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Möbel : Ein Stück vom Star

Musik trifft Möbeldesign: Lenny Kravitz hat den Stuhlklassiker „Mademoiselle“ von Kartell neu interpretiert. Bild: ddp Images

Promis wie Lenny Kravitz, Brad Pitt und Til Schweiger verkaufen neuerdings Möbel. Und damit das Versprechen, so zu leben wie sie. Doch dem Preis nach richten sie sich bisweilen eher an Oligarchen als an das normale Volk.

          Mal angenommen, man könnte die Musik von Lenny Kravitz nicht nur hören, sondern auch sehen. Welche Form hätte sie dann wohl? Die Antwort liefert der Foxy Table: Ein silbrig glänzender Tischfuß, belegt mit einem Schaffell, so verwuschelt hindekoriert, als hätte John Travolta gerade eben noch darauf gesessen, um seine schwarzen Stiefeletten mit den Sechs-Zentimeter-Absätzen anzuziehen und danach im Studio 54 die Nacht durchzutanzen.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nimmt man das Fellkissen ab, kommt eine tablettförmige Tischplatte zum Vorschein, auch silbern und gerade groß genug, um zwei Tequila Sunrise - samt Cocktailkirsche an Orangenscheibe - darauf abzustellen. Als Lenny Kravitz Ende der achtziger Jahre seine erste Platte „Let love rule“ veröffentlichte, wurde der junge Musiker aus New York mit Jimi Hendrix und den Beatles, aber auch mit Prince und Curtis Mayfield verglichen. In einem waren sich jedoch alle einig: Sein Stil ist Retro und absolut eklektisch.

          Das Gleiche lässt sich auch über die Möbelkollektion sagen, die Kravitz am Mittwoch zusammen mit dem Möbelhersteller CB2 auf den Markt bringt. Sie sei „inspiriert“ von den siebziger Jahren, heißt es. Wobei inspiriert maßlos untertrieben ist, weil es nahelegt, dass in dieses Design noch andere Stilrichtungen eingeflossen sind. Man fragt sich nur, welche. Diese Kollektion atmet so viel siebziger Jahre wie Plateausohle unter Schlaghose und Glitzer-Make-up im Diskokugelglanz. Wenn Verner Panton, Vater der Pop-Art Möbel, 1971 den Auftrag bekommen hätte, Hugh Hefners Playboy Mansion in Los Angeles einzurichten - wahrscheinlich wäre etwas Ähnliches dabei herausgekommen.

          Zwanzig Teile umfasst die Kollektion, neben Möbeln auch Lampen, Teppiche und Kissen. CB2-Geschäfte gibt es zwar nur in den Vereinigten Staaten, Kanada sowie eines in Singapur, das Unternehmen liefert aber auch nach Deutschland. Als Designer ist Kravitz kein Anfänger. Nachdem er seine eigenen Häuser eingerichtet und seinen Architekten fast in den Wahnsinn getrieben hatte („Kravitz ist ein verrückter Perfektionist. Er will viel zu viel!“), gründete er vor zwölf Jahren das New Yorker Studio Kravitz Design (KDI), um für andere tätig zu werden. Unter anderem richtete er ein Wohnhaus und ein Tonstudio in Florida ein - die Namen der Bauherren sind nicht bekannt, aber sie scheinen den „geschmeidigen Glamour der siebziger Jahre“ genauso zu schätzen wie der Innenarchitekt, so viel verraten die Fotos.

          Oligarchen als Zielgruppe?

          Vor zwei Jahren interpretierte Kravitz für den italienischen Hersteller Kartell den Stuhlklassiker „Mademoiselle“ von Philippe Starck neu. Den ohnehin ausgefallenen Bezugsstoffen fügte er noch die Kombination Python/Kunstpelz hinzu. Mittlerweile ist er in einigen Kreisen eher als Designer denn als Musiker bekannt. „Ich habe schon Frauen an der Upper East Side getroffen, die mich nur für meinen Style kannten, aber nicht meine Musik“, hat Kravitz einmal in einem Interview mit der New York Times gesagt.

          Während weibliche Stars wie Victoria Beckham oder Gwen Stefani sich als Modedesignerinnen einen Namen gemacht haben, versuchen sich immer mehr männliche Prominente als Innenarchitekten und Designer. Der Musiker und Produzent Pharrell Williams hat Stühle entworfen, der Rapper Vanilla Ice Lampen und der Schauspieler Brad Pitt eine ganze Möbelkollektion, bestehend aus Sesseln, Tischen, Sideboard und einer marmornen Badewanne.

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