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Pflanzen : Morbide Schönheit

  • -Aktualisiert am

Ein Hauch von Frost hat die rosafarbene Hortensie zart überzogen. Bild: Getty

Nur grau und trist? Von wegen! Auch verblühte Pflanzen und Samenstände können den Wintergarten schmücken.

          Das Laub verfärbt sich, fällt zu Boden. Im Garten riecht es moderig. Die Vergänglichkeit ist jetzt zu spüren. Zwar finden sich noch vereinzelte Rosen, Prachtkerzen und Astern natürlich. Doch die Zeit der Blüten ist vorbei. Viele Gärtner räumen jetzt auf, schneiden alles ordentlich zurück. Wer es nicht tut, lässt nicht nur der Vergänglichkeit ihren Lauf. Insekten finden in den toten Pflanzenteilen Unterschlupf, Vögel können die trockenen Samen herauspicken. Vor allem hat das Morbide aber auch seinen ganz eigenen ästhetischen Reiz. Für Gartendesigner wie Piet Oudolf und Dan Pearson gehören die Struktur der trockenen Stauden, die Skelette, bizarren Formen und Wedel längst zum Gesamtbild eines Gartens im Jahreslauf. Manche Pflanzen werden vor allem danach ausgewählt, wie sie im Winter aussehen - wenn alles kahl ist, wenn Rauhreif fällt.

          Vieles macht dann keine gute Figur. Saftiges wie die Kapuzinerkresse blüht zwar unermüdlich, bis der erste Frost kommt. Doch dann wird sie matschig. Funkien zerfallen nach ihrem letzten großen Auftritt mit der spektakulären Herbstfärbung zu unansehnlicher Masse, auch die meisten Storchschnabel-Arten haben ihre beste Zeit hinter sich. Vor allem unter den Stauden und Zweijährigen, die im Spätsommer blühen, finden sich viele, die noch lange gut aussehen.

          Die Stacheligen

          Sie geben Struktur im kahlen Beet: Die hühnereigroßen, stacheligen Köpfe der Wilden Karde (Dipsacus fullonum) kennt man vom Wegesrand, doch auch im Beet sehen sie schön aus. Besonders im Gegenlicht. Die Karde ist zweijährig, braucht Sonne und durchlässigen Boden. Etwas edler ist die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum). Sie bleibt über Monate aufrecht, blüht erst silbrig-grün mit einem länglichen Blütenkegel, dann wird sie trocken und braun, verliert dadurch aber nicht an Schönheit. Die zweijährige Pflanze fühlt sich an warmen, sonnigen Flecken wohl, kommt auch mit wenig Nährstoffen zurecht.

          Dolden

          Im Sommer tragen sie filigrane Wolken, die über den anderen Pflanzen schweben. Verblüht bilden Doldenblütler feine oder auch robustere Skelette. Die Süßdolde (Myrrhis odorata) schmeckt nach Anis und bekommt im Sommer zarte weiße Blütendolden, die auf rund 1,50 Meter hohen Stengeln sitzen. Die Samen, die sich aus den Blüten entwickeln, sind erst grün, dann braun und bleiben bis lange in den Herbst hinein erhalten. Die Süßdolde mag Halbschatten und feuchten Boden. Deutlich größer ist der Echte Engelwurz (Angelica archangelica): In seinem zweiten Lebensjahr wächst er zu einer mannshohen Pflanze mit grünlich blühenden Dolden heran. Nicht nur im Sommer ist er eine beeindruckende Struktur im Beet. Der Engelwurz mag es nährstoffreich, feucht und eher lehmig. Kaum weniger imposant ist der Riesen-Haarstrang (Peucedanum verticillare), der über zwei Meter hoch werden kann. Selbst vertrocknet hat er noch Präsenz im winterlichen Garten. Er braucht volle Sonne, der Boden sollte trocken bis frisch sein.

          Plattährengras im Wind
          Plattährengras im Wind : Bild: Ina Sperl

          Die Aufrechten

          Sie bringen die Vertikale ins Beet und sind ein guter Gegensatz zu überhängenden trockenen Halmen. Das Lanzen-Eisenkraut (Verbena hastata) hat Blütenkerzen, die wie dünne Finger gen Himmel ragen. Im Sommer tragen sie viele kleine blaue, violette oder rosafarbene Blütchen. Dann werden sie braun und bleiben lange erhalten. Das Lanzen-Eisenkraut wird mehr als einen Meter hoch und mag einen sonnigen Platz mit nicht zu trockenem Boden. Ähnlich aufrecht ist die Duftnessel (Agastache foeniculum): Wenn ihre langen, blauen Blütenstände vertrocknen, können sie als standfeste Elemente im Beet bleiben. Die Agastache braucht viel Licht und Luft und gut durchlässigen, eher trockenen Boden.

