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Mobile Immobilien : Häuser zum Mitnehmen

Architekturgeschichte abzugeben: Neue Bewohner für das Haus „Brigitte IV“ von Richard Riemerschmid gesucht. Bild: Quittenbaum Kunstauktionen

Von wegen immobil: Manche Gebäude wechseln ohne Grundstück den Besitzer. Und auf einmal wird ein hessisches Fachwerkhaus in der Nähe von Bonn wieder aufgebaut.

          Wenn es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick bei Immobilien gibt, dann trifft sie einen vermutlich genau hier: Jeder Balken in der großen Stube könnte eine Geschichte erzählen. Das Haus hat in den letzten 200 Jahren schon viele Besitzer gesehen und Besucher beherbergt, aber sein Innenleben ist noch viel älter, als es das Baujahr vermuten lässt: Es ist aus einem Holz geschnitzt, das schon zuvor jahrhundertelang in diesem Tal gewachsen ist. 600 Jahre alte Eichenstämme geben dem Gebäude Halt. Da verzeiht man es leicht, dass jede Treppenstufe leise seufzt, wenn jemand einen Schritt ins obere Stockwerk macht. Der Tiroler Bauernhof, der bis vor kurzem am Rande der Kitzbüheler Berge stand, ist ein echtes Haus zum Verlieben. Und er wartet auf jemanden, der mit ihm eine neue Beziehung eingehen will. Er wäre nämlich beinahe abgerissen worden. Nun aber soll er für einen Spottpreis den Besitzer wechseln.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Original altes Bauernhaus abzugeben“, so oder ähnlich heißt es zurzeit in vielen Immobilienannoncen. Häufig werden schöne alte Landhäuser angeboten, Fachwerkbauten oder Holzhäuser, von denen manche schon hundert Jahre oder mehr auf dem Dachstuhl haben. Manchmal sind es auch Häuser, die Architekturgeschichte geschrieben haben, so wie das Modell Brigitte IV, ein zerlegbares Holzhaus des Stararchitekten Richard Riemerschmid, das aus den zwanziger Jahren stammt. Die Häuser stehen in Bludenz, im Inntal, am Großglockner, am Wilden Kaiser, und ihre Preise sind oft lächerlich gering: Schon ab 15.000 Euro geht’s los, manches Schmuckstück ist für 35.000 bis 40.000 Euro zu haben, die teuersten Exemplare sollen eine sechsstellige Summe kosten. Manches Haus wird sogar umsonst hergegeben – oder für den symbolischen Preis von einem Euro. Wo der Haken an diesen Angeboten ist? Das Wort „abzugeben“ ist bei ihnen wörtlich gemeint: Denn der Käufer erwirbt hier nicht Haus und Grund in der entsprechenden Gemeinde, sondern er kann nur das Haus mitnehmen, es wird ohne den Boden verkauft, auf dem es steht. Der neue Besitzer zerlegt also erst einmal das Gebäude – oder kauft es bereits zerlegt – und baut es dann auf seinem eigenen Grundstück wieder auf.

          Gründe, weswegen die jetzigen Besitzer ihre Häuser vom Hof haben wollen, gibt es viele: Manche wollen endlich raus aus der alten Hütte und neu bauen, dann steht das alte Haus im Weg. So wie bei dem Bauern in Tirol, der sich bereits einen stylischen Neubau auf seinen Wiesenhang pflanzte, aber den Familienhof dann doch nicht zerstören wollte. Manche erben die Gebäude von Großeltern oder Vätern, wollen aber nicht täglich auf die Häuser schauen, in denen so viele Kindheitserinnerungen stecken. Gelegentlich müssen Besitzer auch Häuser loswerden, weil die einst ohne korrekte Baugenehmigung errichtet worden sind. So ging es einer Unternehmerin in Niedersachsen, die ein Gästehaus aus Holz im Naturschutzgebiet lieber an Selbstabholer verschenkte, als es abreißen zu lassen. In anderen Fällen stehen Häuser unter Denkmal- oder unter Bestandsschutz, aber deren Besitzer wollen sich nicht den Kampf mit den Denkmalbehörden antun. Oder aber sie müssten die Gemäuer aufwendig sanieren, können sich das aber nicht leisten. In solchen Fällen wird aus einer eigentlichen Immobilie eben ein mobiles Haus to go.

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