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Veröffentlicht: 24.05.2017, 16:38 Uhr

Oberholz in Mitte Berliner Szene-Café ärgert sich über ignorante Gäste

Das Café „St. Oberholz“ gilt als Inbegriff der kreativen Szene Berlins, die beim Cappuccino am Laptop sitzt. Das Problem: Viele bestellten keinen Cappuccino, manche brachten gar ihr eigenes Essen mit. Das soll sich jetzt ändern.

© dpa Die Karte hinter ihnen ignorierten zu viele Gäste im „St Oberholz“ (Aufnahme aus dem Mai 2016).

Ansgar Oberholz (44), einer der bekanntesten Gastronomen Berlins, hat sich über Leute geärgert, die mitgebrachtes Essen wie Döner Kebab in seinem Café verspeisen – und Konsequenzen gezogen. „Es gibt jetzt Kellner“, erzählte Oberholz am Mittwoch. Das von ihm vor zwölf Jahren mitgegründete „St. Oberholz“ ist einer der prominenten Orte der Start-up-Szene. Dort saßen schon vor Jahren Leute mit Laptop im Café bei der Arbeit, was den Begriff „digitale Boheme“ mitprägte. Der Laden funktionierte bislang mit Selbstbedienung am Tresen.

Das Problem schildert Oberholz so: Die Offenheit und das kostenlose Internet werden ausgenutzt, ohne dass es selbstverständlich ist, die Produkte des Cafés zu bestellen. Es gibt demnach ein „vermindertes Schuldempfinden“. Die Kostenlos-Kultur habe Ausmaße angenommen, die Atmosphäre nicht mehr gestimmt. Der Tresen zum Bestellen fürs Essen zum Mitnehmen ist geblieben. An die Tische kommen jetzt aber Kellner mit iPads.

Produktiver Café-Tag mit hoher Rechnung

Das Café sieht sich mit seinen Erfahrungen mit ignoranten Gästen nicht allein. Das Problem kenne jeder Betreiber. Manche „Coworking Spaces“ – Anbieter von modernen wie hippen Büroarbeitsplätzen – hätten ihre Cafés sogar für die Öffentlichkeit geschlossen, heißt es in Oberholz’ Erklärung im Netz, die einiges Echo auslöste.

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Das Prinzip Coworking, für Oberholz ein Erbe der Kaffeehauskultur, funktioniere in seiner vollen Blüte nur mit Elementen der Gastronomie. „Im besten Fall erschreckt sich der Gast am Ende seines Arbeitstages über die Rechnung, erfreut sich aber zugleich über den produktiven Tag im Café“, schreibt der Gastronom. „Wenn die Qualität des Service und der angebotenen Produkte stimmt, wird sich der Gast daran erinnern und nicht an die Höhe der Rechnung.“

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