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Relikt aus DDR-Zeiten : Schlafen in „Honis“ Salonwagen

  • Aktualisiert am

Der historische Salonwagen des ehemaligen DDR-Regierungszuges kann für Übernachtungen gebucht werden. Bild: dpa

In der DDR schliefen Politiker auf Reisen in eigens für sie gebauten Sonderzügen. Ein Unternehmer renovierte einen historischen Salonwagen und machte ihn zum Hotel. Das ist ein originalgetreues Erlebnis, die Gäste müssen aber auf Luxus verzichten.

          Walter Ulbricht reiste im DDR-Regierungszug, ebenso Willi Stoph. Erich Honecker fuhr mit ihm 1975 zur KSZE-Konferenz nach Helsinki, meist aber kutschierten Diplomaten damit zur Hasenjagd. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR hat ein Salon-Schlafwagen der rollenden „Honi-Herberge“ in Gadebusch (Nordwestmecklenburg) seine Endstation erreicht. Unternehmer Holger Hempel renovierte den historischen Waggon und rüstete ihn in den letzten zehn Wochen zum besonderen Hotel um.

          Am Wochenende übernachteten die ersten Gäste ganz „staatsmännisch“ in Klappbetten über den Gleisen. Bis in den Oktober hinein gebe es schon Vorbuchungen, meint Hempel. Eisenbahnfans, aber auch Wanderer und Radfahrer aus der Region, aus anderen Bundesländern, Holland, Italien und Spanien hätten sich angemeldet.

          In dieser Kabine werden die Gäste untergebracht.

          „Dabei müssen sie auf eine ganze Menge Luxus verzichten“, weiß Hempel. Denn den alten Schlafwagen habe er originalgetreu saniert und auf jedweden geschichtsverfälschenden Komfort verzichtet. „Sonst geht der ganze Flair ja verloren, der Wagen wäre nicht mehr authentisch“, sagt er. Es gebe natürlich keine Flachbildschirme fürs Fernsehen und kein Internet. „Das ist dann mal so wie früher“, erklärt der Hotelier.

          Der 1969 für die Regierungs-Sonderzüge der DDR in Görlitz gebaute Wagen mit der Nummer 6150-7080-106-8 hat nicht nur unzählige Kilometer in den Rädern, sondern auch eine bewegte Historie. Nach 1990 zusammen mit der DDR und „Deutscher Reichsbahn“ ausrangiert, kam er zunächst unter die Fittiche der damaligen Bundesbahn. Deren Reiseveranstalter Bahntours schickte einige der geschichtsträchtigen Salon-Wagen quer durch Osteuropa, doch die Nostalgietouren „Reisen wie die Roten Preußen“ rentierten sich nicht.

          „Es geht nicht um verherrlichende Ostalgie“

          Die Bahn AG trennte sich 1997 vom rollenden DDR-Regierungserbe. Die früheren Sonderzüge der DDR-Spitze landeten in Museen etwa in Leipzig oder Nürnberg. Einige Waggons übernahm der Lokschuppen-Verein Pasewalk, wie Vorsitzender Hans-Jörg Görl erklärt. Wegen Geldmangel verkaufte der Verein einen der Salon-Wagen nach Gadebusch. Umgesetzt wurde der 25 Meter lange und 58 Tonnen schwere „Honi-Schlafwagen“ per Schwerlasttransport über die Ostseeautobahn A 20.

          Den ausgedienten Bahnhof der westmecklenburgischen Kleinstadt hatte Holger Hempel 2012 gekauft und zum Restaurant mit Eisenbahn-Museum umgebaut. Fachberater ist der 79 Jahre alte Schweriner Rentner Peter Falow. Der frühere Lokführer sammelt Bahnzubehör, stattete Gadebusch mit aus und besorgte eine Kopie des DDR-Emblems mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz für den restaurierten „Honi“-Waggon. „Es geht nicht um verherrlichende Ostalgie, nur um den Erhalt von Geschichte“, sagt er.

          Außen wieder im tarnfarbenen Tannengrün gestrichen, gibt es in dem einst „staatstragenden“ Schlafwagen sechs Doppelkabinen mit Waschbecken, dazu für alle zwei Toiletten und eine Dusche. Kein Schnickschnack in den Abteilen, nur ganz sparsam Tisch, Schrank und Kleiderhaken im Stile der Siebziger.

          Die Technik allerdings, die sei wirklich was besonderes, meint Hempel. Die funktionstüchtige Heizung und die Schaltzentrale samt Gegensprechanlage im Dienstabteil, vieles davon Westimport, könnten jederzeit besichtigt werden.

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