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Neue Häuser 2013 : Nicht von gestern

Einblick: Das Haus ist reich an historischen Elementen wie diesen Schiebe-Flügeltüren. Bild: Schoepal, Edgar

Das Alter ehren und doch neue Akzente setzen: Das historische Stadthaus der Familie Rues-Rhein in Bonn zeigt, wie das gelingen kann.

          Mit einem Stilaltbau ist man auf der sicheren Seite. Die Fassaden der Bürgerhäuser schmeicheln jedem Auge und beruhigen mit der dem Alter eigenen Gediegenheit, statt als junge Wilde die Sinne zu reizen. Im Innern lassen hohe Decken Luft zum Atmen, verleihen Stuckdecken, massive Flügeltüren und Parkett mit Patina den Räumen eine Atmosphäre, die auch dem Menschen im 21. Jahrhundert außerordentlich behagt.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So geht es auch Rita Rues und Axel Rhein. Die beiden lieben Altbau. Ambitionen, mit einem Neubau zur Baukultur beizutragen, hegen sie nicht. Weshalb sie ein solches Vorhaben auch gar nicht erst erwogen, als eines Tages angesichts der wachsenden Zahl der Familienmitglieder das Bedürfnis aufkam, sich etwas mehr Platz zu verschaffen. Das Stadthaus im englischen Stil aus dem Jahr 1903, das sie schließlich in Bonn-Endenich kauften, hat dann allerdings doch zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit Architektur geführt, als das Ehepaar es sich zunächst vorgestellt hatte. Denn erstens ist das Haus ein Baudenkmal. Da blieb es nicht aus, dass die Eigentümer sich mit der Architekturhistorie beschäftigen mussten. Zweitens war das Haus im Innern ein ziemlicher Sanierungsfall, der auch Rück- und Umbauten erforderlich machte. Das Innenleben musste vom Erdgeschoss bis unters Dach neu gestaltet und an heutige Bedürfnisse angepasst werden - mit Respekt vor dem Alten, aber auch neuen Akzenten, um nicht im Historismus zu erstarren. „Was dabei herausgekommen ist, ist bei weitem überraschender, frischer und bunter, als wir uns das vorstellen konnten“, sagt Axel Rhein.

          „Architektur ist Teamarbeit“

          Von Anfang an hatten sie den Kölner Architekten Ludwig Heimbach mit dem Vorhaben betraut. Der Kontakt ergab sich, weil die Familie damals in einem Mehrfamilienhaus zur Miete lebte, das dem Vater des Architekten gehörte. Dort hatte Heimbach die Sanierung einer Wohnung geplant. Dieses Ergebnis vor Augen, entschieden sich Rues und Rhein, ihn mit ihrem Vorhaben zu betrauen. Bis die Bauherren nach längerer Suche in Bonn fündig geworden waren, hatten sie sich gemeinsam mit Heimbach bereits eine Reihe anderer Immobilien angeschaut. Und doch habe sie vor der Auseinandersetzung mit dem Architekten eine gewisse Schwellenangst verspürt, gesteht Rita Rues. „Wenn man von Architektur und Gestaltung keine Ahnung hat, fühlt man sich als kleines Licht, das kann schon hemmen.“ Doch dazu bestand kein Grund, wie sie bald merkte.

          “Architektur ist Teamarbeit“, schreibt Heimbach in seinem Profil, was er nicht nur auf die Zusammenarbeit mit den Gewerken, sondern auch auf die Bauherren bezieht. Wie ernst es ihm damit sein kann, hat das Ehepaar Rues und Rhein in dem sich ungefähr über drei Jahre erstreckenden Projekt erfahren. Zu Beginn erschien der Architekt mit einem Fragebogen, mittels dessen er die Vorstellungen, Bedürfnisse und Wünsche der zukünftigen Bewohner ermitteln wollte. Fast fünf Stunden währte das Treffen, erinnert sich Axel Rhein. „Er hat uns befragt, uns zugehört, erklärt.“ Immer wieder legten die drei im Laufe der Planungs- und Bauzeit solche Treffen ein. „Anfangs fiel es uns noch schwer, Entscheidungen zu treffen, später bekamen wir Routine.“

          Praxistest bestanden


          Zu entscheiden gab es viel. Doch weil Heimbach ein Gesamtkonzept für das Haus entwarf, das nicht nur Sanierungs- und Umbaufragen behandelte, sondern auch die Farbgestaltung und die Möblierung, verhedderten Rita Rues und Axel Rhein sich nicht im Labyrinth der Möglichkeiten.

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