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Mehr Platz zuhause : Wenn das Kind auszieht

Die Koffer sind gepackt, das Kinderzimmer zu klein für das große Leben. Bild: F.A.S.

Bewahren oder anders nutzen – was passiert mit dem ehemaligen Kinderzimmer? Wir haben zwei betroffene Mütter gefragt, wie sie den neuen Platz nutzen werden.

          Wir brauchen den sanften Übergang

          Im vergangenen Jahr ist unsere Tochter ausgezogen. Ein Jahr nach dem Abitur. Im Sommer war noch nicht sicher, wohin es sie verschlagen würde, aber dann kam die Zusage von der Universität in Kassel, und damit war klar: Das Kind würde von nun an die meiste Zeit in einer anderen Stadt leben und nicht mehr zu Hause. Ein seltsames Gefühl. Auch wenn es gar kein richtiger Auszug war, denn ihre Möbel sind alle hiergeblieben. Für uns Eltern hat sich überhaupt nie die Frage gestellt, das Zimmer auszuräumen. Wozu auch? Wir haben ja Platz genug. Wir leben in einem großzügigen alten Stadthaus, in dessen oberster Etage unsere beiden Töchter ihre Zimmer haben. Da gibt es auch noch ein „Schlumpelzimmer“. Wenn ich darüber nachdenke, dann war es für meinen Mann und mich wichtiger als für unsere Tochter, dass ihr Zimmer erst mal so bleibt. Wir brauchen sanfte Übergänge. Mir hätte es weh getan, das Zimmer leer zu sehen. Das habe ich gemerkt, als unsere Tochter überlegt hat, ihr Bett abzuholen, weil sie in ihrem WG-Zimmer keins hatte. Das wollte ich nicht und hab ihr gesagt, dass wir lieber ein Gestell besorgen oder zwei Matratzen zum Stapeln.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kassel ist wohl nur eine Zwischenstation. Trotzdem glaube ich nicht, dass sie dauerhaft nach Hause zurückkommen wird. Warum ich trotzdem nicht möchte, dass sich so bald in ihrem Zimmer etwas ändert? – Weil man jetzt noch ihr gelebtes Leben bei uns sieht. Alles ist noch da, die Bilder an den Wänden, die Bücher im Regal. Auf dem Schreibtisch liegen sogar noch ihre Unterlagen aus der Schule. Seit dem Abitur hat sie ihren Schreibtisch nicht mehr aufgeräumt.

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          Meine Tochter hat ein weniger emotionales Verhältnis zu ihrem Kinderzimmer als ich. Wenn sie in den Semesterferien zu Hause ist, hält sie sich dort nur zum Schlafen auf. Das war eigentlich schon in dem Jahr zwischen Abi und Studium so. Entweder war sie unterwegs, hat sich mit Freunden getroffen oder gejobbt, oder sie saß unten im Wohnzimmer, im Garten oder war in der Küche. Wenn sie jetzt bei uns ist, macht sie es genauso. Und wenn sie für die Uni zu tun hat, setzt sie sich an meinen Schreibtisch. Eigentlich hängt sie mir jetzt mehr auf der Pelle als früher, wenn sie da ist. Dann wird noch ein Teechen gekocht und noch ein Schokolädchen gegessen – nur in ihr Zimmer zieht sie nichts mehr. Jetzt, nachdem sie schon ein Jahr ein Zimmer in einer anderen Stadt hat, gewöhne ich mich natürlich daran, dass in unserer Familie etwas zu Ende geht. Vielleicht ist es überhaupt auch mehr dieses grundsätzliche Gefühl, dass etwas vorbei ist. So wie nach Weihnachten, wenn der Tannenbaum rausmuss. Das klingt jetzt vielleicht komisch. Irgendwann ist dafür einfach die Zeit gekommen, man weiß es und will es auch gar nicht anders – und ist zugleich doch auch voller Wehmut.

          Ob wir, was das Haus angeht, keine Pläne oder Ideen für die Zukunft haben? Doch sicher. Natürlich denken wir daran, was sein wird, wenn mal beide Kinder wirklich aus dem Haus sind. Vielleicht teilen wir es dann räumlich neu auf und vermieten eine Wohnung. Aber das liegt noch in der Zukunft. Unsere jüngere Tochter, die bald Abitur macht, kann sich noch überhaupt nicht vorstellen auszuziehen und will erst mal hierbleiben. Mal sehen. (U., verheiratet, Mutter  von zwei Töchtern, lebt im eigenen Haus)

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