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Cliff Richards’ Weingut : Ein neues Leben für den „Cantor“

  • -Aktualisiert am

Eigentlich müsste er gar nicht mehr arbeiten, und auf seinem Weingut ist er auch eher Zaungast: Cliff Richard als Winzer an der Algarve. Bild: Ilpo Musto / Rex Features / action press

Der britische Sänger Cliff Richard ist im Nebenberuf Winzer. Und hat aus Versehen mal den eigenen Wein verteufelt. Zu Besuch auf seinem Weingut an der Algarve.

          Während auf den brühheißen Gehsteigen von Albufeira tiefbraune Touristenkörper eng aneinander vorbeischlappen, sitzt fünfzehn staubige Autominuten landeinwärts ein Mann unter einem Sonnensegel auf einer Picknickbank. Ihn umgeben 25 Hektar sauber aneinandergereihte Rebstöcke, die aus ziegelrotem Sandboden sonnenhungrig dem azurblauen portugiesischen Himmel entgegensprießen. Vom Atlantik am Horizont weht eine kühle Brise und kitzelt die herzförmigen Blätter von Syrah, Aragonês, Alicante Bouschet und Verdelho.

          „Von meiner Küchenterrasse aus kann ich den Trauben beim Wachsen zuhören“, erzählt Sir Cliff Richard. Er redet gern, wirkt gutgelaunt, sehr konzentriert. Immerhin, 55 Jahre Showgeschäft sind eine lange Zeit, um an der eigenen Performance zu feilen.

          Sir Cliff Richard, 73, ist der inoffizielle Botschafter von Albufeira an der Algarve. Eine Straße trägt seinen Namen. Taxifahrer brüsten sich ungefragt mit dem Ehrenbürger. Lebensgroße Pappaufsteller des perlweiß lächelnden Künstlers schmücken die Schaufenster familienbetriebener Weinläden. Richard ist hier mehr als der Sänger aus England. Er ist der Sänger mit der Weinkellerei. Der „Adega do Cantor“.

          Schon seit 1961, als Albufeira noch ein verschlafenes Fischerdorf war, verbrachte Cliff Richard hier seinen Urlaub. Doch dann entdeckten britische Touristen das Paradies für sich. Fans begannen, ihn bei der Tennispartie zu stören. Es war an der Zeit, sich landeinwärts eine neue Idylle zu suchen. In Guia lebt er auf seiner „Quinta do Moinho“ - einem bewirtschafteten Hof, Windmühle inklusive - ungestört von den Touristen im Ort.

          Auch eine Sangeskollegin ist von Richard ist Lokalpromi in Albufeira, wenn auch mit etwas mehr Bodenkontakt. „Neulich sah ich Bonnie Tyler mit ihrem Mann in einem ganz normalen Restaurant“, berichtet ein eifriger Taxifahrer. „Binnen kürzester Zeit hatte sich eine Menschentraube um sie versammelt und wollte Autogramme.“

          Ungestörtes Kokondasein

          Richard kennt das. Viel besser als das Pop-Leichtgewicht Tyler. Immerhin landete er beim Eurovision Song Contest zweimal auf Platz zwei. Weltweit stehen 250 Millionen seiner Platten in den CD-Regalen ohrwurmaffiner Menschen. Fünfzig Millionen Euro ist er schwer. Deshalb kann er sein ungestörtes Kokondasein in Guia genießen, während Tyler ihr Chicken Piri-Piri in Touristenrestaurants essen muss.

          Seine Farm hat er 1993 samt Hühnern, Bauern, Olivenhainen und Feigenbäumen übernommen. Er wollte, dass sich sein Hof finanziell selbst trägt, und seine Berater meinten, er könne entweder Feigensirup oder Wein herstellen. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer. In diesem Jahr feiert sein Weinbetrieb „Adega do Cantor“ zehnjähriges Bestehen.

          Neues Leben taufte Richard seinen Wein

          Es ist eine Boutique-Weinkellerei. Gerade mal 130.000 Flaschen produziert sie jährlich, sieben Mitarbeiter zählt das Team. Zur Weinlese arbeiten sich 15 Saisonarbeiter in vier- bis sechswöchiger Handarbeit mit der Schere durch die Weinberge, auf denen fünfzig Fußballfelder Platz finden könnten. Zum Abfüllen, Verkorken und Etikettieren fährt eine mobile Einheit vor. Für die kleinen Weinbetriebe in der Algarve rentiert sich eine eigene Abfüllanlage nicht.

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