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Volker Drkosch hat seinen aus dem Tschechischen stammenden Familiennamen der Einfachheit halber in zwei Teile zerlegt. Bild: Privat

Das lustigste Sternerestaurant : Der Zwang zur Zwanglosigkeit

  • -Aktualisiert am

Volker Drkosch hat es geschafft, aus seinem Haus in Düsseldorf das animierteste Sternerestaurant Deutschlands zu machen. Das bringt viel Spaß, hat aber auch seinen Preis.

          Wer unbefugt inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel oder öffentliche Würden führt, wird gemäß Paragraph 132a Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Dr. Kosch tut dies ungeniert und ist bisher nicht belangt worden, obwohl er keinen Hehl aus seinem Antiakademismus macht und zugleich seinen Anmaßungstitel für die Strafverfolgungsbehörden gut sichtbar an der Fassade seines Betriebes in Düsseldorf-Pempelfort befestigt hat.

          Dr. Kosch hat wohl auch in Zukunft nichts zu befürchten. Denn einerseits will er sich als falscher Doktor keine Vorteile erschleichen, sondern nur einem vermeintlich kranken Patienten auf die Sprünge helfen. Und andererseits hat er eine plausible Erklärung für seinen Verstoß gegen Paragraph 132a.

          Dr. Kosch heißt in Wahrheit Volker Drkosch, hat seinen aus dem Tschechischen stammenden Familiennamen der Einfachheit halber in zwei Teile zerlegt und führt keine Scharlatanenpraxis, sondern das Restaurant „Dr. Kosch“, dessen Konzept er für eine mögliche Zukunft der deutschen Spitzengastronomie hält. Spaß ist die einzig gültige Doktrin in seinem Lokal, in dem sich die Gäste so wohl fühlen sollen, als seien sie zu Hause.

          Raffiniert und doch nicht künstlich kompliziert

          Die Insignien der klassischen Feinschmeckerei sind vollständig verbannt, die Atmosphäre ist bei aller gebotenen Professionalität von Küche und Service so ungezwungen wie in einer Eckkneipe, die Einrichtung stammt zum einen Teil von Ikea und zum anderen vom Flohmarkt oder aus Altdüsseldorfer Bierkneipen. Die Weinkarte verzichtet auf Prestigeposten und das Menü auf die übliche Liturgie mit Amuse-Gueules und Petits Fours.

          Stattdessen geht es gleich los mit einem „Tag am Meer“, den eine wolkenweich gebeizte Makrele und ein nicht ganz so sanftmütig gegrillter Pulpo gemeinsam mit einer Tomatenvinaigrette auf Meerwasserbasis, Sobrassada-Creme, Auberginen-Mousse, eingelegten Paprika und Feta aus Lesbos bestreiten – ein furioser Auftakt, raffiniert und doch nicht künstlich kompliziert, nach dem niemand auf den Gedanken käme, Dr. Kosch mit der Härte des Gesetzes zu drohen.

          Spätestens nach der Nordsee-Scholle ist dann jedem Gast klar, dass trotz der Kneipenatmosphäre hier alles andere als ein Kneipenkoch am Werk ist. Das Fischfilet ist zart wie eine Mousse, wird von Spinat, Pfifferlingen, einem gebeizten Eigelb, mariniertem Spargel in Weiß und Grün und einem Spargelschaum begleitet, der aus den Schalen ausgekocht ist, was ihm eine schöne, unaufdringliche Bitterkeit verleiht. Wieder ist es keine spektakuläre Kreation oder Kombination, sondern im Grunde nichts anderes als Spargel mit Fisch und ein paar Beilagen – und wieder gelingt es Volker Drkosch, das Einfache nicht schlicht und das Wesentliche nicht nackt werden zu lassen.

          In der Spitzenküche werde viel zu oft am Gast vorbei gekocht, weil sich alles um das Ego der Köche drehe, und er nehme sich da selbst am allerwenigsten aus. Doch damit sei es bei ihm jetzt ein für allemal vorbei, sagt der Patron, der nur zu genau weiß, wovon er spricht. Er hat bei lebenden Legenden wie Dieter Müller und Hans Haas gearbeitet, sich selbst in Frankfurt, Berlin und Düsseldorf einen Stern erkocht und ihn nun auch für sein aktuelles Lokal bekommen.

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