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Stauden für den Hochsommer : Sommerloch im Garten

  • -Aktualisiert am

Die Berberitze war lange verkannt. Zu Unrecht. Bild: INTERFOTO

Ausgerechnet im Hochsommer herrscht in vielen Gärten optische Flaute. Dabei gibt es so viele Stauden und Gehölze, die jetzt besonders schön aufblühen.

          Der Mohn und die Iris sind verblüht, Fingerhüte und viele der Rosen ebenso. Storchschnabel ist noch unermüdlich, und Einjährige wie Ringelblumen halten die Stellung. Doch für Herbstanemonen und Astern ist es noch zu früh. Auch die meisten Sträucher haben den Zauber des frischgrünen Laubs verloren. Der opulente Frühsommer ist vorbei, und in vielen Gärten zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen. Wo vor wenigen Wochen noch die Pfingstrosen und die Lupinenblüten waren, herrscht nun gähnende Leere. Da können auch die interessanten Samenstände der Junkerlilie, der Küchenschelle oder Mohnkapseln nichts ausrichten, denn der morbide Charme im Beet hat im Hochsommer definitiv noch nichts zu suchen.

          Doch so ein „Sommerloch“ muss überhaupt nicht sein, weiß Till Hofmann, Staudengärtner und Gärtnermeister im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof. Er kennt solche Lücken vor allem aus älteren Gärten, wo die Bäume hoch gewachsen sind oder eine Rabatte nicht gut gepflegt wurde, so dass andere Pflanzen die Sommerblüher verdrängt haben. „Aber im Juli ist die Staudenrabatte doch am besten - es gibt so viel mehr Farben als im Mai!“

          Hochsommer ist Hoch-Zeit für Stauden

          Wer also unschöne Lücken im Beet entdeckt, muss sie nicht hinnehmen, sondern kann sie mit den passenden Pflanzen füllen. Denn Stauden als Containerpflanzen können auch jetzt gesetzt werden - Mittagshitze und heiße Tage natürlich ausgenommen. Am besten lässt man sich in einer Staudengärtnerei in Gartennähe beraten, denn wann etwas blüht, kann von Region zu Region leicht abweichen.

          Im Frühling dominiert Grün und Freude am Wachstum, im Herbst die Strukturen der Pflanzen, ihre Raumwirkung, das Spiel der Gräser. Dazwischen kommen viele bunte Blüten. Der Hochsommer ist die Hoch-Zeit des Lebensbereichs Rabatte und der gezüchteten Stauden, die sich dort am wohlsten fühlen - anders als viele Frühjahrsblüher, die unter Gehölzen stehen, oder die Frühsommerstauden, die auf weniger intensiv gegärtnerten Freiflächen wachsen.

          Kalte Farben für die Blumen-Rabatte

          Am größten ist die Auswahl unter den warmen Tönen der Farbskala: „Jetzt blühen Helenium, Helianthus und Heliopsis auf“, sagt Hofmann - sprich die Sonnenbraut, Sonnenblume und das Sonnenauge. Im blauen Spektrum gebe es vergleichsweise wenig: „Salbei ist durch, und die Astern kommen noch. Doch kann man sich mit nicht-winterhartem Salbei behelfen, der ins Beet gestellt wird.“ Aber momentan hat der Phlox seinen Auftritt, die blauvioletten Sorten ‘Blue Paradise’ oder ‘Blue Evening’ zum Beispiel.

          Veronicastrum, der Kandelaber-Ehrenpreis mit seinen schlanken Rispen, blüht in allen Tönen von Bläulich, über Violett, bis Weiß. Rottöne bieten die Indianernesseln (Monarda didyma), Rosa, Violett und Lila die Bergamott-Monarde (Monarda fistulosa). Nun sind auch die Echinaceen dran, die Sonnenhüte: die Wildformen (Echinacea pallida) und die Zuchtformen (Echinacea purpurea), die es in vielen Farben gibt. „Ergänzen Sie Schleierpflanzen wie die Wiesenraute, Thalictrum.

          Die Sorte ‘Elin’ blüht spät“, rät Hofmann. Auch der Wiesenknopf, Sanguisorba, zeigt sich jetzt in ganzer Schönheit. Ganz wichtig für den Hochsommer ist der Staudenknöterich (Bistorta amplexicaulis). „Die Wildart passt eher in naturbelassene Parks“, warnt der Gärtnermeister, denn die verbreitet sich schnell. Doch viele der Knöteriche bleiben klein und handlich in der Rabatte. Zu den frühsten gehören ‘Early Pink Lady’ mit langen, rötlich-violetten Blütenständen - „die blüht bis zum Frost und verbindet den Hochsommer mit dem Herbst“.

