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Bäckerin Cynthia Barcomi : „Cookies sind Friedenspfeife, Trostpflaster und Aphrodisiakum“

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Ein Hauch von Lavendel: Für Cynthia Barcomi bedeuten Cookies Kultur. Bild: Maja Smend

Die amerikanische Köchin und Gastronomin Cynthia Barcomi hat ein Backbuch nur über Cookies verfasst. Im Interview spricht sie über die unterschiedlichen Backkulturen und den traditionell amerikanischen Genuss, den Teig einfach roh zu essen.

          Morgens halb elf im „Barcomi’s“ in Berlin-Kreuzberg. Die mannshohe Röstmaschine im Schaufenster tut ihren Dienst und erfüllt das kleine, vollbesetzte Café mit würzigem Duft. Während die Vitrine mit glasierten Zimtschnecken versehen wird, verlässt das letzte Stück Chocolate Espresso Cheesecake die Ladentheke.

          Am Nebentisch seines Empfängers wartet Cynthia Barcomi. Das lange braune Haar trägt sie offen, ihr gerader Pony reicht bis an den schwarzen Rahmen ihrer runden Brille. Ihre zierliche Erscheinung, der graue Tweedblazer mit aufgenähtem B auf der Brusttasche, darin ihr Smartphone, lassen eher auf die Geschäftsfrau Barcomi denn auf die sinnliche Bäckerin schließen. Diese Seite offenbart sich in den Rezepten, die sie preisgibt.

          Frau Barcomi, Sie veröffentlichen Ihr bereits fünftes Backbuch, aber das erste, das sich ausschließlich mit einem Gebäck beschäftigt. Warum gerade mit dem Cookie?

          Für mich ist es interessanter, mich auf eine Sache zu konzentrieren und diese zu erforschen, als querbeet zu backen. Cookies kamen mir als Erstes in den Sinn, weil wir Amerikaner eine ganz andere Backtradition haben als die Deutschen. Ich wollte aber auch neue Vorstellungen davon einbringen, was ein Cookie sein kann. Klar, sie sind klein und handlich, sie können aber auch salzig oder glutenfrei sein und die Form eines Schnittchens haben. Außerdem sind Cookies für mich eine sehr persönliche Sache, sie wecken viele Assoziationen und haben etwas Nostalgisches.

          Mit einem Cookie fing alles an, schreiben Sie im Vorwort Ihres Buches.

          Das habe ich erst verstanden, als ich vor vielen Jahren von der Adenauer-Stiftung gebeten wurde, über meine Rolle in der Berliner Kulturszene zu schreiben. Ich saß am Schreibtisch vor dem leeren Computerbildschirm und wusste nicht, wie ich beginnen sollte. Dann fiel mein Blick auf ein Kinderfoto: Ich stehe vor der Tür unseres Hauses in Seattle und habe einen Cookie in der Hand. Ich dachte: „Oh my God. Da fing das alles an.“ Heute ist das Backen meine Existenz, der Kreis hat sich geschlossen.

          Gibt es für Sie so etwas wie einen Ur-Cookie?

          Ohne Frage der Chocolate Chip Cookie. Das ist das Rezept, das ich zuerst auswendig konnte. Und ich habe diesen Teig nicht nur gebacken genossen, sondern einfach roh. Wenn man als Teenager die Nacht durchgemacht hat, geht man schon mal in den Supermarkt, kauft sich eine Stange rohen Cookie-Teig und isst ihn. Das ist etwas, das Amerikaner sich ab und zu gönnen. Als ich später aufs Internat ging, tröstete mich das Backen von Cookies bei Heimweh. Ob ich jemandem einen Gefallen tun oder beeindrucken wollte, es gibt so viele Dinge, die Cookies in meinem Leben gemacht haben. Sie sind wie eine Friedenspfeife, ein Trostpflaster und ein Aphrodisiakum.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Warum haben Cookies diese Fähigkeit?

          Weil sie sehr naiv und harmlos daherkommen. Und ich glaube, dass sie sehr charmant sind. Das hat mit ihrer Form und dem Geschmack zu tun; natürlich auch mit der Person, die die Kekse gebacken hat, und derjenigen, die sie in Empfang nimmt. Man backt nie für sich alleine. Um mich und meine Esskultur zu behaupten, waren Cookies immer die einfachste und schnellste Möglichkeit. Außerdem sind Cookies sehr wandlungsfähig und dadurch sowohl etwas für Kinder als auch für Erwachsene.

          Im Buch gibt es auch Rezepte für Cookies aus aller Welt, etwa für italienische Florentiner oder französische Madeleines.

          Die nicht wirklich Cookies sind, aber okay. (Lacht)

          Kann man eine Kultur an ihren Keksen ablesen?

          Auf jeden Fall! Vor allem daran, wie wir sie essen. Amerikaner mögen es, Sachen mit der Hand zu essen. Deshalb sind Cookies so beliebt. Selbst Brownies, die für mich auch Cookies sind, müssen wir hier im Café mit Kuchengabel servieren. Für Europäer ist der Brownie eine Art Küchlein, und das isst man mit Gabel. Und die amerikanische Backkultur beinhaltet bestimmte Zutaten wie Erdnusscreme, Schokolade, Bananen, Walnüsse, Haferflocken, Muscovado-Zucker und Vanille.

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