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Wohntrend : Es grünt so grün

  • -Aktualisiert am

Natürliche Stoffe: Holzdielen, grüne Wand mit Zellenoptik. Das sieht nach einem Trend aus. Bild: virtua73 - Fotolia

Luxuriöser Minimalismus in Grau war gestern. Der nächste Farbtrend schickt sich an, die heimische Wohnwelt zu erobern. Die Industrie lanciert ihn geschickt und kann auf den Wunsch der Menschen nach Abgrenzung bauen.

          Na, welche Farbe haben Ihre Wände? Wohnen Sie - wie die meisten Deutschen - ganz in Weiß? Im berühmten white cube des 20. Jahrhunderts? Oder noch in sonnigem Toskana-Gelb, gern mit leichter Wölkchen-Wischung, das in den 1990er Jahren von Sieneser Fassaden über Münchner Bars und Dortmunder Kellersaunen bis in Usedomer Schlafzimmer wanderte? Oder wachen Sie ganz zeitgeistig in müdem Flandern-Grau oder gar in dunklem Kohl-Grün auf? Denn grün, grün, grün sollen gerade alle unsere Wände sein. Die Sofas und Sonnenblenden, Teppiche und Tischsets, Spülseife und Spieldecken. So grün wie Grünkohl-Smoothie, Limettenschale oder Höhlenmoos.

          Wenn man Ende Januar durch die Hallen der Interior-Messen in Köln und Paris flanierte, ging man schier verloren in einer Art möbliertem Botanischem Garten. Grüne Samtsessel vor Palmen vor Ficusbüschen vor schlammigen Wänden, skandinavische Mini-Gewächshäuser auf Stelzen für den Salon. Beim Stand eines Online-Tapetenhändlers wanderte man gar in einen aus Tapetenschnipseln gebastelten Dschungel mit Lianen, Schlangen und wilden Blättern. Wenn auf den Messen auch Dottergelb, Petrolblau und natürlich Kupfer hervorlugten, Grünzeug ist nicht nur auf den Fachmessen, sondern auch im real existierenden deutschen Alltag zu sehen. Dieses Grün kam als Kakteeninvasion in Einmachgläsern vor gut zwei Jahren überfallartig aus der Spießerecke, machte sich in Bücherregalen und auf Kopfkissen breit. In-Hotels beklebten ihre Wände mit Bananenblättermotiven, sogar die Wartestühle bei Dorffrisören färbten sich auf einmal ganz in Moos und erinnerten an die Sessel der Großeltern, die früher vor Usambaraveilchen-Spritze und Telefontisch standen.

          Und so wundert es auch nicht, dass „Greenery“ zur „Farbe des Jahres 2017“ erkoren wurde. Zumindest wenn es nach den Trendprofis des amerikanischen Unternehmens Pantone geht, das seit 1963 das gleichnamige Farbsystem für die Druckindustrie, Mode- und Interiorbranche entwickelt hat.

          Grün ist „Farbe des Jahres“

          Pantone macht seine Farben neuerdings selbst zum Designobjekt: So gibt es nicht nur Kaffeebecher und Handyhüllen, die mit Pantone-Farben und -Logos geschmückt sind, sondern auch Christbaumkugeln und Socken. Aber warum muss es überhaupt eine globale „Farbe des Jahres“ geben wie einen „Sportler des Jahres“, der seinen Titel ja irgendwie verdient haben muss? Weil Menschen ein Lebensgefühl gerne auf eine Farbe bringen, Hilfestellung in einer zunehmend komplexen Welt suchen bei der Optimierung ihres Lebens? „Greenery“ als emblematische Sehnsucht nach Grün in Zeiten von erhöhten Feinstaubwerten, Zersiedelung und Klimawandel, eine physische Sehnsucht nach Auspolstern des Heims?

          Grün, grün, grün sind alle meine Einrichtungsgegenstände: Die neue Trendfarbe fürs Haus
          Grün, grün, grün sind alle meine Einrichtungsgegenstände: Die neue Trendfarbe fürs Haus : Bild: Foto Neptune

          Doch die aktuelle scharf grüne Phase ist in den Häusern Europas nicht die erste. Im frühen 19. Jahrhundert war das „Schweinfurter Grün“, das Arsen und Kupfer enthielt, in allen besseren Salons des Kontinents en vogue: Leuchtend, bläulich kräftig, viele Menschen kennen es aus den Bildern Vincent van Goghs. „Kupfergrünspan, in Arsen gelöst, gibt tatsächlich ein wunderbares Grün, auch Pariser Grün genannt - nur hatte es den Nachteil, die Umgebung zu vergiften“, erklärt Maria Kleinschmidt, Dozentin für Zeichnen und Farbe im Fachbereich Design an der FH Potsdam. Unter Malern galt es als offenes Geheimnis, dass dieses „Giftgrün“ gesundheitsschädlich war, aber es wurde wegen seiner Strahlkraft und Lichtechtheit dennoch auf Tapeten und auf Porträts weiter benutzt.

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