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Grün im Garten : Vom Komparsen zum Hauptdarsteller

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Farbe der Hoffnung, Farbe des Lebens: Die unendlich vielen Nuancen von Grün beruhigen das Auge und das Gemüt. Bild: Callwey Verlag

Wo das Grün von Farnen, Moos und Blättern im Beet den Ton angibt, sinkt der Puls – und die Stimmung steigt.

          Grüne Gärten? Gärten sind doch immer grün! Weil man Garten, die Farbe Grün und Natur automatisch zu einem glücklich machenden Dreisatz vereint. Aber wer sich öfters in private Paradiese vor allem in Belgien und Holland begibt, der ist erstaunt, dass kräftige Farbe darin häufig fehlt. Beim zweiten Hinschauen – oft auch erst nach dem Verlassen, im Nachklang – wird einem bewusst, warum man so wohltemperiert und entspannt heiter ist: Diese Gärten – sorry, aber der abgenutzte Begriff muss sein, weil er hier zutrifft – entschleunigen. Sie erden und lassen den Betrachter gleichzeitig ein Quantum schweben. Das Geheimnis des scheinbaren Widerspruchs: wenige Farben, dafür viele Nuancen von Grün. 50 Shades Of Green – mit mannigfachen Schattierungen von Grün wird der Garten zur Oase voll eleganter Grandezza.

          Aber wieso, bunte Beete machen doch munter? Viele unserer Gärten leuchten so farbenfroh wie rheinischer Karneval, knallig wie ein Nest mit Ostereiern. Sind sie deswegen schön, ästhetisch oder vor allem: entspannend? Die Gabe, gegensätzliche Farben – beispielsweise Orange und Blau – gelungen zu mischen, ist eine hohe Kunst. Einer, der sie grandios beherrschte, war der Engländer Christopher Lloyd. In seinem Refugium „Great Dixter“ in Northiam (East Sussex) zelebrierte der Zauberer der Kontraste in tollkühnem, aber sehr klug kalkuliertem Zusammenspiel den „Colour clash“. „Mut zur Farbe!“ war sein lebenslustiger Schlachtruf. Lloyd inszenierte virtuos temperamentvolle Farbenpracht, die seit seinem Tod 2006 von Chefgärtner Fergus Garrett brillant fortgesetzt wird.

          Doch wer besitzt schon ein solch begnadetes Händchen? Viele Gartenbesitzer haben zwar Mut zur Farbe, aber es mangelt am Talent des gelungenen Zusammenspiels. In den Beeten tobt die Konkurrenz der Farbkontraste so wild, dass eine Farbe die andere erschlägt, Kakophonie statt Harmonie. Es wird einem ganz blümerant, wo soll man nur zuerst hinschauen? Dabei wird der Garten doch gerade als Ort der Entspannung und Erholung geliebt. Die Ausnahme sind notabene Bauerngärten, da darf sich der kunterbunte Malkasten austoben. Abgesehen davon kann die Bauhaus-Devise „Weniger ist mehr“ in Bezug auf Auswahl und Kombination von Farben nicht schaden.

          Wo jedoch Grün den Grundakkord oder gar den Hauptton angibt, geht der Puls herunter, die mentale Stimmung hinauf. Es gilt viele Grüntöne überlegt miteinander zu kombinieren, der subtile Reiz liegt im Reichtum der fein aufeinander abgestimmten Details. Es muss ja nicht gleich der ganze Garten sein, man kann es erst mal mit dem Vorgarten probieren. Oder sich zunächst nur an einen grünen Bereich wagen, der abgeteilt wird. Andere Farben sind mitnichten tabu, es kann Stauden mit farbenfrohen Blüten geben. Aber bitte farblich so subtil wie harmonisch aufeinander abgestimmt. Sie bestechen nach kurzem betörenden Blütenintermezzo idealerweise mit Laub in ausgefallener Struktur und Textur und in vielen Grün-Nuancen.

          Mehr Farne, Gräser und Moose!

          Also mehr Blattschmuckpflanzen! Neben Funkien ist die aus Asien stammende Bergenie eine gute Alternative, sie wurde gerade zur Staude des Jahres 2017 gewählt. Zu Recht, denn ihre großen, wie frisch gewachst wirkenden Blätter glänzen fast ganzjährig und schenken im Winter interessante Konturen. Manche Sorten bestechen sogar mit braunrostrotem oder violettem Winterlaub wie die Hybride ,Oeschberg‘.

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