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Aprikosen aus Österreich Saftige Träume in Orange

Im österreichischen Weltkulturerbe Wachau wachsen seit je die besten Aprikosen. In der Manufaktur Wieser werden die Früchte zu Marmelade und Schnaps verewigt.

© Fabian Lange Vergrößern So köstlich schmecken die Marillen, dass das Ehepaar Wieser sich um sie streitet. Und dabei jedes Jahr von Neuem an der Scheidung vorbeischrammt.

Mit den ersten heißen Tagen im Frühsommer entvölkert sich Wien, denn jeder, der sich am Wochenende irgendwie fortbewegen kann, macht sich auf ins Grüne. Und so ziehen endlose Trecks in alle Himmelsrichtungen, Hauptsache, es geht raus aus der Stadt! Ein großer Pilgerstrom nimmt den Weg gen Westen, auf der Suche nach den ersten reifen Marillen. So werden die Aprikosen in Österreich genannt, die dort mit ihren Reizen an den Straßen der Wachau locken. Spätestens bei Krems, wenn die ersten Verkäufer am Straßenrand erscheinen, gerät die Karawane ins Stocken. Das Blech kollabiert, wenn die Massen Prunus armenicus angesichtig werden wollen, die ihre Reize in tiefgelber Pracht am Straßenrand zur Schau stellt. Lauter wollüstiges Fruchtfleisch, umhüllt von zartem Flaum. Saftige Träume in Orange, das Kilo zu vierfünfzig. Anfassen verboten!

„Ach ja, der Marillenstrich!“, kommentiert die Marmeladenproduzentin Johanna Wieser aus Wösendorf das Treiben vor den Toren der Stadt. Die Wachauerin weiß, was da draußen abgeht, wenn die Wiener einfallen, um sich mit den frischen Aprikosen einzudecken. Als Fachfrau für die gelben Botschafter der Wachau hat sie andere Vorstellungen von Qualität: „Marillen, die über die Straße verkauft werden, haben nichts mit denen zu tun, die wir bei uns verarbeiten“, erklärt die Marmeladenfabrikantin. Denn Johanna Wieser produziert seit 1995 im handwerklichen Maßstab Marillenmarmelade. Ganz in der Tradition der Wachauer Familien, die das seit Generationen taten, um all die hungrigen Mäuler zu stopfen. Bei Johanna Wieser kann man das orangefarbene Gold jedoch auch ohne Familiennachweis erwerben und braucht nicht auf gnadenvolle Zuteilung warten.

Ein Blick in Johanna Wiesers Marmeladenküche zeigt sofort den Unterschied: In der Tat sehen die Früchte bei ihr völlig anders aus als die, die an der Straße auf Freier warten: Der Teint der Wieser-Marillen ist zwar tieforange und ohne jeden grünen Schimmer, dafür aber sind sie alles andere als makellos. Manche haben dunkle Stellen oder sind sogar matschig und reichlich angeschlagen. Johanna Wieser sieht unsere erstaunten Gesichter: „Stimmt, das hier ist nichts anderes als Fallobst.“

24903128 © Fabian Lange Vergrößern Nicht vom Baum werden die Marillen bei den Wiesers gepflückt, sondern nur Fallobst wird zu Marmelade verarbeitet. Und das aus gutem Grund.

Fallobst? Und daraus will sie perfekte Marillenmarmelade produzieren? Johanna Wieser stammt wie ihr Mann Markus Wieser aus einer alteingesessenen Winzerfamilie, doch haben die beiden sich statt auf Weintrauben auf Aprikosen besonnen, schließlich hatten sie keine Weinberge geerbt, dafür aber die großen, alten Marillenbäume, die am Ortsrand auf den saftigen Donauwiesen stehen und vom warmen Klima profitieren. Markus Wieser brennt aus den Früchten exzellenten Marillenschnaps, während seine Frau sich auf die Produktion von Marmeladen und Kosmetikprodukten aus den Kernen der Früchte konzentriert. Inzwischen hat der Erfolg von Johanna Wieser aber dazu geführt, dass ihr Mann den Erfolg seiner Frau mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachtet, muss er doch mehr und mehr von seinen Marillen ihren geschickten und geschäftstüchtigen Händen überlassen: „Beim Aufteilen bewegen wir uns in manchen Jahren am Rande eines Scheidungsverfahrens“, lässt uns Markus Wieser wissen und lacht.

Früher, da konnte er noch alles brennen, was seine Marillengärten hergaben, und er hat es gut gebrannt - so gut, dass sein Schnaps heute zu den besten Österreichs gehört. So klar und rein und so eindeutig transformiert kaum ein Destillateur die Seele der Marille ins Glas. Doch nun hat er die härteste Konkurrenz im eigenen Haus, seine Frau Johanna: „,So eine Verschwendung!’ sagt Markus immer zu mir, weil meine Produktion wächst und wächst“, erzählt Johanna Wieser mit einer Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit. Rund 50 000 Gläser im Jahr sind es, die sie in ihrer Marmeladenküche kocht und ihrem Mann auf diese Weise abringt.

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Veröffentlicht: 15.06.2013, 19:22 Uhr