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© Dominik Wolf

Grüne Insel

Protokoll von BIRGIT OCHS

31. August 2016 · Seit fünf Jahren zieht ein Garten im Westen von Leipzig die Menschen an. Darunter auch den Fotografen Dominik Wolf.

Annalinde ist aus Leipzig nicht mehr wegzudenken. Annalinde ist keine Frau, sondern ein Gemeinschaftsgarten. Ich kenne Annalinde von Anfang an. Alles begann als Provisorium. Drei meiner Freunde, darunter Pädagogen und ein Gartenbauer mit Diplom, gründeten den mobilen Garten 2011 auf einer städtischen Brache. Damals war es überhaupt nicht sicher, wie lange man sie da im Westen der Stadt gärtnern lassen würde. Also bauten sie aus recycelten Bäckerkisten, Europaletten und Holzaufsteckrahmen Hochbeete. Zu sehr Wurzeln zu schlagen trauten sie sich aber nicht. Eigentlich wollten sie ihren Garten nach Frau Kube benennen, einer fast hundert Jahre alten Botanikerin aus dem Viertel. Aber Frau Kube war zu bescheiden. Deshalb Annalinde. Das hat keine Bedeutung, klingt aber lieblich.

  • © Dominik Wolf Am kleinen Eiswagen können Besucher sich stärken.
  • © Dominik Wolf Der Stadtgarten ist auch zum Feiern da.

Die Initiatoren und ihre Helfer begreifen den Garten als Experimentierfeld. Sie verwenden ausschließlich sortenreine Samen für ihre Gemüsepflanzen und keinen chemisch-synthetischen Dünger. Jahr für Jahr sammeln sie Erfahrung: Was wächst an welchem Standort und in welcher Pflanzennachbarschaft?

© Dominik Wolf Geschmacksproben am Hochbeet.

Annalinde ist mittlerweile eine Institution, die längst über die Stadt hinaus vernetzt ist. Kindergartengruppen kommen zu Besuch, um etwas über das Gärtnern und die Bienen zu lernen (denn Bienen haben die Stadtgärtner natürlich auch), neulich waren Erasmus-Studenten aus Bulgarien da, es gibt Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und anderen Produzenten, ein kleiner Dokumentarfilm über das Projekt wird im Herbst erscheinen.

© Dominik Wolf Nach der Ernte ist vor dem Verkauf

Ihr Gemüse verkaufen die Stadtgärtner längst nicht nur an private Kunden, sondern auch an Leipziger Gastronomen, die auf lokale Produkte setzen. Fläche haben die urbanen Landwirte reichlich. Denn seit 2013 bewirtschaften sie zusätzlich das Areal der früheren Gärtnerei Töpel, die nur ein paar Straßenzüge von ihrem Hauptsitz entfernt liegt. Das alte Gärtnerehepaar, das auf dem Gelände wohnte, hat den Betrieb aufgegeben und ist froh, dass es mit seiner Gärtnerei weitergeht, wenn auch ganz anders. Ohne die Freiwilligen wäre die Arbeit gar nicht zu schaffen. Aber es geht nicht nur um Arbeit, auch um Gemeinschaft. Es macht einfach Spaß, bei so einem Projekt mitzumachen.

© Dominik Wolf Annalinde bewirtschaftet mittlerweile auch eine ehemalige Gärtnerei.

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Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 31.08.2016 07:12 Uhr