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Lavendel-Pflanzen : Der Duft des Südens

  • -Aktualisiert am

Wirkt edel und gleichzeitig frisch: Lavendel Bild: © alice dias-didszoleit

Kaum eine Gartenpflanze ist so beliebt wie Lavendel. Manche Sorten mögen das Klima im Norden – während andere Wärme lieben. Wer sie anpflanzen möchte, muss einiges beachten.

          Er lässt an Südfrankreich denken, an tiefblaue Felder unter weitem Himmel. Er ruft eine Sehnsucht hervor nach Sonne, nach Urlaub, aber auch die Erinnerung an Großmutters Wäscheschrank. Der Lavendel wirkt edel durch sein silbriges Laub und die klaren Blütenfarben, gleichzeitig auch frisch. Das macht ihn zu einer der begehrtesten Gartenpflanzen. Ab Mai, Juni blüht er. Zu Rosen scheint er der perfekte Begleiter, und sein Duft eilt ihm ohnehin weit voraus. Vielerlei Arten und Sorten gibt es, die meisten tun sich in unserem Klima jedoch schwer. Dennoch wird kaum eine Pflanze so gerne gekauft wie der Lavendel. Was hat es mit ihm auf sich?

          „Es gibt zwei Mythen“, sagt Staudengärtnerin Anja Maubach: „Er passt zu Rosen, und man braucht ihn unbedingt im Garten.“ Wer den Lavendel jedoch jemals an seinem natürlichen Standort gesehen habe oder durch die Lavendelfelder in der Provence gegangen sei, wisse, was die Pflanze braucht: „Er wächst zwischen Geröll, legt sein Geäst auf Steinen ab, auf den Feldern ist er umspült von Licht und Luft. Lavendel hat keine Lust, zwischen Rosen herum zu mickern.“ Auch sein Duft entfalte sich nur, wenn er in großen Mengen gepflanzt wird, „nicht, wenn es drei Pflanzen am Ende eines Beets sind“.

          Daher ging Anja Maubach konsequent vor und legte sich vor einigen Jahren in ihrem Garten in Wuppertal ein kleines Feld an – sechs Reihen mit der Sorte ‘Munstead’ – das sie jeden Tag durchstreifte. „Der Name kommt von lavare, lateinisch für waschen“, sagt sie. Die Pflanze steht für Reinheit, das Blau für klares Leben. „Wer durch ein Feld geht, hat das Gefühl, sich rein zu waschen.“

          Der echte Lavendel ist hart im Nehmen

          Der Lavendel fordert also ein bisschen Aufmerksamkeit: „Fragen Sie sich: Was will ich von ihm?“, rät die Gärtnerin. Anstatt den mediterranen Halbstrauch neben Rosen zu setzen, die ohnehin ganz andere Bedürfnisse an den Boden haben, kann er zum Beispiel als Einfassung gepflanzt werden. „Dann bekommt er Sonne, Licht und Luft.“ Auch in einer Bruchsteinmauer wächst er, wenn er durch Schnitt kompakt gehalten wird, denn viele Nährstoffe braucht er ohnehin nicht. „Lavendel ist ein Asket“, sagt Maubach. Ein Asket, der sogar rauhes Klima wie das des Bergischen Landes verträgt.

          Seinen Duft entfaltet der Lavendel, wenn er in großen Mengen gepflanzt wird, „nicht, wenn es drei Pflanzen am Ende eines Beets sind“, sagt Staudengärtnerin Anja Maubach.
          Seinen Duft entfaltet der Lavendel, wenn er in großen Mengen gepflanzt wird, „nicht, wenn es drei Pflanzen am Ende eines Beets sind“, sagt Staudengärtnerin Anja Maubach. : Bild: ZB

          Der Echte Lavendel, Lavandula angustifolia, ist hart im Nehmen. „Es ist eine Bergpflanze“, sagt Roger Bastin, Lavendelspezialist aus dem niederländischen Aalbeek. Der Echte Lavendel wächst am Naturstandort auf einer Höhe von über 1000 Metern, wo es jeden Winter bis zu minus 30 Grad wird. „Zu kalt ist es ihm bei uns also nicht, eher zu nass und warm“, erklärt Bastin. Viele Missverständnisse gebe es, was die Winterhärte betrifft. Doch ist der Echte Lavendel eine Ausnahme, denn alle anderen Arten sind empfindlich, auch wenn manche einen kurzen Frost vertragen können.

          Lavendel ist eine Mittelmeerpflanze. 42 Arten gibt es, neun davon kommen im südlichen Europa vor, die anderen in Nordafrika. Die meisten sind nur Liebhabern oder Botanikern bekannt, etwa Lavandula viridis, ein Schopflavendel mit Zitronenduft. Oder auch der marokkanische Lavandula multiflora, der wie Bohnenkraut riecht. Manche der nordafrikanischen Pflanzen, die stark gezahntes Laub haben, würde man nicht ohne weiteres als Lavendel identifizieren. Wachsen können sie bei uns höchstens im Topf, und auch dafür braucht es einen ziemlich grünen Daumen. Einfacher ist es mit dem Echten Lavendel, mit Hybriden oder auch dem Schopflavendel.

          Die Blütezeit reicht von Juni bis August

          Der Echte Lavendel wächst schnell. Wird er regelmäßig geschnitten, bekommt er eine buschige Form. Sorten gibt es unzählige, beim Kauf sollte man etwas genauer hinschauen, denn vieles, was als Echter Lavendel verkauft wird, sind in Wahrheit Hybriden, sagt Roger Bastin. Die Blütezeit reicht von Juni bis August, bei manchen Sorten sogar deutlich darüber hinaus. Zu den Klassikern zählen ‘Hidcote Blue’, mit dunklen Blüten und etwa 50 Zentimeter Höhe, und der hellere ‘Munstead’, der etwas größer wird. „Ursprünglich war diese Sorte genauso dunkel wie ‘Hidcote’, wir vermuten, dass das, was jetzt verkauft wird, in Wahrheit ‘Bowles Early’ ist.“ Weiß blühen ‘Arctic Snow’ und der kompakte ‘Nana Alba’, rosafarben die Sorte ‘Rosea’. Besonders auffällig ist die von Roger Bastin eingeführte Sorte ‘Contrast’, mit dunklen Kelchen und sehr hellen Blütenkronen. Besonders klein bleiben ‘Peter Pan’ oder ‘Little Lottie’ alias ‘Clarmo’ mit etwa 30 Zentimetern.

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