          Kugeln

          Kugelige Formen bereichern den Herbstgarten. Das Brandkraut (Phlomis russeliana) gehört zu den interessantesten und haltbarsten Strukturen: Die Samenstände sehen aus wie große Perlen, die an einem Stab aufgefädelt sind. Im Sommer blüht das Brandkraut, das bis zu einen Meter hoch wird, hellgelb. Es braucht lockeren Boden mit genügend Nährstoffen. Ähnlich, doch zarter und kleiner, sieht der Andorn (Marrubium) aus. Er ist jedoch im Sommer silbrig behaart und trägt kleine Blüten. Der Andorn eignet sich für trockene heiße Standorte in voller Sonne. Die Kugeldistel (Echinops ritro) blüht im Sommer stahlblau, danach wird der Samenstand allmählich braun. Die Kugeln halten sich bis in den Winter und sehen schön aus, wenn sie erste Schneeflocken einfangen. Die Kugeldistel wird am sonnigen, eher trockenen Standort etwas mehr als einen Meter hoch.

          Die Plüschigen

          Die Herbstanemone (Anemone hupehensis) bleibt dem Garten lange erhalten, auch wenn sie verblüht ist. Ihre Samenstände sind weiße, braun gespickte Bällchen in Murmelgröße, die sich allmählich öffnen. Herbstanemonen blühen rosa oder weiß, können schulterhoch werden und mögen Sonne bis Halbschatten und frischen Boden. Feuchter braucht es der Wasserdost (Eupatorium maculatum), der auch an Gewässerrändern wächst. Seine purpurfarbenen Dolden werden im Winter zu wuscheligen Samenständen auf den standfesten, bis zu zwei Meter hohen Stengeln. Der Wasserdost macht auch dann noch Masse im Beet. Artischocken und Kardone (Cynara cardunculus) sind essbar, sehen aber auch mit ihren großen, violetten Blütenköpfen, die sie im zweiten Jahr bekommen, im Spätsommer spektakulär aus. Werden sie nicht geerntet, trocknen die Blüten, weiße flauschige Samen kommen zum Vorschein. Sie werden bis zu zwei Meter hoch, brauchen Sonne und trockenen bis leicht feuchten Boden.

          Die stacheligen Köpfe der wilden Karde machen sich gut in warmen Licht.
          Die stacheligen Köpfe der wilden Karde machen sich gut in warmen Licht. : Bild: Ina Sperl

          Schwarze Knöpfchen

          Sie wirken intensiv, besonders vor helleren Gräsern oder im Gegenlicht. Sonnenhüte, sowohl Echinaceen als auch Rudbeckien, sehen nicht nur im Sommer schön aus. Zwar trocknen ihre Blütenblätter ein und biegen sich nach unten. Doch die Samenstände werden schwarz und stehen in beeindruckenden kleinen Gruppen zusammen. Sonnenhüte, meist rund 80 Zentimeter hoch, mögen offene, sonnige Standorte mit magerem, nicht zu trockenem Boden.

          Die Zarten

          Was wäre ein Wintergarten ohne Gräser? Sie bilden einen Hintergrund zu den starken Strukturen von Disteln und den schwarzen Formen anderer Pflanzen. Das Chinaschilf (Miscanthus sinensis) - je älter, desto imposanter - hat Wedel, die im späten Herbst voller silbrig flauschiger Samen sitzen. Das Diamantgras (Calamagrostis brachytricha) bekommt filigrane Rispen, die lange haltbar sind und in denen sich Tautropfen fangen. Die Rutenhirse (Panicum virgatum) trägt lange, ganz zarte Rispen, die den Winter über stehen bleiben. Die Gräser mögen einen sonnigen Platz mit frischem Boden, ihre Höhe variiert je nach Sorte zwischen einem halben und mehr als zwei Metern.

          Ausgefallene Schönheiten

          Manche Pflanzen halten im Herbst auch eine Überraschung bereit. Die Stinkende Iris (Iris foetidissima) blüht den Sommer über recht unauffällig. Doch wenn die Samenkapseln trocken werden, springen sie auf und enthüllen leuchtend orangefarbene Kugeln, die weithin sichtbar sind. Da sie nicht wirklich hält, was ihr Name andeutet, ist die Iris ein gerngesehener Gast in jedem schattigen, ruhig etwas trockeneren Gartenbeet. Eine zartere Schönheit ist das Ausdauernde Silberblatt: Im Gegensatz zum Einjährigen Silberblatt (Lunaria annua) hat die ausdauernde Staude (Lunaria rediviva) längliche, spitz zulaufende Schoten. Sind die Samen herausgefallen, bleiben die seidigen, fast durchsichtigen Scheidewände über. Das Silberblatt ist eine Wildpflanze für den eher schattigen Standort mit feuchtem, nährstoffreichem Boden.

          Bizarre Formen im winterlichen Beet
          Bizarre Formen im winterlichen Beet : Bild: Ina Sperl

          Trockene Blüten

          Hortensienblüten (Hydrangea) können den ganzen Winter über am Strauch bleiben. Zwar verfärben sie sich braun, doch nehmen sie auch bei Wind und Wetter kaum Schaden und sehen gut aus. Hortensien gedeihen am sonnigen bis halbschattigen Standort mit frischem Boden. Schafgarbe (Achillea), die es sonnig und nicht zu trocken liebt, behält auch nach der Blüte ihre Form. Ähnlich ist es bei der Fetthenne, die in so gut wie jedem Garten wächst, so lange er sonnig und eher trocken ist: Ihre trockenen Blütenschirme halten die Stellung, während die Blattrosette unten am Boden schon auf das Frühjahr wartet.

          Quelle: F.A.S.

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