http://www.faz.net/-hrx-8vkb6

Giftiger Garten : Ganz schön gefährlich

  • -Aktualisiert am

Giftige Schönheit: die Herbstzeitlose Bild: dpa

Der heimische Garten kann eine Fülle an tödlichen Pflanzen enthalten. Besonders Eibe und Aronstab, Goldregen und Herbstzeitlose haben es in sich. Doch muss man deswegen auf das grüne Hobby verzichten?

          Giftig! Das ist Warnung, hat aber zugleich auch etwas Geheimnisvolles. Eine Pflanze, die anders ist als andere. Nur anschauen ist ungefährlich. Anfassen oder gar davon essen kann Konsequenzen haben. Im schlimmsten Fall den Tod.

          Das Mysteriöse, das Giftpflanzen umgibt, macht sie im Krimi zu perfekten Mitteln für Verbrechen. Agatha Christie war Spezialistin auf dem Gebiet. Sie ließ Eibengift und Fingerhut ihre tödliche Wirkung entfalten, auch Rizinussamen, im Sandwich versteckt. Shakespeares Hexen in Macbeth würzen ihren Zaubertrank mit Schierling, durch den schon Sokrates starb, und Hamlets Vater wird durch „Hebenon“ ermordet, eine Giftpflanze, mit der möglicherweise das Bilsenkraut gemeint ist. Im ungarischen Experimentalfilm „Hukkle“ schließlich gehen Frauen zum Wald, pflücken Maiglöckchen. Fläschchen werden gehandelt. Männer sterben.

          Todesfälle nur sehr selten

          Im wahren Leben sind Todesfälle durch Pflanzen glücklicherweise äußerst selten. Viele Gewächse gelten als giftig, doch zum Töten taugen die wenigsten von ihnen. Zu große Mengen müssten gegessen werden, um mehr als Unwohlsein hervorzurufen. Eine kleine Gruppe von etwa 15 Pflanzen allerdings hat es in sich, und mit der ist nicht zu spaßen.

          Manche der Gewächse wirken geheimnisvoll: Das Bilsenkraut hat hellgelbe Blüten mit dunkelvioletten Adern, die einen eigenartigen Geruch verströmen. Vor allem die Samen sind giftig: sie enthalten unter anderem Alkaloide, die außer Halluzinationen auch zu Koma und Atemlähmung führen können. Da Bilsenkraut eine berauschende Wirkung hat, wurde es im Mittelalter manchmal auch dem Bier zugesetzt - ungeklärt ist, ob der Name Pilsen damit im Zusammenhang steht.

          Auch der Aronstab gehört zu den Mysteriösen: Im Frühjahr sprießen seine Blätter aus dem Waldboden, dann erscheint eine Blüte, die aus einem einzelnen Blatt und einem Kolben besteht. Später bilden sich Beeren, die erst grün, dann korallenrot sind. Die Pflanze ist so interessant, dass viele Gärtner sie zur Zierde ins Beet holen. Doch ist Achtsamkeit geboten, denn bei Kontakt reizen die Giftstoffe die Haut, und werden Beeren gegessen, kommt es zu Übelkeit, Durchfall und Krampfanfällen.

          Halluzinationen, Herzrasen, Koma

          Der Stechapfel hat große weiße oder violette Blüten, die stark duften. Auffällig sind seine Früchte, die an stachelige Kastanien erinnern und schon unheilvoll aussehen. Wenn sie reif sind, springen sie auf und geben die toxischen Samen frei. Halluzinationen, Herzrasen, Koma können eintreten, wenn Pflanzenteile gegessen werden. Ähnlich stachelig, nur ungleich dekorativer sind die Früchte der Rizinuspflanze. Sie kommt vor allem als Zierpflanze vor, doch ist sie mit Vorsicht zu behandeln. Denn hier tragen die Samen ein Gift in sich, das zu Kreislaufversagen und Tod führen kann.

          Auffällig ist auch das Pfaffenhütchen: Die Farbkombination der Beeren - dunkles Pink und leuchtendes Orange - ist hierzulande selten. Sie schmecken den Vögeln, aber Menschen sollten davon nicht kosten. Zwar zählt das Pfaffenhütchen nicht zu den giftigsten Pflanzen, doch kann es zu Leber- und Nierenschäden kommen.

          Vor allem für Kinder verführerisch

          Nicht ganz so einfach zu identifizieren ist der Schierling, denn er sieht anderen weißen Doldenblühern, wie etwa dem harmlosen Kälberkropf, sehr ähnlich. Eindeutiges Kennzeichen ist aber, dass er unangenehm riecht. Die schwarzen Flecken auf seinen Stengeln sind weiterer Hinweis, dass man einen großen Bogen um die Pflanze machen sollte.

          Ins Gartenbeet gepflanzt wird dagegen häufig der Blaue Eisenhut. Seine Blüten in allen Tönen von Himmelblau bis zu tiefem Violett erinnern an kleine Helme. Die Pflanze ähnelt dem Rittersporn, ist aber eine der kritischsten: Alle Teile sind toxisch, und wer auf die Idee käme, von der Wurzel zu essen, würde sein Leben riskieren. Die darin enthaltenen Stoffe betäuben und lähmen nach und nach den gesamten Körper. Ebenfalls allgegenwärtig ist die Eibe. Kaum jemand würde wohl die Nadeln essen, doch die leuchtend roten Früchte sind vor allem für Kinder verführerisch. Sie sind sogar essbar, doch die Gefahr lauert im Kern: Er gehört zu den giftigsten Teilen der Pflanze. Unheilvoll kann auch der Goldregen sein. Schön sind seine hellgelben Blütenstände im Frühling anzusehen. Doch bildet er kleine Schoten, die äußerst giftige Samen enthalten. Werden sie gegessen, kann es im schlimmsten Fall zu Atemlähmung oder Kreislaufversagen kommen.

          Weitere Themen

          Leben mit und vom Elektromüll Video-Seite öffnen

          Giftiger Arbeitsplatz : Leben mit und vom Elektromüll

          Zehntausende Menschen in der Metropole Accra im westafrikanischen Ghana leben von Elektroschrott. Eine Gruppe von Studenten hat eine Firma gegründet, die aus dem Müll futuristische Möbel herstellt. Eine Chance für ehemalige Deponie-Arbeiter.

          Massaker an High School Video-Seite öffnen

          Florida : Massaker an High School

          An einer Schule im amerikanischen Bundesstaat Florida sind am Mittwoch 17 Menschen von einem früheren Schüler durch Schüsse getötet worden.

          Einmal Prinz von Arkadien sein

          Peloponnes : Einmal Prinz von Arkadien sein

          Götter, Riesen, versteinerte Wälder und Höhlen voller Wunder findet man auf der Peloponnes. Wenn man Glück hat, darf man sogar einem Archäologen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Eine Reise mit Kindern.

          Topmeldungen

          Personalfragen in der CDU : Die Reihen schließen sich

          Merkel hat eine neue Generalsekretärin und potentielle Nachfolgerin. Manchen dürfte das nicht passen, trotzdem geben sich die ehemals Unzufriedenen zufrieden. Wieso?

          Konflikte in Syrien : Türkei stoppt Assads Kämpfer in Afrin

          Die Lage in Syrien spitzt sich zu: Türkische Streitkräfte bombardieren die Region Afrin. In Ost-Ghuta waren die Angriffe von Assads Truppen so heftig, dass Unicef mit einer ungewöhnlichen Mitteilung an die Öffentlichkeit ging.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.