartner Philipp Welsch weiterhin als Unternehmensberater tätig ist. Von den Wochenend-Festivals und -Märkten allein könnte Arlt nicht leben. Mit ihrem „Soul Food Truck“ schloss sie sich deswegen der Lunch-Karawane an, einer Art mobilen Kantine, die täglich rotierende Food Trucks zu Unternehmensstandorten bringt. Das Hamburger Bürozentrum am Osterbekufer oder auch der Gewerbehof Kiefholzstraße in Berlin gehören dazu.

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          Der „Gutes Drauf“-Truck ist ebenfalls Teil der Lunch-Karawane, deren Haltestellen und Speisepläne online einsehbar sind. Unter der Woche verkauft Arlt an bis zu vier Mittagen das Reisgericht Jambalaya, Muffuletta genannte Sandwichs mit Salami, Kochschinken, Mozzarella und Olivensalat sowie Étouffée, eine auf einer stark angerösteten Mehlschwitze basierende Sauce, die traditionell mit Flusskrebsen eingekocht wird. Die Exotik und Qualität der Speisen zeichnet Food Trucks aus. Fastfood der nächsten Generation sozusagen.

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