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Künstler Marco Brambilla : „Hotels werden zu mystischen Phantasie-Orten“

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In der Michael-Fuchs-Galerie in Berlin: Marco Brambilla freut sich, wenn seine Kunst nicht nur die Kenner erreicht Bild: Daniel Pilar

Der italienische Künstler Marco Brambilla stellt an ungewöhnlichen Orten seine Kunst aus: etwa in Hotel-Aufzügen. Im Interview spricht er sich über den Unterschied zwischen Kunst und Dekor und das Hotel als öffentlichen Schauplatz der Kunst.

          Herr Brambilla, Ihre Arbeit „Civilization“ ist seit 2009 in den Aufzügen des New Yorker Standard-Hotels zu sehen. Welche Herausforderungen stellen sich bei der Kunstinstallation in einem Hotel?

          Jedes Mal, wenn ich an einer Installation für ein Gebäude wie ein Hotel oder eine private Wohnanlage arbeite, lasse ich mich dabei von den Gegebenheiten des Ortes beeinflussen. Die Video-Installation „Civilization“ habe ich 2008 ursprünglich für eine Ausstellung in der Christopher Grimes Gallery in Los Angeles gemacht. Der Besitzer des „Standard“ hat die Arbeit dann gekauft, um sie in seinem Hotel in New York auszustellen. Dort haben wir zunächst nach einem passenden Raum für das Stück gesucht. Für den Fahrstuhl musste die Installation speziell formatiert werden, was nicht ganz einfach zu bewerkstelligen war. Aber ich finde, die Arbeit hat sich gelohnt: Das Thema des Aufstiegs von der Hölle in den Himmel - und umgekehrt, je nachdem, ob man nach oben oder nach unten fährt - ergibt in einem Aufzug schließlich am meisten Sinn.

          Kunst im Hotelfahrstuhl - kommt das nicht eigentlich einer Degradierung Ihrer Arbeit gleich?

          Das würde ich so nicht sagen. Im Falle des Standard-Hotels verstehe ich die Idee vielmehr als einen satirischen Kommentar: Der Meatpacking District, wo das Hotel liegt, erinnert mich nämlich auch gelegentlich an die Hölle! Diese Gegend ist unglaublich anstrengend, ein Ort der ständigen Reizüberflutung. Ein Fahrstuhl ist dagegen ein stiller Raum, zugleich ein Ort der Gedrängtheit und Enge. Die Installation in eben diesem Stadtteil und diesem Rahmen auszustellen ergibt einen Kontrast, den ich spannend finde. Generell arbeite ich aber ohnehin nur mit Klienten zusammen, die meine künstlerische Tonalität verstehen und mir deshalb größtmögliche Freiheit gewähren. Die wissen vorher schon, dass ich gerne mit satirischen und ironischen Elementen spiele. Die Video-Fahrt von der Hölle in den Himmel im Aufzug zu zeigen, hat auch etwas Spielerisches - und gerade das macht das Werk in diesem Kontext so interessant.

          Viele Leute nehmen Kunst in Hotels und Restaurants aber doch wahrscheinlich viel beiläufiger und eher unbewusst als Dekor wahr.

          Wie und mit welcher Aufmerksamkeit ein Werk rezipiert wird, hängt von der Arbeit selbst ab, ihrem Bezugsrahmen, dem Ausstellungsraum, dessen Architektur, ja sogar der Stadt, in der das Werk ausgestellt werden soll. Wenn ich zum Beispiel den Auftrag bekomme, eine Installation für einen Transitraum, wie etwa einen Flughafen, zu entwerfen, also einen Ort, an dem die Leute keine Zeit dafür haben, Kunst geduldig zu betrachten und aufzunehmen, dann mache ich natürlich etwas anderes mit einer anderen Botschaft als beispielsweise für eine Ausstellung in einer Galerie. Andersherum würde ich auch einen Durchgangsraum wie eben einen Flughafen oder Bahnhof als Ausstellungsfläche vorschlagen, wenn ich gerade eine Idee für eine Installation mit visuell intensiverem und dynamischerem Inhalt hätte.

          Kunstinstallationen im öffentlichen Raum sind immer noch rar. Vornehmlich werden Werke in Museen, Galerien und privaten Sammlungen gezeigt. Sie haben außer im Standard-Hotel auch schon im Berliner Hauptbahnhof ausgestellt. Was reizt Sie an der Arbeit im öffentlichen Raum?

          Kunst erreicht im öffentlichen Raum einfach viel mehr Leute. Gerade bei Arbeiten, in denen es um eine kritische oder ironische Betrachtung von Popkultur geht - wie zum Beispiel in meiner „Megaplex“-Serie, zu der auch „Civilization“ gehört -, hat die Ausstellung an öffentlich zugänglichen Orten am meisten Sinn. Je exponierter solche Werke sind, desto stärker ist schließlich auch ihr Effekt auf das Publikum.

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