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Das Sandwich : „Meinen Großvater nannten sie Lord Snack“

  • Aktualisiert am

War ursprünglich nicht so vielschichtig: das Sandwich Bild: AP

Unzählige Geschichten ranken sich darum, wie das Sandwich zu seinem Namen kam. Ein Gespräch mit dem Nachfahren des Erfinders über das Originalrezept, neumodische Brot-Türme und Namenswitze.

          Lord Sandwich, wie oft müssen Sie irgendwelche Namenswitze über sich ergehen lassen?

          Mein Großvater bekam einige zuhören. Er war im Vorstand eines Londoner Museums, und seine Kollegen nannten ihn „Lord Snack“. Aber ich bin davon bisher verschont geblieben.

          Wie kam Ihre Familie denn zu diesem Titel?

          Mein Vorfahr Edward Montagu holte 1660 König Karl II. zurück nach England. Im Mai 1660 wurde ihm dafür der Titel verliehen. Eigentlich sollte das „Portsmouth“ werden, das war der wichtigste Hafen. Aber Montagu entschied sich für die ältere, geschichtsträchtigere Hafenstadt Sandwich.

          Hat Ihre Familie noch irgendeine Beziehung zu der Stadt?

          Nun, der Name ist die Beziehung. Sandwich ist noch immer eine berühmte Hafenstadt. Der Hafen ist aber versandet, nun liegt die Stadt nur noch an einem Fluss. Also ist das „Sand“ wörtlich zu nehmen. Meine Familie hat aber immer woanders gelebt. Der Name blieb also die einzige Beziehung.

          Die Einwohner von Sandwich haben im vergangenen Jahr den 250. Jahrestag der Sandwich-Erfindung gefeiert . . .

          Ja, denn der Historiker Edward Gibbon hatte das Sandwich zum ersten Mal 1762 als einen Snack erwähnt, den man in einem Café in der St. James Street in London essen konnte. Also haben wir einen schriftlichen Beleg, der den Anlass zu den Feierlichkeiten gab.

          Es ranken sich viele Geschichten darum, wie Ihr Vorfahr, der vierte Earl of Sandwich, das belegte Brot erfunden hat. Welche stimmt denn nun?

          Die wahrscheinlich populärste Geschichte ist die vom Kartenspielen. Natürlich liebte es der vierte Earl, wie jeder Politiker zu dieser Zeit, sich in Clubs und Cafés zu begeben und dort Karten zu spielen, Bakkarat zum Beispiel. Und dafür musste er auch beim Essen eine Hand frei haben. Aber unsere Familie erinnert immer wieder daran, dass der vierte Earl ebenjener hart arbeitende Politiker war. Zweimal Erster Lord der Marine. Er wollte etwas Einfaches essen und seine Mittagspause nicht pompös und zeitaufwendig mit mehreren Gängen verbringen. Also ließ er sich Roastbeef zwischen zwei Brotscheiben legen.

          Der vierte Earl muss eine ziemlich beeindruckende Person gewesen sein, denn auch die Sandwich-Inseln sind nach ihm benannt.

          Korrekt. Er hat eine von Captain Cooks Reisen unterstützt. Und Captain Cook musste ja alles benennen, was er auf seinen Reisen entdeckte. Also sind alle Namen unserer Familie - Sandwich, Montagu und Hinchingbrooke - in allen Weltteilen gut vertreten.

          Waren Sie denn schon einmal auf einer dieser Inseln?

          Ich nicht, aber mein Vater war auf der Sandwich-Insel. Nicht der südlichen bei den Falklands, sondern auf der Hawaii-Insel. Und nun haben wir auch ein frisches Hawaii-Sandwich im Angebot.

          Im Angebot Ihres Franchise-Unternehmens „Earl of Sandwich“?

          Genau. Mein Sohn hat vor rund zwölf Jahren eine Firma gegründet, die Sandwiches in London auslieferte. Die Familie hatte immer gesagt, wir müssen uns am großen internationalen Sandwich-Business beteiligen. Also begannen wir damit, das Geschäft nach Amerika auszuweiten. Während einer Rezession, also jetzt, sollten wir alle mehr Sandwiches essen. Es gibt also keinen Grund, warum das Geschäft nicht weiter wachsen sollte.

          Was ist drauf auf dem perfekten Sandwich?

          Ich erinnere die Leute gern an das Original: Roastbeef, blutig oder gebraten, Meerrettich und Kresse. Cheddar passt auch ganz gut dazu.

          Und das ist das Originalrezept?

          Na ja, ein Originalrezept gibt es nicht. Aber es kommt an das Original heran.

          Das klingt ziemlich einfach, könnte man also auch zu Hause machen.

          Das hoffe ich. Immerhin ist das die Grundidee eines Sandwiches, jeder kann es zu Hause machen.

          Und was ist Ihr Lieblingssandwich?

          Genau dieses Original, das nennen wir „The Earls Original“. Solche drei-, vierstöckigen Clubsandwiches mag ich dagegen überhaupt nicht. Ich bin aber auch schon beinahe 70 Jahre alt, da braucht man etwas Einfaches.

          Die Fragen an John Montagu, Earl of Sandwich and Viscount Hinchingbrooke, stellte Maria Wiesner.

          Quelle: F.A.S.

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