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Nuss-Nougat-Creme im Test : Das süße Glück aus dem Glas

  • -Aktualisiert am

Haselnüsse, Kakao, Zucker: So schmeckt selbst schlecht gebackenes Brot. Bild: Lucas Wahl

Wer von Nuss-Nougat-Creme spricht, meint in der Regel Nutella. Doch bietet die stärkste Marke auch den größten Genuss? Wir haben 20 Marken, Kilopreis von drei bis 50 Euro, getestet.

          Als das Butterbrot abgeschafft wurde, lag das nicht an Käse, Schinken und Wurst. Die sorgten nur dafür, dass es seltener wurde. In die Rente geschickt wurde die mit blanker Butter bestrichene, mit etwas Salz und vielleicht noch Schnittlauch bestreute Stulle von einer damals großen Unbekannten: Nutella.

          Die im Jahr 1940 von Pietro Ferrero im Piemont entwickelte Pasta Gianduja, die unter neuem Namen in Deutschland 1965 in den Handel kam, traf die jungen Leute mitten ins Herz. Angekündigt wurde der für lange Zeit von keiner Konkurrenz gefährdete Erfolg weder durch einen spürbaren Überdruss an Honig- und Marmelade - den Hauptkonkurrenten unter den süßen Aufstrichen - noch von den Eszet-Schnitten, dünnen Schokoladentafeln, die als Brotbelag gedacht waren, meistens aber ohne diesen Umweg im Mund landeten.

          Höchstens frühe Italien-Urlauber mögen Bekanntschaft gemacht haben mit zuckrigen Nougatpasten, die sozusagen als Vorhut des heute wohl berühmtesten italienischen Lebensmittels im Supermercato neben den Kondensmilchbüchsen standen.

          Nuss-Nougat-Creme im Test: Das sind die Gewinner Bilderstrecke

          Der Abstieg des Butterbrotes ist nicht auffangbar

          Der Siegeszug muss eher mit einer kleinen Zeitenwende zu tun gehabt haben, die sich in größeren Maßstäben kaum bemerkbar machte. Das allerdings verwundert nicht, denn die Generation Nutella ist eine gesättigte Generation. Die um 1960 Geborenen neigten nicht zu Aufruhr und Revolution. Wenn es denn doch so etwas wie einen Aufstand der Braven gab, dann galt er Muttis Küche oder einem noch wenig entwickelten Snack-Repertoire in Schule und Kino. Folgerichtig trugen viele von ihnen nach dem Ende ihrer von Nutella und der Augsburger Puppenkiste versüßten Kindheit und Jugend zum kulinarischen Aufschwung unseres Landes bei.

          Gleichzeitig markiert die Ablösung des Butterbrots durch einen Aufstrich von ungleich mehr Geschmack und Substanz auch einen anderen Trend, der nur als bedauerlich zu bezeichnen ist. Denn den allgemeinen Niedergang des Brotes vermag auch der beste Aufstrich der Welt nicht wirklich aufzufangen. Gleichwohl können die Röstnoten von Nüssen zusammen mit Kakao und tüchtig Zucker die Enttäuschung über die gebackene Unterlage offenbar in Grenzen halten.

          Mehr als die Hälfte ist Zucker

          Laut Deklaration besteht Nutella mehr als zur Hälfte aus Zucker, dann pflanzlichem Fett, Haselnüssen (13 Prozent), fettarmem Kakao, Magermilchpulver (7,5 Prozent), dem Emulgator Sojalecithin sowie Vanillin. Im Unterschied zur Konfitüre ist hier die Butter - oder besser wohl die Margarine - quasi in die Rezeptur eingearbeitet, was den Aufstrich zu einem Verwandten der Erdnussbutter, der südamerikanischen Dulce de leche, des britischen Lemon Curd und der bretonischen Crème de Salidou au beurre salé werden lässt.

          Vor allem aber ist Nutella eine Marke, gegen welche die vielen anderen Produkte, die wie die Leitcreme auf eine Nougatpralinenfüllung beziehungsweise Haselnuss-Ganache zurückgehen, ankommen müssen.

          Eine derartige Messung haben wir nun mit einem Spitzenkoch durchgeführt, in dessen Repertoire unterschätzte oder landläufige Zutaten genauso selbstverständlich ihren Platz haben wie seltene und edle. Thomas Martin, Küchenchef im Hamburger Hotel Louis C. Jacob und Träger zweier Sterne im Gastroführer Guide Michelin, könnte man als konservativen Modernisten bezeichnen. In seinem nie protzig wirkenden Werk - beileibe nicht die Regel in einem Luxushotel - verbinden sich Elemente der französischen Klassik mit solchen aus Spanien und Nordafrika. In jüngerer Zeit verarbeitet der Meisterkoch auch Anstöße des rigiden Neoregionalismus des europäischen Nordens. Vielleicht am meisten beeindruckt Martins zeitlose Art, Ideen auf dem Teller zu installieren.

          Höchstnote von 20 Punkten

          Bei seiner Mitstreiterin ist es noch nicht klar, ob sie jemals eine kulinarische Laufbahn einschlagen wird. Sicher hingegen ist, dass die Eimsbütteler Gymnasiastin Emma Bortfeld schon jetzt, im Alter von elf Jahren, über ein selten ausgeprägtes Distinktionsvermögen verfügt. Sie liebt inzwischen alles, was ihre Mutter nicht gekocht hat. Deshalb zogen wir sie als Gastkritikerin hinzu.

          Zum Schluss der Veranstaltung, in deren Verlauf 30 Sorten Creme, deren Kilopreise von drei bis über 50 Euro reichten, probiert und klassifiziert wurden, schwang sich Emma zur Königsmacherin auf - wenn man denn einem Spross des Geschlechts derer von Nuss und Nougat eine Krone aufsetzen will.

          Die Bewertungsskala richtet sich nach der des Gault Millau, dessen ans Ideal reichende Höchstnote von 20 Punkten eigentlich nicht vergeben werden soll. Im Unterschied zum französischen Restaurantführer ist die Wertung nicht absolut. Statt der Ermittlung höchster Delikatesse geht es hier um die sinnvolle Stufung von aromatischen Profilen innerhalb eines Themenfelds. Ins Urteil gehen ein: Punkte für Geschmack und Duft, dann aber auch für Mundgefühl sowie Handhabbarkeit.

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