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Wintergärten : Alle wollen im Glashaus sitzen

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Platz für Pflanzen und Menschen: Wintergärten werden oft als zusätzliche Wohnräume konzipiert. Bild: Sunshine

Mehr Licht, mehr Raum und neue Blickachsen: Wintergärten liegen im Trend. Besonders Konstruktionen aus Aluminium sind gefragt.

          Es schien, als ließe er Glas, Eisen und Holz im Licht schweben: Der britische Botaniker und Architekt Joseph Paxton (1803-1865) schuf als junger Mann vor bald 200 Jahren wunderbar leichte und luftige Glashäuser. Legendär wurde er später als Schöpfer des zur Weltausstellung 1851 in London eröffneten „Crystal Palace“. Dieses britische Prestigeobjekt führte nicht nur die Gusseisen-Glas-Architektur durch standardisierte Teile, Leichtbau und eine elegante Formensprache in eine neue Epoche, sondern es machte dem Publikum auch Lust darauf, das eigene Haus durch eine ähnliche Konstruktion – den Wintergarten – zu erweitern. In der Literatur schlug sich diese Faszination gleichermaßen nieder: Von „einem Wintergarten, einem von schlanken marmornen Säulen gestützten gläsernen Gewölbe, dessen Boden mit großen, quadratischen, spiegelnden Marmorfliesen belegt war“, schreibt beispielsweise Thomas Mann in seinem frühen Roman „Königliche Hoheit“.

          Vollnutzbare Wohnräume

          Ganz so prachtvoll fallen moderne Wintergärten zwar für gewöhnlich nicht aus. Aber ihre lichtdurchflutete Architektur ist gerade für Bewohner gemäßigter Breiten attraktiv – und sie ist heute erreichbarer denn je. Denn moderne Wintergärten lösen das ästhetische Versprechen, das einst Orangerien und exotische Gewächshäuser gegeben haben, für nahezu jedes Eigenheim ein. Längst hat das fürstliche Vergnügen aus Glas und Metall (zu Paxtons wichtigsten Auftraggebern gehörte der Herzog von Devonshire) so den Sprung in die Moderne geschafft.

          Das „Crystal Palace“, eröffnet zur Weltausstellung in London.

          Wintergärten werden heute zumeist als vollnutzbare Wohnräume geplant und ausgeführt. Im Trend liegen dabei komplett zum Haus hin geöffnete Räume, während noch vor wenigen Jahrzehnten eine bauliche – und damit auch thermische – Trennung zwischen Wohnung und Wintergarten durch Terrassentür und Fenster üblich war. Beide Lösungen haben ihre Vorteile: Wenn der gläserne Anbau als eigenständiger Raum ausgeführt wird, kann er unabhängig von der eigentlichen Wohnung klimatisiert werden.

          Strenge Grenzwerte

          So muss man den Wintergarten bei sehr kalten Außentemperaturen nicht voll heizen, gleichzeitig dient er als Wärmepuffer gegenüber der Umgebung. Wer den Wintergarten hingegen komplett gegenüber dem Haus öffnet, gewinnt erheblich an Raum und Atmosphäre, muss jedoch zugleich höhere Ansprüche an die Sicherheit und Energieeffizienz des Anbaus erfüllen. Außerdem sind hier Varianten wie der sogenannte Kaltwintergarten oder der Sommergarten nicht möglich. So werden Anbauten bezeichnet, die wegen ihrer Ausführung nicht das ganze Jahr über als Wohnraum genutzt werden können.

          Ob die Energiebilanz eines neuen Wintergartens die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, darüber entscheidet die jeweils aktuelle Version der Energieeinsparverordnung (EnEV), deren nächste Novelle steht wahrscheinlich 2018 an. Ausgenommen davon sind derzeit solche Wintergärten, die entweder höchstens eine Temperatur von zwölf Grad Celsius erreichen, weniger als vier Monate im Jahr beheizt werden oder für eine begrenzte jährliche Nutzungsdauer vorgesehen sind. Das sind Bedingungen, die nur ein baulich abgetrennter Anbau erfüllen kann.

          Die Ansprüche an die Energiebilanz des Wintergartens sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Angst, dass man in Zukunft wegen zu strenger Grenzwerte keinen derartigen Anbau mehr verwirklichen kann, brauchen Immobilienbesitzer aber nicht zu haben, heißt es beim Bundesverband: Vor allem die Innovationen der Glasindustrie haben dazu geführt, dass die Durchgangswärmeverluste auch großer Glasflächen sich deutlich verringert haben.

          Zwischen 15.000 und 60.000 Euro

          Entscheidend ist hier der sogenannte U-Wert, der die Wärmemenge angibt, die in einer Zeiteinheit von innen nach außen durch das Glas hindurch abgegeben wird. Der klassische Glashauseffekt wird dadurch nicht beeinträchtigt. So heißt die Fähigkeit eines Wintergartens, die im Sonnenlicht enthaltene Energie in Wärme umzuwandeln. Das spüren Bewohner selbst im kältesten Winter, wenn das Zentralgestirn am wolkenfreien Himmel strahlt und den Wintergarten wohlig wärmt. Im Sommer allerdings verlangt genau dieser Effekt eine leistungsfähige Beschattung und Lüftung, sonst wird der Anbau zum tropischen Treibhaus.

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