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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.07.2013, 10:48 Uhr

Outdoor-Ausrüstung Funktion und Chic

Outdoor? Da hört und liest man, die goldenen Zeiten seien vorbei. Stimmt gar nicht, heißt es auf Europas größter Fachmesse der Branche. Es war bloß schlechtes Wetter und keine Fußball-WM.

© Paul Porter Standfester Geodät: Das Expeditionszelt Hardshell kann notfalls auch von einer Person aufgebaut werden

Ansage mir frisch: Was ist ein Zustiegsschuh? Nun, das ist ein Produkt gewordener und in Gestalt des Terrex Scope GTX von Adidas mit dem Gold des Outdoor Industry Awards ausgezeichneter Hinweis darauf, dass das Leben draußen Probleme aufwerfen kann, von denen sich der gewöhnliche Wandervogel nichts träumen lässt. Verliehen wurde der Preis auf der seit zwanzig Jahren bestehenden Friedrichshafener Messe Outdoor. Das ist die Messe, die nicht nur Europas größte für den schwer von Sportartikeln abzugrenzenden Spezialmarkt mit einem Volumen in Europa von irgendwo zwischen 10 und 15 Milliarden Euro ist.

Sondern sie ist auch das Ereignis, das einen vergessen lässt, dass wir in einer überalternden Gesellschaft leben: So viele junge, attraktiv gesund aussehende und auch in diesem Regenjahr sanft gebräunte Gestalten sieht man so schnell nicht auf einem Fleck zusammen. Zurück zum Zustiegsschuh: Boulderer, so heißen auf Denglisch Felsenkletterer, können in den Schuhen, mit denen sie klettern, nicht so gut dorthin gelangen, wo es senkrecht die Wand hoch geht. Und mit gewöhnlichen Schuhen haben sie auf rauhen und nassen Felsen erst recht nicht den Grip, den Adidas bei dem Spezialschuh für den Anmarsch zum Klettern durch „Stealth-Gummi“ verspricht.

Gewicht ist entscheidend

Um gleich bei den Neuheiten und Schuhen zu bleiben: Für Wanderer der etwas härteren Sorte, die auch vor Klettersteigtouren nicht zurückschreckt, ist wie eh und je das Gewicht ihrer Ausrüstung von entscheidender Bedeutung - auch an den Füßen. Da hat La Sportiva mit dem Trango Cube einen mit Goretex-Membran gefütterten bunten Paradiesvogel im Angebot, der als Paar bloß 1350 Gramm (bei Standardgröße 42) wiegt. Das Ultraleichtgewicht verzichtet ganz auf Nähte am Schaft, „Over Injection“ nennen die Italiener die Machart, die Leichtigkeit und zugleich die Passform optimiere, wie verheißen wird. Und doch ist der Schuh mit einer Einhängung steigeisentauglich.

Und was die scheckige Farbigkeit angeht: Da meinte die Jury des Outdoor Industry Awards, mit seinem Design sei der Trango Cube ganz weit vorn, und sie vergab Gold. Leichtigkeit ist auch die besondere Stärke des Alpha FL 45 Pack von Arc'teryx, des Herstellers aus North Vancouver, der in Qualität wie Preis Spitze ist. Gerade mal 680 Gramm wiegt der aufs Wesentliche reduzierte Alpinrucksack mit 45 Liter Fassungsvermögen. Leichte Zelte, leichte Kletterseile, leichte Schlafsäcke, die sich auch noch auf geringstes Packmaß bringen lassen, vieles auf der Outdoor ist so schlank und dennoch funktional gemacht, als werde es tatsächlich auf die Berge geschleppt.

Brennstoffzelle Brennstoffzellen gibt es auch schon für Kleingeräte. © Hersteller Runton Bilderstrecke 

Bei einem sicheren Karabiner wie dem magnetisch schließenden Magnetron Vaporlock von Black Diamond mag das stimmen, einfach weil er zu wenig anderem taugt als seinem eigentlichen Zweck. Aber vieles wird auch nie seiner Funktionalität entsprechend eingesetzt werden, sondern wird als schicke Mode im städtischen Winter getragen. Ins Schmuddelwetter auf dem Weihnachtsmarkt passt die Daunenjacke North von Yeti doch genauso perfekt wie in die Pistenbar, schließlich hält sie ihre Träger warm und trocken. Und gibt auch noch Gesprächsstoff ab: Das Nylonmaterial stammt von Rizinuspflanzen, die man zwar nicht essen kann, die das japanische Unternehmen Toray aber zu Kunstfaser verarbeitet.

Dass hochwertige (und entsprechend teure) Outdoor-Produkte neben ihrem eigentlichen Zweck und Nutzen nicht nur Prestige bieten und Chic haben, sondern auch einen Hauch des Besonderen, das hat ihren breiten Erfolg im Alltag befördert und den auch im zwanzigsten Messejahr zwar verhaltenen, aber ungebrochenen Optimismus der Branche. Sein iPhone am Strand oder sonstwie unterwegs an einen Lithium-Ionen-Akkupack zu hängen, das kann schließlich jeder. Aber eine portable Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle wie den amerikanischen Hydrogen Reactor von Brunton anzuschließen, der dann Strom, ein Wölkchen Wasserdampf und leises Zischen von sich gibt, das macht doch was her. Ob man das braucht, ist nicht die entscheidende Frage. Es macht einfach gute Laune, genauso wie die superkompakte Air Cell Mat, die jedes Prokrustesbett jenseits des Urals zur komfortablen Schlafstatt macht.

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Quelle: F.A.S.

 

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