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Veröffentlicht: 22.05.2017, 13:33 Uhr

Biodynamischer Weinbau „Unsere Weine sind jetzt viel authentischer“

Der Weinmacher Gabriel Bloise ist ein Pionier des biodynamischen Anbaus in Argentinien. Wir haben mit ihm über Mikro-Terroirs, das Universum und Kuhhörner gesprochen – und Malbec getrunken.

von
© Lukas Kreibig Kellermeister: Bloise im Restaurant „Buenos Aires“ in Frankfurt. Bei Chakana sollen authentische Weine gekeltert werden.

Ihr Weingut Chakana ist nach dem Kreuz der Inka benannt – soviel ich weiß, haben die aber gar keinen Wein getrunken.

Peter Badenhop Folgen:

Ich bin sicher, dass sie fermentierte, alkoholhaltige Getränke gehabt haben. Aber den Wein haben tatsächlich die spanischen Konquistadoren nach Südamerika gebracht. Chakana ist das Andenkreuz, ein gebräuchliches Symbol für die Welt der Inka. Noch heute wird am 2.Mai der „Chakana Day“ gefeiert; für die Inka war das der Beginn des Jahres. Das Weingut ist dagegen sehr jung: Es wurde 2002 von Juan Pelizzatti gegründet – mitten in der großen Wirtschaftskrise in Argentinien. Er war Bauunternehmer und wollte sein Geld lieber investieren, als es beim Zusammenbruch des Finanzsystems zu verlieren. Ich bin 2006 zu Chakana gekommen und heute der Kellermeister. Wir sind kein großer Betrieb.

Wie viele Hektar haben Sie?

Wir hatten zuletzt etwa 180 Hektar, haben aber einen Teil verkauft, weil die Böden nicht unseren Ansprüchen genügten. Jetzt sind wir bei 120Hektar.

Das ist im Vergleich zu Deutschland immer noch riesig.

Aber in Argentinien gehören wir eher zu den kleinen oder mittleren Betrieben.

Auch wenn die Inka keinen Wein kannten, Tradition hat der Weinbau in Argentinien trotzdem.

Ja, man kann diese Weinbaugeschichte in meinen Augen grob in drei Phasen einteilen: Von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zum Beginn der Neunziger wurden praktisch nur einfache Massenweine für den Heimatmarkt produziert, es ging nur um Quantität. Dann kam der Export-Boom, und Malbec aus Argentinien wurde überall in der Welt bekannt. Das waren vor allem vollmundige, fruchtig-reife Weine mit viel Kraft und Konzentration, die dem internationalen Geschmack jener Zeit entsprachen. Aber seit ungefähr 2010 haben wir eine dritte Phase. Die Tropfen dieser neuen Ära sind viel individueller und von dem Terroir, auf dem die Reben wachsen, beeinflusst.

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Warum hat Malbec in Argentinien eine so zentrale Stellung?

Ganz einfach, weil diese Rebsorte so flexibel ist und in allen Regionen gut gedeiht, in den heißen wie in den kühleren. Aber was ich sagen wollte: Während des Export-Booms hat sich Argentinien zu einem der sechs größten Weinproduzenten entwickelt und die Welt förmlich mit konzentrierten, fruchtreifen Malbec-Weinen geflutet. Dabei gibt es so viele andere Möglichkeiten mit dieser Rebsorte, und uns bei Chakana geht es heute eher um Authentizität und darum, dass man unseren Weinen ihre Herkunft aus dem oberen Mendoza-Tal und die Appellation Luján de Cuyo anmerkt.

Und wie stellen Sie das an?

Nun, wir haben mit ein paar Beratern und Experten gesprochen, und alle haben sie gesagt: Jungs, ihr müsst euch erst einmal eure Böden anschauen. Und genau das haben wir von 2009 an getan. Denn die geologische Zusammensetzung des Untergrunds – also, ob er mehr Sand oder eher Lehm oder viele Steine hat – spielt eine extrem wichtige Rolle bei der Auswahl der Lagen und der Bewirtschaftung.

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Mit wissenschaftlichen Methoden haben wir verschiedene Mikro-Terroirs identifiziert, auf denen wir nun unterschiedlich vorgehen, was die Ausrichtung der Rebstöcke, die Bewässerung und die Ernte betrifft.

Klingt ziemlich kompliziert.

Ist es auch. Wir behandeln jede Lage anders, im Grunde ist es wie ein riesiges Puzzle, das wir immer aufs Neue zusammensetzen müssen. Aber es lohnt sich, unsere Weine sind seither um Längen besser geworden.

Lassen Sie uns noch einmal über Malbec reden.

Und am besten auch probieren. Lassen Sie uns mit unserer Basis beginnen: Chakana Malbec 2015.

Oh, der ist sehr dunkel im Glas und riecht nach Pflaumen, dunklen Beeren und ein bisschen nach Pfeffer. Mmh, und er schmeckt sehr fruchtig und ein bisschen würzig. Ist das typisch für argentinischen Malbec?

Ja, diese Kombination aus Frucht- und Gewürznoten ist sehr typisch, wobei die Ausprägung von der Region und der Lage abhängt.

Ich habe einen Franzosen aus dem Cahors mitgebracht, Château Rigal Original Malbec 2014. Was sagen Sie zu dem?

Oft ist Malbec aus dem Cahors viel würziger und kräftiger, dieser riecht aber sehr intensiv nach Kirschen und Pflaumen und hat die Gewürznoten erst im Mund. Er kommt dem argentinischen Stil näher als viele andere Franzosen. Allgemein kann man sagen, dass die Argentinier fruchtiger und leichter sind, während sich die Franzosen meist würziger und voller zeigen.

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