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DFB-Koch im Interview : „Weltmeistern schmecken auch Dosen-Ravioli“

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Der Meister bei der Arbeit: Holger Stromberg Bild: dpa

Holger Stromberg stellt sicher, dass die deutsche Nationalelf richtig isst. Im Interview spricht der Koch über stärkende Tränke, Lust auf Burger und bange Minuten in der Kabine. Und ein paar seiner Rezepte haben wir auch für Sie.

          Herr Stromberg, gibt es Gerichte, die der Mannschaftskoch Fußballern vor dem Spiel unter keinen Umständen auf den Teller legen darf?

          Keine geschmorten Speisen, weil die definitiv schwerer im Magen liegen und dann auch schwere Beine machen. Also eher das kurzgebratene helle Fleisch. Man sollte vor dem Spiel auch keinen Kamillentee reichen. Eisenkraut wäre auch nicht so gut, das sind Müdemacher.

          Und umgekehrt: Gibt es etwas, das für Fußballer das ist, was für Popeye der Spinat ist?

          Die Tore müssen immer noch die Spieler schießen, das macht kein Lebensmittel. Aber grundsätzlich koche ich vor dem Spiel mit Zutaten, die den Stoffwechsel anregen. Viele Kräuter und Gewürze, Chili und Ingwer. Das macht frisch. Was ich gerne anbiete, ist ein Ginkgo-Eistee, den trinken die Spieler gerne, und er macht wach, ohne aufzuregen. Anders als Kaffee, von dem manche ja Herzrasen bekommen.

             

          Essen wie die Nationalelf: Sechs ausgewählte Rezepte

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          Wie viele Kalorien muss man in so einen Fußballspieler während eines Wettkampfes eigentlich reinbringen? Müssen die reinhauen wie die Scheunendrescher?

          Das ist gar nicht so übermäßig viel wie zum Beispiel bei Fahrradfahrern, die 12000 Kilokalorien am Tag verbrauchen. Das kann man gar nicht eressen, das geht nur über Nahrungsergänzungsmittel. Fußballer dagegen haben selbst an einem Spieltag einen Verbrauch von 3500 bis 4000 Kilokalorien. Das kriegt man durchaus noch über Nahrung hin. Wichtig sind viele Kohlenhydrate.

          Stimmt das alte Klischee noch: Pasta, Pasta und noch mal Pasta?

          Es muss nicht immer eine Nudel sein, Couscous oder Graupensalat tun es auch. Ich achte vor allem darauf, dass ich komplexe Kohlenhydrate anbiete, bei Pasta beispielsweise selbstgemachte Roggennudeln oder Dinkel-Vollkorn-Pasta. Daneben ist viel Gemüse wichtig. Als ich vor sieben Jahren bei der Nationalmannschaft begonnen habe, war das ein nicht so beliebter Teil des Buffets. Es gehört zu meinem Job, das den Spielern schmackhaft zu machen.

          Sie sind ja bekannt für Ihre Liebe zum Fleisch. Sie haben sich in Brasilien sogar eine Grillstation zimmern lassen.

          Brasilien ist bekannt für seine herausragenden Grillaktivitäten. Deshalb habe ich, als ich zur Vorbereitung im Februar dort war, die Bauarbeiter gebeten, einen ganz ursprünglichen Grill zu bauen, wie Brasilianer ihn sich zu Hause auch bauen würden. Jetzt müssen wir noch sehen, ob wir brasilianische Rindersteaks finden oder ob es nur welche aus Argentinien gibt.

          Es gehört zu Ihrem Verständnis von Nachhaltigkeit, Lebensmittel immer erst vor Ort zu kaufen.

          Normalerweise habe ich immer zwei Europaletten mit meinen favorisierten Gewürzen, hochwertigen Ölen und leistungsfähigen Küchengeräten dabei, Fleisch und Gemüse kaufe ich immer erst im jeweiligen Land. Im Trainingslager in Südtirol hat sich das wieder einmal sehr bewährt, das ist kulinarisch ein Paradies. In Brasilien ist das nicht ganz so einfach. Da findet man nicht an jeder Ecke einen Supermarkt wie bei uns, es gibt wenig frisches Gemüse, und die Qualität der Produkte ist oft nicht so, wie ich mir das vorstelle. Aber das sind Herausforderungen, die mich antreiben.

          Zu Ihrem Verständnis von Nachhaltigkeit gehört auch, nicht nur Steaks auf den Grill zu werfen, sondern das Tier im Ganzen zu verarbeiten.

          Daran halte ich mich auch auf den Turnieren. In Südtirol haben wir zum Beispiel ein ganzes Kalb verarbeitet, da ist nichts übrig geblieben, das finde ich respektvoll.

          Also müssen die Spieler auch mal Pansen essen?

          Pansen, also nur Kutteln, wäre wohl schwierig. Aber es gab zum Beispiel Kalbskopf, den haben wir zur Brotzeit aufgeschnitten. Kalbsleber und Kalbszunge hatten wir auch.

          Hand aufs Herz: Ist schon mal etwas gar nicht angekommen?

          Ja, klar gibt es das. Da darf man nach dem ersten Mal nicht verzweifeln, sondern muss es noch ein zweites Mal anbieten. Mittlerweile weiß ich natürlich, was die Spieler mögen. Wenn ich aber nur das koche, wird es eintönig.

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