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Neues Grün : Die hängenden Gärten von Friedrichshain

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Ob aus Sisal geknüpft oder aus Neonschnüren verknotet: Makramee bringen Hippie-Flair in die Großstadt. Bild: Picture Press/Peter Fehrentz

Sie waren einmal in Mode und sind es wieder: Die hängenden Gärten in den eigenen vier Wänden – zum Gießen einfach auf die Leiter stellen.

          In der Geschichte hat sich die Sache mit den hängenden Gärten nur einmal wirklich durchgesetzt. Und das war nicht in der Antike, sondern vor rund 40 Jahren. Denn die sagenumwobenen Gärten von Babylon, die den meisten wohl zuerst in den Sinn kommen, sind nicht nur das einzige von sieben Weltwundern, dessen Existenz und Standort nicht vollkommen bestätigt ist. Die Gärten der Semiramis waren auch alles andere als hängend. Das legen zumindest die antiken Skizzen nahe, auf welchen sie als vierstöckige Terrassenanlage und nicht als von der Decke herabwachsende Pflanzenarrangements abgebildet sind. Das Adjektiv „schwebend“ hätte es eher getroffen.

          So schrieben die hängenden Gärten erst in den Siebzigern, in der nicht weniger sagenumwobenen Hippie-Ära, Geschichte, global und indoor: In fast jedem Haushalt von San Francisco bis Sankt Augustin hingen damals Pflanzen von Fensterrahmen, Vorhangstangen und Küchendecken. Wer sich an die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt erinnern kann, der weiß sicher auch mit dem Begriff des „Makramees“ etwas anzufangen. Alle anderen kennen die kunstvoll zu Schlaufen und Netzen geknüpften und mit Perlen und Holzkugeln geschmückten Naturseile, in die Blumentöpfe mit Efeu oder Frauenhaarfarn gesetzt wurden, höchstens aus der Wohnung der Eltern beziehungsweise Großeltern - oder sie haben in der letzten Zeit in einem angesagten Großstadt-Café gesessen.

          „Eigentlich doch ganz schön und gar nicht altbacken“

          Denn die Makramees sind zurück - insbesondere in den Metropolen. Als neuer alter Wohntrend sind die Hängepflanzen zwar das absolute Gegenstück zum linearen Modern Midcentury Design, das man auch überall sieht. Aber ihr organischer Faktor verhilft - wie die Muschellampen jener Zeit - zu mehr Gemütlichkeit. In welcher Ausführung auch immer: Während die ersten Makramees vor allem aus Sisalseilen geknüpft wurden, reichen die neuen Ausführungen von einfach bis elaboriert, von bunt bis natürlich und von cool bis Boheme.

          Eine, die für die Wiederentdeckung der Makramees mitverantwortlich ist, ist Andrea Cseh-Wehrer. Sucht man auf der Fotoapp Instagram nach dem Namen ihres Labels „Studio Hammel“, erscheinen jede Menge Bilder mit hängende Pflanzen, die in hübschen Stadtwohnungen vor farbig gestrichenen Wänden hängen, mal im Dialog mit anderen und mal allein. Cseh-Wehrer hat ihre Makramees Ende 2013 ausschließlich für sich selbst angefertigt und stieß damit erst einmal auf Skepsis. „Es hat lange gedauert, bis Freunde, Bekannte und unbekannte Menschen verstanden haben, dass das eigentlich doch ganz schön ist und gar nicht altbacken“, sagt sie. Aber mit der Zeit stieg die Nachfrage. Vor allem 2015 war ein erfolgreiches Jahr für Studio Hammel. Spätestens seit aber auch im Mittagsfernsehen gezeigt wurde, wie Makramees geknüpft werden, floriert die Konkurrenz. „Bald gibt es geflochtene Blumenampeln auch beim schwedischen Einrichtungshaus“, sagt die Studio-Hammel-Designerin.

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          Allein in den hippen Distrikten von Berlin scheint kein Weg an den vertikalen Gärten vorbeizuführen. In der Torstraße, die sonst eher - obgleich eine Mischung aus trister Platte und imposanten Altbauten - eine Grauzone ist, zog kürzlich etwas Grün ein. Auf der Südseite, neben der Brillenboutique Lunettes, hängen jetzt in einem Ladenlokal rund ein Dutzend Pflanzen vom Stuck herab - zwar nicht in Makramees, aber in modernen Metallgerüsten. Absender dieser Installation ist kein Blumenladen, sondern das Architektur- und Designstudio YBDD.

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