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Sissinghurst : Erlösung eines Gartens

  • -Aktualisiert am

Einblick in die wunderbare Gartenwelt von Sissinghurst Castle in Kent Bild: Look-foto

Sissinghurst, einer der berühmtesten Gärten der Welt, drohte in Schönheit zu erstarren. Dann kam ein junger Gärtner.

          Ich möchte nicht vorzeitig mit meinem grau-grün-weißen Garten prahlen. Vielleicht wird es ein schrecklicher Reinfall.“ Vita Sackville-West

          Es wurde kein Reinfall. Der „Weiße Garten“, den Vita Sackville-West 1949 anlegte und über den sie damals in ihrer Kolumne für die britische Wochenzeitung „Observer“ sinnierte, wurde vielmehr bewundert und weltberühmt. Es ist einer der am häufigsten nachgeahmten Gärten überhaupt. Die Idee dazu stammte zum Teil von ihrem Ehemann Harold Nicolson. Denn Sissinghurst, der wunderbare Garten um den eindrucksvollen Turm in Kent, entstand als Gemeinschaftswerk. Die Schriftstellerin mit der großen Leidenschaft für Pflanzen und der Diplomat mit dem Blick für die perfekten Proportionen und Blickachsen erschufen die Anlage zwischen 1930 und 1962.

          Dass sie darüber schrieb, dass beide eine außergewöhnliche Ehe führten, die gleichgeschlechtliche Liebschaften erlaubte und auch eine Affäre Vitas mit ihrer Schriftstellerkollegin Virginia Woolf einbezog, trug sicherlich zum Zauber dieses Gartens bei. Das Paar lebte auf unkonventionelle Weise in und mit dem Garten, da sich seine Wohnräume auf mehrere Gebäude verteilten. Von ihrem Schreibzimmer im Turm ging es über Rasen und durch einen Senkgarten zu Harolds Arbeits- und Schlafgemach im südlichen Cottage. Davor lag ein Cottage-Garten, ein Stück weiter ein Rosengarten, es gab einen Kräutergarten, eine Wiese, einen Graben.

          Familiengarten oder Touristenattraktion?

          Schon 1938 öffnete Vita Sissinghurst für Besucher. Sohn Nigel Nicolson übergab nach ihrem Tod Haus und Land dem National Trust, einer gemeinnützigen Organisation. Rund 180.000 Besucher kommen seitdem jährlich. Ein deutlicher Rückgang vor rund zehn Jahren gab Anlass zur Sorge. Kann es sein, dass der Zauber allmählich verfliegt?

          „Meine Vorliebe für verschwenderische Gärten ist Teil meiner Gartenphilosophie. Ich mag Großzügigkeit, wo immer ich sie vorfinde, ob in Gärten oder anderswo.“

          Zeichen einer Ehe: Der Rosengarten von Sissinghurst Castle.
          Zeichen einer Ehe: Der Rosengarten von Sissinghurst Castle. : Bild: Bildagentur Huber

          Verschwenderische Fülle hatte Sissinghurst stets zu bieten. Aber wurden die Beete in den vergangenen Jahrzehnten nicht zu ordentlich, zu perfekt gepflegt – mehr Touristenattraktion als Familiengarten? Es ist nicht einfach, einen Garten im Geiste seiner Besitzer weiterzuführen, wenn diese seit Jahrzehnten tot sind. Immerhin blieben die beiden Chefgärtnerinnen Pamela Schwerdt und Sibylle Kreutzberger, 1959 von Vita angestellt, dem Garten bis 1991 treu. Ihnen folgten mit Sarah Cook und Alexis Datta Gärtnerinnen, die ebenfalls schon lange mit Sissinghurst vertraut waren. Seit 2013 hat erstmals seit Vitas Chefgärtner Jack Vass und seinem Nachfolger Ronald Platt, die zwischen 1939 und 1959 angestellt waren, wieder ein Mann das Sagen: Troy Scott Smith.

          Troy, der schon als junger Gärtner in Sissinghurst gearbeitet hat, soll neuen Schwung in den Garten bringen. Eingefahrenes aufbrechen, Neues wagen, verzaubern. „Der Geist ist immer noch da, wurde aber über die Jahrzehnte etwas verwässert“, sagt der 44-Jährige. In den neunziger Jahren, erinnert er sich, wurden immer wieder die guten, ausgeklügelten Pflanzungen reproduziert. Wenig Bewegung war im Garten. Hinzu kamen kleine, scheinbar harmlose Aktionen seiner Vorgängerinnen, die zusammengenommen die Schönheit Sissinghursts ankratzten, etwa, als Wege asphaltiert und neue Parkplätze angelegt wurden.

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