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Monstera deliciosa : Schaut auf dieses Blatt!

  • -Aktualisiert am

Darf in keinem Hipster-Haushalt fehlen: Monstera deliciosa Bild: Florian Siebeck

Die Beliebtheit der Monstera ist ungebrochen. Woran liegt das? Auf den Spuren einer echten Berliner Pflanze, die nicht nur gut aussieht, sondern auch hervorragend schmeckende Früchte trägt.

          Matisse konnte sich gar nicht sattsehen an ihr. Wer will es ihm verdenken? Der Maler liebte nicht nur die Frauen, sondern auch die Formen der Flora, und als er im Jahr 1938 nach Cimiez in das frühere Hotel Régina übersiedelte, das ihn mit einem fürstlichen Blick über die Stadt Nizza belohnte, fand er eine Monstera-Pflanze, die meterhoch den Raum ausfüllte. Diese exotische Schönheit war es, die ihn beim Malen umgab und nie ihren Kopf hängen ließ. Im Spätwerk des Künstlers taucht die ornamentale Form ihrer Blätter immer wieder auf. Was faszinierte ihn an dieser Pflanze?

          Noch heute zieht die Monstera mit ihren gefensterten, fleischigen Blättern Designer und Architekten an. Sie umrahmt die Schauspielerin Jennifer Lawrence auf dem Cover der „Vanity Fair“, liegt im Mailänder Nobelhotel „The Gray“ im Waschbecken, steht bei Farah Diba im Wohnzimmer – und ist zugleich so schrecklich uneitel: In Amtsstuben verweilen einige Exemplare seit Jahrzehnten zwischen welken Usambaraveilchen und Dieffenbachien. Es ist dieser Spagat, der sie so begehrenswert macht. Morgens im Jobcenter und abends bei Chanel, das soll ihr erst mal einer nachmachen.

          Eines der prächtigsten Exemplare lässt sich derzeit in Berlin bestaunen, inmitten eines neuen Ladens, dessen Macher ihn in schlichtem Understatement „The Store“ genannt haben. Ihnen war wichtig, heißt es, dass eine heimelige Atmosphäre herrscht. Also stellten sie eine zwei Meter hohe Monstera rein. Stolze 2350 Euro soll das Exemplar kosten, 200 Jahre ist es angeblich alt. Selbst für eine Pflanze von königlicher Statur ist das eine stattliche Summe, also begnügen sich die meisten Gäste mit einem Bild. Auf Instagram ist sie der Star.

          Die Sprache der Monstera ist universell. Sie ist eine Ikone der Mode und der Architektur, sie steht für Reichtum und Überfluss und hat durch ihre unbändige Natur doch immer auch etwas Bedrohliches. Picasso erzählte einmal, dass er seine Monstera in die Badewanne stellte, während er für einige Monate auf Reisen war – bei seiner Rückkehr habe sie das ganze Badezimmer in Beschlag genommen und ihn beinahe aufgefressen, aber das ist eine andere Geschichte.

          Erkannte das Potential der Pflanze: Botaniker Karl Koch Bilderstrecke

          Dass es die Monstera heute bis in die bajuwarische Bierstube nach Chile geschafft hat, hat sie vor allem preußischer Beflissenheit zu verdanken. Die Monstera, schreibt der Botaniker Karl Koch 1857 in der „Berliner Allgemeinen Gartenzeitung“, gehöre zu den schönsten Akquisitionen der preußischen Gärten. Der Krakauer Garteninspektor Józef Warszewicz, der sie entdeckt hatte, war zehn Jahre zuvor auf Empfehlung Alexander von Humboldts nach Guatemala gesandt worden. „Mitten in dem tiefsten Dunkel eines Urwaldes, wie ihn das tropische Amerika und vor Allem Guatemala nur besitzen kann“, schreibt Koch, „fand er eine gigantische Aroidee mit grossen, vielfach zerschlitzten und durchlöcherten Blättern.“

          Warszewicz, dem wir die Entdeckung vieler heute handelsüblicher Orchideen verdanken, war allerdings nicht der erste Europäer, der auf 2000 Höhenmetern die mexikanische Bergregion Oaxaca durchstreifte und dabei auf die Monstera stieß. Schon drei Entdecker vor ihm hatten Stecklinge nach England, München und Kopenhagen gesandt, wo sie auf mäßiges Interesse stießen. Zwar beschrieb der Botaniker Frederic Liebmann in Kopenhagen die Art als Erster und gab ihr ihren Namen, ihren Siegeszug um die Welt aber trat sie erst von Berlin aus an.

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