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Veröffentlicht: 18.06.2017, 11:32 Uhr

Stadtparks In Duisburg wächst rot-grün zusammen

Zu den besten Stadtparks der Welt zählt auch ein Deutscher: der Landschaftspark Duisburg-Nord. Dort hat sich zwischen alten Hütten und Gruben die Natur ausgebreitet.

von
© Michael Latz Im Laub der Zeit: Im Landschaftspark Duisburg-Nord hat die Natur übernommen.

Der Park Güell in Barcelona, die High Line in New York, der Parc des Buttes-Chaumont in Paris, Hampstead Heath in London: Es sind große Namen, die der "Guardian" 2015 auf seiner Liste der besten Stadtparks der Welt führte. Mittendrin zwischen all den Prunk-Parks tauchte auch eine Stadt aus Deutschland auf. Es war - ausnahmsweise - nicht Berlin, es war auch nicht München, und es war nicht Hamburg. Es war Duisburg. Mit dem Landschaftspark Duisburg-Nord.

Bernd Steinle Folgen:

Lange bevor sich Tausende Besucher über die viel besungene New Yorker High Line drängten, wurde im Revier schon auf beispielhafte Weise eine heruntergekommene Industriebrache in ein buntes Kulturbiotop verwandelt. Der Landschaftspark Duisburg-Nord, zwischen Meiderich und Hamborn gelegen, gilt seither als vorbildliche Umgestaltung einer unansehnlichen, chaotischen, von Bahntrassen und Gleisen zerschnittenen Ansammlung von Industrieruinen, die vom Alteigentümer Thyssen aufgegeben und zum Abriss freigegeben worden war. Heute kommen jährlich mehr als eine Million Besucher nach Duisburg, um sich anzuschauen, was aus der Brache geworden ist.

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Rostiges Erbe wurde integriert

Wie die erstaunliche Verwandlung vonstatten ging, wie viel Planung, Geduld und Hartnäckigkeit dafür nötig waren, das zeigt nun, mehr als 25 Jahre nach den ersten Baumaßnahmen im Park, der Band "Rostrot" von Peter Latz - jenem Landschaftsarchitekten, auf den das Make-over der einstigen Meidericher Hütte zurückgeht.

Am faszinierendsten ist die Gegenüberstellung von einst und jetzt: der Kontrast zwischen der desolaten Eisenwüste der im Jahr 1985 geschlossenen Hütte und der blühenden Erholungslandschaft, in der die Besucher heute zwischen alten Schloten, Bunkern und Gleissträngen bummeln, radeln und klettern. Statt des ursprünglich angedachten Totalabrisses, des Tilgens aller Bauwerke und damit auch der industriellen Vergangenheit, entschied man sich in Duisburg, das rostige Erbe in den Zukunftsentwurf zu integrieren - trotz aller Altlasten.

Gärten und Freizeitvergnügen das Bild

So wurde aus dem einstigen Hochofen 5 in der Zweitverwertung ein bizarrer Aussichtsturm, von dem aus der Blick über den gesamten Park reicht, mit ausgesetzten Stegen, die an Rohren, Trägern und Schwungrädern vorbeiführen. In der ehemaligen Kraftzentrale, dem mit 172 Meter Länge größten Bauwerk des Parks, wurde schon Gustav Mahlers "Sinfonie der 1000" aufgeführt, bis zu 4000 Menschen haben dort Platz.

Duisburg-Nord © Michael Latz Vergrößern Knall auf Fall: Jubiläums-Feuerwerk über dem gewaltigen Kran, der heute Krokodil genannt wird.

Wo in der alten Eisenzeit Möllerwagen repariert wurden, kann man heute in der Nordparkhütte übernachten, der mit 26 Meter Höhe am niedrigsten gelegenen Alpenvereinshütte - die frühere Eisenhütte ist also auch Hütte geblieben. In den offenen Betongruben der einstigen Erzlagerbunker sind Gärten angelegt und alpine Klettergärten eingerichtet worden. In einer ehemaligen Gießhalle entstand ein Hochseilparcours, und das frühere Gasometer ist heute ein Tauchzentrum - schon beim Umbau hatten Taucher geholfen, Becken und Rohre der Anlage zu säubern.

Park konnte sich mit der Zeit entwickeln

In seinem Band erläutert Peter Latz detailreich Motivation, Entwurf und Entwicklung des Duisburger Landschaftsparks, mit Plänen und Skizzen, historischen Fotos und prachtvollen Aufnahmen der heute 180 Hektar großen Parklandschaft: mit Brücken und Gärten, Alleen und Promenaden, Kiefern und Kirschbäumen; mit begrünten Bahndämmen, gereinigten Flußläufen und abenteuerlichen Spielplätzen.

Rohrleitungen, die auf Trägern geführt werden, ziehen über das wuchernde Grün, auf den alten Pfeilern der Transportbahn verlaufen Stege für Spaziergänger. Mit Rosen berankte Ziegelmauern, weiche Moosteppiche, von Hochöfen umstellte Baumhaine - der Kontrast von Produktion und Vegetation, Rostrot und Hellgrün ist allgegenwärtig. Seit dem Jahr 2000 steht das Ensemble unter Denkmalschutz.

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Dass Peter Latz die Dokumentation seiner Arbeit erst nach mehr als zwei Jahrzehnten vorlegt, hat seinen Grund. Er wollte, schreibt er, einen "erwachsenen Park" zeigen. "In der Betrachtung von Zeit unterscheidet sich die Landschaftsarchitektur von ihrer Nachbardisziplin Architektur. Ein Architekt präsentiert das fertiggestellte Gebäude und zeigt den Höhepunkt von dessen Existenz. Für den Landschaftsarchitekten braucht es fast zwei Dezennien zusätzlich, bis die geplanten Räume zu Räumen und Büsche zu Büschen geworden sind." In diesem Fall hat die Zeit für den Park gearbeitet.

20. Mai: Expedition Stahl, 17 bis 21 Uhr.

22. Mai: Jeremy Denk beim Klavier-Festival Ruhr 2017, 20 bis 22 Uhr.

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