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          Zum kaltfarbigen Spektrum kommt auch der Blutweiderich (Lythrum) mit Farben zwischen Purpurrot und Blau. Hofmann empfiehlt Sorten, die sich im Gegensatz zur Wildart im Garten gut benehmen: der Ruten-Weiderich (Lythrum virgatum) ‘Dropmore Purple’ zum Beispiel - er braucht allerdings eher feuchten Boden. Unverzichtbar sind auch Taglilien, Hemerocallis - sie blühen von Ende Mai bis Ende Juli, und das Laub, was übrig bleibt, lässt sich gut als „Grasschopf“ ertragen. Eine tolle Kombination, wie sie im Hermannshof zu sehen ist, sind Rote Hemerocallis, Weißer Wiesenknopf und gelbes Greiskraut (Ligularia).

          Auch auf die Kombination der Gehölze kommt es an

          Aber nicht nur Stauden alleine machen ein Beet aus. Für Gehölze ist der Hochsommer zwar nicht gerade die Highlight-Zeit, schränkt Michael Dreisvogt ein, der Arboretum Härle in Bonn leitet. Doch fallen diejenigen, die jetzt besonders schön sind, umso mehr auf. Zum Beispiel die Strauchkastanie (Aesculus parviflora) mit ihren 30 Zentimeter langen Blütenkerzen, die sich im Juli öffnen und den Garten gefühlt noch einmal in den Mai zurückversetzen. Das mehrstämmige Gehölz wird nicht hoch, bis zu fünf Meter, und doch nimmt es viel Raum ein, denn es wächst in die Breite. „Die größte steht im Fürst-Pückler-Park in Muskau und hat einen Durchmesser von 45 Metern“, informiert Dreisvogt. Doch lässt sich die Strauchkastanie mit Schnitt und Ausläufer-Entfernung gut auf Gartengröße halten.

          Eher für eine warme Wand mit Spalier eignet sich Itea ilicifolia, bekannt als Stechpalmenblättrige Rosmarinweide. Sie hat im Juli lange grüne Blütenschwänzchen, die ein ungewöhnlich elegantes Bild ergeben. In auffallendem Puderblau erblüht die Säckelblume, Ceanothus ‘Gloire de Verssailes’. „Eine phantastische Farbe! Kein Flieder hat so ein Blau“, schwärmt der Gehölzspezialist. „Kombinieren Sie die mit graulaubigen Gehölzen, vielleicht eine Gaura - Prachtkerze - dazu, gut sieht das auch mit Kugel-Lauch, Allium sphaerocephalon, aus und dunkelroten Berberitzen.“

          Überhaupt, Berberitzen: Das lange verschmähte 1970er-Jahre-Vorgartengehölz haben nicht nur Köche, sondern auch Gartenfreunde wiederentdeckt. Gerade von den rotlaubigen Sorten (Berberis thunbergii ‘Atropurpurea’) gibt es neue Sorten, kompakte Zwergformen oder Säulen, „die sind extrem anspruchslos und haben eine sensationelle, leuchtend orange Herbstfärbung“, preist Dreisvogt die Vorzüge dieses Gewächses.

          Der Chinesische Bleiwurz blüht ungewöhnlich

          Am typischsten für den Hochsommer ist jedoch der Lavendel. Seine Blüten, ob Weiß, Rosa, Violett oder Blau, stehen jetzt im Juli in voller Pracht. „Lavendel schafft mediterranes Ambiente und ein wirkliches Sommergefühl“, sagt Dreisvogt. Zwar muss das Gehölz unbedingt auf durchlässigem Boden stehen. Doch gibt es längst viele Sorten, die winterhart sind wie Lavandula-intermedia-Sorten und, auch für die kältesten Lagen, Lavandula angustifolia. Wer es kompakt mag, wählt „Little Lady“, die samt leuchtend violetter Blütenstände nur etwa 40 Zentimeter hoch wird. Deutlich höher wird die Sorte „Edelweiß“. „Schneiden Sie Lavendel direkt nach der Blüte, aber nur bis ins lebende Holz, dann treibt er bis zum Winter noch einmal neu aus“, rät Dreisvogt. Die wohl ungewöhnlichste Farbe, die ein Gehölz ins Beet zaubern kann, ist laut des Experten aber der Chinesische Bleiwurz (Ceratostigma willmottianum): „Eine Superpflanze mit dunkelenzianblauer Blüte bis zum Frost.“

          Was wie kombiniert wird, hängt natürlich nicht nur von der Farbe ab, auch von der Wuchsform und natürlich der Bodenbeschaffenheit. „Ein gutes Beet sieht auch in Schwarzweiß gut aus“, sagt Hofmann. Stauden wie Phlox mit runden Formen, ergänzt durch Schlankes wie Blutweiderich und Schleieriges wie Wiesenknopf, plus Echinaceen mit der typischen Blumen-Form machen ein gutes Beet aus. „Wenn dann noch ein Gras dazukommt, ist es nicht mehr nur spannend, sondern toll.“ Ergänzt mit dem passenden Gehölz, kann nichts mehr schiefgehen im Hochsommergarten.

          Quelle: F.A.S.

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