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Moai-Skulpturen auf Osterinsel : Denken Sie nicht mal daran, daran zu denken!

  • -Aktualisiert am

Die Schilder machen deutlich: Nur gucken, nicht anfassen. Bild: Christoph Moeskes

Den Moai-Skulpturen dürfen sich Betrachter nicht nähern. Das bedingungslose Verbot stammt aus Polynesien. Kein Wunder, dass die soziale Norm auf der Osterinsel überall zeichenhaft zu sehen ist.

          Stop! Halt! Bis hierhin und nicht weiter! Betreten verboten! Anfassen ebenso. Denken Sie nicht mal daran. Denken Sie nicht mal daran, daran zu denken. Das ist keine rote Linie, die man immer weiter nach hinten schieben kann. Das hier ist wirklich tabu. Oder, wie es in der Sprache der Rapanui, der polynesischen Ureinwohner der Osterinsel, heißt: tapu. Was natürlich dasselbe bedeutet.

          Jahrhundertelang meißelten die Rapanui ihre Ahnherren und Oberhäupter aus dem Vulkangestein: weise Männer, die mit starrem Blick über das Leben wachten. Niemand weiß, wie sie die Steinkolosse bewegten. Die Moai wurden im Laufe der Zeit immer gewaltiger, der höchste ragt zehn Meter in den Himmel. Es gibt sogar noch größere, doch die schafften es nicht mehr aus dem Steinbruch.

          Eine Handvoll Ahu wieder aufgebaut

          So gewichtige Wesen stellte man nicht einfach in der Gegend ab. Man postierte sie auf steinernen Plattformen, sogenannten Ahu, an der Küste. Wirklich tabu waren die Moai in dem Moment noch nicht. Erst wenn die Steinmetze ihnen die Augen aus weißem Korallenkalk einsetzten, begannen sie nach Überzeugung der Rapanui zu leben und konnten in gebührendem Abstand verehrt werden.

          Tabuzone: Hier geht es nicht weiter.
          Tabuzone: Hier geht es nicht weiter. : Bild: Christoph Moeskes

          Heute tanzt und singt niemand mehr vor den gestrengen Steinherren mit den Riesengesichtern. Die Kultplätze waren schon vor der Ankunft der Europäer aufgegeben worden, die Figuren umgestürzt. Archäologen restaurierten die Ensembles; Japan schickte sogar mal einen Schwerlastkran dafür. Mittlerweile ist eine Handvoll Ahu wieder so ähnlich aufgebaut, wie sie ursprünglich aussahen. Allerdings fehlt den rund 900 Moai das Korallenweiß der Augen, was ihre Bannkraft doch erheblich schmälert.

          Tabuzonen eingerichtet

          Aber Halt! Stop! Tabu sind die Moai trotzdem. Kleine Schilder im satten Grün warnen vor dem Weitergehen. Gemahnt wird auf Englisch, Rapanui und Spanisch, denn seit 1888 gehört die Osterinsel zu Chile. Wo Worte nicht reichen, tun es die Zeichen. Richtungspfeil und Hand: durchgestrichen. Durchgestrichen auch das Piktogramm-Männchen, das erstmals für die Olympischen Spiele 1972 verwendet wurde, nun aber auf einem umgestürzten Moai herumtrampelt. Was wohl Archäologen denken, wenn sie diese Zeichen in ein paar hundert Jahren entdecken? Dass Moai-Trampeln einst eine olympische Disziplin war?

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          Wer die Tabuzone nicht beachtet, dem könnte es so ergehen wie dem Besucher, der 2008 einen Moai am Strand von Anakena berührte. Dabei brach ein Ohrläppchen ab. Der Mann wurde zu 17.000 Dollar Strafe und drei Wochen Arrest verurteilt. Die Zeit musste er aber nicht im kleinen Insel-Gefängnis absitzen. Die Osterinsel lebt vom Tourismus, und so wurde der Mann nur dazu verdonnert, drei Wochen lang nicht sein Hotel zu verlassen. Man will schließlich niemanden vergraulen.

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          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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