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Hochglanz-Wohnungen : Die perfekte Leere

In Perfektion erstarrt: durchkomponierte Wohnlandschaft in Grau-Weiß. Bild: mauritius images

Ob in Wohnblogs oder in Hochglanzmagazinen – überall dominiert unpersönliche Aufgeräumtheit. Im Alltag dagegen ist gerade das Unperfekte charmant.

          Kommt unerwarteter Besuch, dann bricht bei nicht wenigen Menschen vorübergehend Hektik aus. Das innere Räumkommando lässt uns hektisch von Raum zu Raum eilen, um Ordnung zu schaffen oder zumindest den Eindruck von Ordnung zu vermitteln: die zusammengeknüllte Tagesdecke falten, die verstreuten Sofakissen zur Gruppe arrangieren, Lego-Pyramidenfragmente samt grässlicher Plastikmumien unters Sofa kicken, Chipsschüssel und andere Spuren vom Fernsehkrimi gestern Abend beseitigen, Teller in die Spülmaschine stecken. Denn auch die Küche ist ein weites Feld, hier gibt es viel zu tun und fortzuräumen, die welke Petersilie wandert in die Tonne, so wie der sich wölbende Käsekanten und die ebenso umschwärmte wie vergessene Gammelbanane. Weiter führt der hektische Parcours sockensammelnd ins Bad, flugs über die Hähne poliert und die Gästehandtücher ausgetauscht. Die Mission lautet: Wohnspuren beseitigen. Klar, hier wird gelebt, manchmal auch gefaulenzt, aber das muss nicht jeder gleich sehen.

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Denn Bilder sogenannter schöner, stylisher Wohnungen, die Menschen immer öfter im Fernsehen und im Internet herzeigen, die haben eine gemeinsame Klammer - den Perfektionismus. Es gibt einen, der jeweils angesagten Mode unterworfenen Stil, der konsequent durchgehalten wird. Am augenfälligsten ist das beim Clean-Chic zu sehen, jenem coolen, urbanen Wohnstil, der auf teure Klassiker setzt und das, was in gut betuchten Kreisen als Must-have gesehen wird. Dort bleibt nichts dem Zufall überlassen. Die Möbel sind schlicht, funktional, elegant. Es gibt nur ausgewählte Materialien, sparsame Texturen, nur ausgewählte Muster, die zurückhaltend eingesetzt werden. Weniger bedeutet mehr.

          Wer auf den Clean-Chic setzt, überlässt nichts dem Zufall

          Behaglichkeit ist kein Kriterium fürs Einrichten. Granitgrau, Basaltgrau, Silbergrau, Steingrau, Kieselgrau, die Varianz der trüben, dezenten Grautöne scheint unermesslich. Die Leblosigkeit solcher Wohnträume, die manchem als Albtraum erscheinen, aber auch. An diesen kalten Bildern kann man sich abarbeiten. Selbst wenn das unwirklich erscheint, nährt es doch Selbstzweifel am eigenen Wohnstil, der immer ein bisschen zu überladen, immer ein bisschen zu opulent, immer leicht unaufgeräumt erscheint.

          Unvergessen der Kommilitone, der seine Winzbude im Aachener Studentenwohnheim aus der schieren Platznot heraus zugestellt hatte. Kündigte sich Besuch an, dann entsorgte er vorübergehend einen Teil seiner Habe in zwei Umzugskartons im Fiesta draußen vor der Tür. Mehr Platz war einfach nicht. Das alles zueinander passt, das war wahrlich nicht sein Problem.

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