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Mikrowohnungen : Klein, aber fein

Kleiner Raum, optimal genutzt: Das Hochbett über der Küchenzeile Bild: UIG / FOTOFINDER.COM

Lange wurde ihr Bedarf sträflich unterschätzt, doch inzwischen steigt ihre Zahl. Gerade Studenten und Pendler finden in Mikrowohnungen ein Zuhause auf Zeit. Sind sie die Wohnform der Zukunft?

          Was dem einen das Wohnzimmer ist, ist dem anderen schon seine ganze Wohnung. Zumindest, wenn man 23 Quadratmeter so klug nutzt wie in der Krifteler Straße im Frankfurter Stadtteil Gallus. Im Flur stehen große Einbauschränke, an deren Rückseite ein Regal integriert ist. Ausziehbare Kästen unter dem Sofa bieten Stauraum. Die Couch wandelt sich in der Nacht zum Bett, einen Backofen gibt es in der kleinen Pantryküche nicht, Mikrowelle und zwei Herdplatten müssen den kulinarischen Ansprüchen des Bewohners genügen.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In hellen Tönen gehalten, wirkt das Apartment mit gehobener Ausstattung und luxuriösem Bad ein wenig kühl, aber edel. Nur die langen Flure, dunkel gefliest und mit neongrünen Wänden, geben einen Hinweis darauf, wo sich der Besucher hier befindet: in einem Wohnheim für Studenten und Wochenendpendler, aber de Luxe! Im „Studio Eins“ kostet eines der insgesamt 224 möblierten Apartments von 470 Euro an aufwärts - alles inklusive, das heißt mit Strom, Heizung und Internetanschluss. Fitnessstudio, Party- und Fernsehraum, Lesesaal und Gemeinschaftsterrasse gibt es auch noch dazu. Die Wohnungen sind mittlerweile alle verkauft, ein Großteil ist schon vermietet.

          Bedarf ist lange nicht gedeckt

          Mikrowohnungen vom Feinsten liegen im Trend. In jeder Groß- und Studentenstadt schießen sie gerade wie Pilze aus dem Boden. Das Projekt „Studio Eins“, gebaut vom Essener Wohnungsentwickler Formart, ist da nur ein Beispiel unter vielen. Die anderen heißen The Fizz, The Flag oder Smartment, große Wohnanlagen mit Hunderten Miniapartments - je nach Konzept für Studenten, für Wochenendpendler oder für Projektmitarbeiter, die nur einige Wochen in einer Stadt leben. Schätzungsweise 25.000 dieser Mikrowohnungen gibt es mittlerweile in Deutschland. Und es sollen noch viel mehr werden, wenn es nach den Bauträgern geht. Denn die Bonsai-Wohnungen kommen super an - bei Investoren wie bei Mietern. Sie schließen eine Lücke auf dem Wohnungsmarkt.

          „Die Stadtplaner haben in den letzten Jahrzehnten den Bedarf an kleinen Wohnungen unterschätzt“, sagt Horst Lieder, Vorstand von International Campus. Das Unternehmen hat sich auf den Bau von privaten Studentenwohnhäusern spezialisiert und betreibt unter der Marke „The Fizz“ Anlagen in Bremen, Berlin, Frankfurt und Freiburg. „Jetzt sieht man einen Boom, weil sich gerade alle Bauträger und Projektentwickler auf die Miniwohnungen stürzen, aber die Nachfrage gibt es schon lange. In begehrten Lagen von großen wachsenden Städten wie Berlin, Frankfurt, München und Hamburg ist der Bedarf auf viele Jahre nicht gedeckt.“

          Einzimmer-Wohnungen sind Mangelware

          Die Gründe liegen in der Aufwertung der Innenstädte: In den Metropolen werden Altbauten saniert, in Eigentumswohnungen umgewandelt und teuer verkauft. Das vertreibt Studenten aus den begehrten Vierteln - nun suchen auf einmal vier Personen eine Einraumwohnung. Außerdem haben immer mehr Menschen keinen Partner und leben allein. Wohnten sie früher in einer Zwei- oder Dreizimmerwohnung, so können sich das viele wegen der gestiegenen Mieten nicht mehr leisten. Da bleibt nur der Stadtrand - oder die räumliche Beschränkung.

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