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Wohnen als Statussymbol : Atemlos im Trophy House

  • -Aktualisiert am

Im Luxus-Badezimmer zeigen viele Hausherren ihren Gästen gerne, was sie haben. Bild: AP

Der soziale Aufstieg muss gezeigt werden: mit einem neuen Auto, Ehepartner, Hobby – oder einem neuen Haus. Unserer Autorin hat ein solches Immobilien-Upgrade zu denken gegeben.

          Neulich stand ich verstört auf einer Party und konnte plötzlich nicht mehr atmen. Eigentlich war es ein ganz harmloser Abend, eine Einladung bei Leuten, mit denen ich vor 20 Jahren nächtelang im Uni-Biergarten gesessen hatte. Ein lässiges Paar mit Unternehmer-Gen, das dann das Studium abbrach und eine erfolgreiche Firma aufbaute. Ich war zur Einweihung des umgebauten Architektenhauses auf einem Villenhügel geladen.

          Prima, lange nicht gesehen, Haare geföhnt, Parfum drauf, nichts wie hin. Die beiden hatten zuvor in einer studentischen Schrottibude, dann in einem Loft im Nebengebäude auf dem Firmengelände gelebt. Nun waren sie angekommen: in einem dieser gelifteten Trophy-Häuser hinter dunkelgrauen Eisenportalen. Mit tadellos faltenfreien Wänden aus schwarzem Marmor, üppig aufgepolsterten Ledersofa-Inseln in Weiß und eingesperrtem Kaminfeuer hinter spiegelnden Glasscheiben.

          Gnadenloses Aufpolieren

          Das Gefühl, das mich beschlich, ähnelte jenem, das mich schon manchmal beim Anblick in Glätte erstarrter Gesichter nach einer Volldröhnung Botox befallen hatte. So wie sich einige Menschen einer radikalen Verjüngung unterziehen, war auch dieses Haus gnadenlos aufpoliert worden.

          Ich war ins Gästebad ihres 600-Quadratmeter-Heimes geflüchtet, weil mich schwarz stierende Überwachungskameras verschreckt hatten, die nicht nur auf Auffahrt und Terrasse, sondern auch in Fluren und Wohnräumen an der Decke hingen. Ich kam mir in meinem Paisley-Wickelkleid wie eine exzentrische, besonders raffinierte Einbrecherin vor und knickte aus virtuellem Verfolgungswahn prompt in den Abendschuhen um. Wer schaut sich in Privathäusern des deutschen Mittelstands bitte Überwachungsfilme an? Der Hausherr im Home Cinema, Caterer in der Küche, Sicherheitsmenschen mit Spinnwebentattoos in einer Kommandozentrale?

          Das Edelbad taugt nicht als Refugium

          Das Gästebad schien zwar auf den ersten Blick kamerafrei, bot aber dennoch kein Refugium: ein Gelass aus – klar, war ja das Materialkonzept – schwarzem Marmor. Mit umlaufenden Spiegeln (automatische Ganzkörperansicht des Besuchers am Klo, lieber Kontaktlinsen rausnehmen) und goldfarbenen Armaturen, die sich bestens im Regierungspalast des rumänischen Diktators Ceauşescu gemacht hätten.

          Die Hausbeklemmung wurde beim Rundgang durch den Rest des Marmorheimes trotz der exzellenten Cocktails an der Bar und dem Sushi-Meister mit seinem Team nicht besser: noch mehr Mausoleumsstein, riesige Tische mit überdimensionalen Windlichtern aus Chrom, Fensterfronten mit Blick auf den Gräsergarten. Weder Bücher, Regenmäntel noch Handykabel oder wenigstens Hundehaare. Schlüsselfertige Perfektion.

          Das Heim als Spiegel der Seele

          „Zeig mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist“: Dieses Diktum gilt in der ganzen Welt. Der nordeuropäische Lehrer mit Kugelgrill und Schwimmteich im Garten zeigt seine Sehnsucht nach Natur, der Abt eines Augustiner-Chorherrenstifts in barocker Pracht die Macht seines Ordens, der Einsiedler in einer Hütte seine Suche nach reinem Geist durch Entsagung und der chinesische Jung-Unternehmer im Luxusloft sein Gesicht als idealer Heiratskandidat.

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