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Mikroapartments : Vor zu viel Enge wird gewarnt

Kein Platz für Überflüssiges: Miniapartments wie dieses von Mercurius Real Estate gibt es in den Großstädten immer mehr. Bild: Mercurius Real Estate

Mikroapartments sind in Mode. Sie sollen das Leben in Innenstädten erschwinglich machen. Psychologen mahnen: Wohnen auf engstem Raum kann an den Nerven zerren.

          Vielleicht muss man wirklich clever und gewitzt sein, um an bezahlbaren Wohnraum mitten in der Großstadt zu kommen. „Smart“ eben, so heißt das auf Englisch. Da die Wohnraumfrage in Metropolen für Normalmieter immer schwieriger wird, weil immer mehr Menschen mitten in der City leben wollen, haben sich manche Bauträger etwas einfallen lassen: das Smartment, das „smarte Apartment“. So nennen sie die Wohnungen, die sie in vielen Städten bauen. Die Versprechungen der Anbieter sind groß: Die Wohnungen seien „urban“, „hochwertig“ und mit „innovativen Interior-Lösungen“ bestückt. Zudem sind sie oft superzentral gelegen - sogar an den schönsten Plätzen der Stadt -, energieeffizient gebaut und bereits modern eingerichtet. Und: Das „Metropolwohnen“ soll sich jeder selbst mit normalem Geldbeutel leisten können, Singles, Rentner, Berufseinsteiger, Zweitwohnsitzsucher. Wo der Haken an der Sache ist? Die Bewohner zahlen trotzdem einen hohen Preis - denn sie machen Abstriche bei der Größe, und das nicht zu knapp.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die schicken Apartments sind meist nicht üppiger bemessen als ein Hotelzimmer oder als klassische Studentenbuden, die man früher liebevoll Wohnklo nannte. Treffender als der Marketingbegriff Smartment ist deshalb ein anderes Wort, das die Branche für diese Wohnungen erfunden hat: Mikroapartments. Auf 20 bis 30 Quadratmetern haben die Bauträger untergebracht, ohne was der moderne Städter dauerhaft nicht leben kann: Wohnraum, Kochzeile und Bad. Aber ist das wirklich schon alles, was der Mensch zum Leben braucht?

          Kabelloses Internet ist schon fix und fertig installiert

          Es scheint jedenfalls, als träfen die Apartments den Nerv vieler Miet- und Kaufwilliger. Denn nicht nur in internationalen Metropolen wie London oder New York rennen die Interessenten den Entwicklern die Bude ein, auch hierzulande melden die Anbieter eine rasante Nachfrage. Schon einen Monat nachdem der Immobilienentwickler Domus Vivendi 2011 die erste Apartmentanlage in Frankfurt fertiggestellt und vermietet hatte, hatten sich bereits 100 Interessenten für die Warteliste eintragen lassen. Damals waren die Wohnungen tatsächlich noch für Studenten gedacht, doch es waren keineswegs nur Studierende, die dort gern einziehen wollten, sondern auch Berufseinsteiger, Businesspendler, neu an den Main gezogene Banker oder Programmierer. Inzwischen ist der Bau von Mikro-apartmentanlagen beim Immobilienplaner Domus Vivendi in Serie gegangen, in diesem Jahr kommen 700 neue Miniwohnungen hinzu. Auch die Immobilienentwickler GBI, Eigenwert und Trei Real Estate errichten mehrere Häuser in Frankfurt, München, Berlin, Hamburg und Heidelberg. Insgesamt entstehen Tausende solcher Kleinstwohnungen hierzulande, geschätzte 25.000 gibt es schon. Viele werden als feste Wohnungen dauerhaft vermietet oder verkauft, etliche werden auch als „serviced Apartments“ von Unternehmen temporär für Mitarbeiter zur Verfügung gestellt.

          „Vorher waren Ein-Zimmer-Apartments eher ein Abfallprodukt der Wohnungswirtschaft“, staunt Atilla Özkan gelegentlich selbst, er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Immobiliengesellschaft Mercurius Real Estate, die zusammen mit Domus Vivendi die Miniapartmentanlagen baut, und erzählt: „Wenn früher der verbliebene Raum auf einem Stockwerk nicht für eine vollwertige Wohnung reichte, wurde eben ein Ein-Zimmer-Apartment draus gemacht.“ Heute dagegen errichten die Planer ganze Wohnkomplexe, in denen sich nur Miniwohnungen befinden. Da reiht sich dann ein Ein- Zimmer-Apartment an das nächste, und mit Notlösungen haben die modernen Miniwohnungen rein gar nichts zu tun. Sie haben Fußbodenheizung und elektrische Jalousien, Natursteinbäder und Induktionskochfeld, selbst Einbauschränke und kabelloses Internet sind schon fix und fertig installiert.

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