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Veganer Attila Hildmann : „Ich möchte nicht nackt im Wald leben“

Attila Hildmann: „Mein Vater hatte einen Herzinfarkt. Das wollte ich mir ersparen.“ Bild: Picture-Alliance

Der vegane Kochbuchautor Attila Hildmann hat mehr als 1,5 Millionen Bücher verkauft, aber er hat auch Feinde. Vermummte Aktivisten haben jetzt sogar eine Veranstaltung von ihm gestört. Ein Interview über den Hass.

          Herr Hildmann, eine Veranstaltung in Hannover, auf der Sie jüngst Ihr Kochbuch „Vegan For Fit – Gipfelstürmer“ vorgestellt haben, soll von Vermummten gestört worden sein. Was war da los?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Es war ein sehr schöner Abend, etwa 500 Leute waren da, um mein Konzept kennenzulernen, bei dem man mit gesunder, veganer Ernährung in sieben Tagen effektiv abnehmen kann. Vor der Halle sind dann ziemlich seltsame Gestalten aufgetaucht, vermummt, mit Kameras auf dem Kopf und Megafon. Die haben meine Zuschauer belästigt und beleidigt.

          Und was war die Botschaft der Leute?

          Ich weiß gar nicht, ob es militante Metzger waren oder sehr linke Veganer, ich gerate mit beiden Gruppen aneinander.

          Es war nicht der erste Vorfall?

          Dass jemand meine Veranstaltungen attackiert, ist neu. Aber was ich sehr gut kenne, sind Shitstorms im Internet.

          Attila Hildmann am vergangenen Freitag in Düsseldorf: „Vor der Halle sind ziemlich seltsame Gestalten aufgetaucht.“

          Wann kommen die ins Rollen?

          Mir wird vorgeworfen, dass ich das falsche Auto fahre. Ich bin Porsche-Fahrer. Manche sagen, das würde nicht zusammenpassen: vegane Ernährung und Sportautos. Ich möchte aber nicht nackt im Wald leben und Fahrrad fahren, nur weil ich mich gesund und nachhaltig ernähre.

          Aber ein Widerspruch ist das ja schon: mit dem Porsche in den Biomarkt.

          Wieso? Das ist besser, als sich mit dem Porsche ein Schnitzel beim Discounter zu holen. Wer ein bisschen was für die Umwelt tut, wird mehr verurteilt, als jemand, der gar nichts tut, das ist doch absurd. Ich finde es gut, wenn das Klischee des veganen Hippies ersetzt wird durch das des stylischen Veganers, der Porsche fährt.

          Ein anderes Klischee ist ja der Hipster, der Vollbart trägt, in Berlin-Mitte lebt und sich für einen Weltverbesserer hält, weil er vegane Smoothies trinkt.

          Auch damit kann ich nichts anfangen. Ich beschäftige mich nicht mit gesunder Ernährung, um auf andere herabzublicken.

          Attila Hildmann bei „Let’s Dance“: „Ich finde es gut, wenn das Klischee des veganen Hippies ersetzt wird durch das des stylischen Veganers, der Porsche fährt.“

          Was unterscheidet Ihr Geschäftsmodell von dem eines Frauenmagazins, das mit Diätversprechen seine Hefte verkauft?

          Meine Diäten basieren auf wissenschaftlichen Untersuchungen, die Wirksamkeit wird an Probanden getestet und damit bewiesen. Ich selbst habe durch meine Ernährung 35 Kilo verloren. Mein Vater hatte einen Herzinfarkt. Das wollte ich mir ersparen.

          Gefällt es allen Veganern, dass Sie den Trend in den Mainstream tragen?

          Nein, ich habe 1,5 Millionen Bücher verkauft, in denen es vor allem um vegane Ernährung geht. Manche Leute hätten gerne, dass der Veganismus eher in der Nische bleibt. Oder sie kritisieren mich, weil ich zu Stefan Raab gehe, der früher mal Metzger war. Meine Auslegung ist aber entspannter, ich mache Kompromisse, wir sind eine freie Gesellschaft. Vegan zu leben ist keine Religion.

          Und was macht die Fleischesser wütend?

          Die fühlen sich von diesem riesigen Trend bedroht. Aber sie brauchen keine Angst zu haben. Ich nehme ihnen ihre Bratwurst nicht weg.

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