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Veröffentlicht: 01.06.2017, 11:29 Uhr

Gartenbeleuchtung Laterne, Mond und Sterne

Wer den Garten erleuchten will, muss der Dunkelheit ihren Zauber lassen, sagt Lichtplanerin Ulrike Brandi.

von Christian Tröster
© mauritius images Low-Tech: Im sanften Schein der Windlichter wirkt der Garten besonders gemütlich.

Wer sein Licht plant, will – Überraschung! – mehr Helligkeit. Bei der Hamburger Licht-Designerin Ulrike Brandi ist das anders. Die Frau, die seit Jahrzehnten Museen, Parks und Gärten beleuchtet und zu den Pionieren ihres Berufsstandes gehört, schaut lieber auf die Nacht mit dem Licht der Sterne und des Mondes. Oft ist die Dunkelheit der Ausgangspunkt ihrer Planung. Und spricht man mit ihr, erkennt man schnell, dass Beleuchtung nicht nur ein technisches Werk aus Lux, Lumen und Watt ist, sondern mit Poesie und Verwunschenheit zu tun hat. Wo, wenn nicht in unseren Gärten wäre ein solches Licht wünschenswert? Um genauer zu erfahren, wie man das Grün am und um das Haus beleuchtet, besuchen wir also Ulrike Brandi in ihrem Hamburger Büro.

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Der Blick von dort geht in gleißendes Tageslicht, hinweg über Kanäle und die Hafencity. Deutschlands bekannteste Lichtplanerin kommt gleich zur Sache: „Weglassen ist die hohe Kunst des Lichtdesigns. Man muss der Dunkelheit ihre Würde und ihren Zauber lassen!“ Gegen Lichtverschmutzung kämpft sie seit Jahrzehnten und setzt den Respekt vor der Nacht in ihren Arbeiten um. Etwa bei der Elbphilharmonie, die in Sichtweite ihres Büros in der Sonne glitzert. Gemeinsam mit den Architekten hat sie dafür ein Lichtkonzept entwickelt, das durch Zurückhaltung besticht: Das Konzerthaus wird bei Dunkelheit nicht angestrahlt. Gar nicht? „Nein“, antwortet Ulrike Brandi. Sollte man ein so bedeutendes Baudenkmal nicht dramatischer in Szene setzen? Noch mal nein. „Die Elbphilharmonie bekommt genügend Streulicht aus der Umgebung, da mussten wir nicht noch ein eigenes Spektakel inszenieren.“

Was für einen Park richtig ist, kann für einen Garten nicht falsch sein

Kann und soll man solche Diskretion auch auf die Außenbeleuchtung unserer Häuser und die Inszenierung der Gärten übertragen? Ja, sagt die Planerin und rät, schon vorhandenes Licht als Ausgangspunkt für alles weitere zu nehmen. In der Türkei hat sie die Beleuchtung für einen Funkturm geplant, der nicht heller als die Sterne leuchten sollte, mit zahlreichen kleinen Lichtpunkten über den Mast verteilt. Bei der Internationalen Gartenschau in Hamburg-Wilhelmsburg diente das Licht des Vollmondes als Orientierung. „Dessen Helligkeit reicht für das menschliche Auge, um sich nachts zu orientieren“, weiß Brandi. Keine Leuchte in den Parks sollte diesen Wert überschreiten. Mehr Licht, erklärt sie in knappen Worten, kann leicht zu einer Verschlechterung der Sicht führen: „Wenn man zum Beispiel einen Weg hell ausleuchtet, um ihn sicherer zu machen, sieht das menschliche Auge außerhalb der Lichtzone nur schwarz. Man erkennt also weniger statt mehr. Es entstehen beängstigende und visuell unkontrollierbare Zonen.“

46726957 © Bega Vergrößern Warmweiße Strahlen, sanfte Lichtpunkte in der Tiefe, Respekt vor der Nacht: Das sind die Zutaten, aus denen gutes Lichtdesign im Garten entsteht.

Was für einen Park richtig ist, kann für einen Garten nicht falsch sein. Tatsächlich ist die Außenbeleuchtung nicht nur für die gefühlte, sondern auch für die tatsächliche Sicherheit wichtig. Studien haben immer wieder gezeigt, dass ein mit Bewegungsmelder gekoppeltes Licht am Haus Einbrecher erfolgreich abschreckt. Auch aus anderen Gründen ist das Außenlicht wichtig. Es wertet Häuser auf, sei es zum Bewohnen, beim Kauf oder zum Verkauf, so haben es Umfragen ergeben. Und weil die Institute immer alles ganz genau wissen wollen, arbeitete das YouGov sogar heraus: Licht an der Hausvorderseite ist mit 51 Prozent Zustimmung der Befragten wichtiger als im Garten (48 Prozent). Und, so eine Interpretation der Autoren, die Außenbeleuchtung beeinflusse die Kaufentscheidungen stärker als die Art der Fenster, des Dachs oder der Anstrich der Fassade.

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