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Gärten im Winter : Frostige Schönheit

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Melancholische Augenblicke sind im Gartenjahr selten. Bild: Thorsten Matschiess

Gärten sind auch im Winter schön, wenn Nebel, Rauhreif und Schnee sie verzaubern. Dafür muss der Gärtner aber ein paar Regeln beachten. Das zeigt ein Besuch in einem Garten am Niederrhein.

          Die feinen Dolden des Bronzefenchels sind trocken, tragen aber noch vereinzelte Samenkörner. Die Skelette des Purpurdosts ragen fast zwei Meter hoch gen Winterhimmel. Stachelige Sonnenhüte stehen dicht an dicht, die Blüten des Kandelaber-Ehrenpreises erinnern an braune Pfeifenputzer. Vor dem Horizont zeichnet sich eine Gruppe von Amur-Korkbäumen ab. Ihre Zweige hängen voller kleiner runder Früchte, die besonders im Gegenlicht zur Geltung kommen. Nicht weit davon wächst Chinesisches Süßholz (Glycyrrhiza yunnanensis), an dessen Stengeln wundersam geformte Samenstände hängen. An manchen Tagen überzieht Rauhreif die Pflanzen und verwandelt den Garten in ein Märchenreich.

          Solche Tage sind Höhepunkte im Jahr. Manchmal sind es nur drei oder vier hier in Brüggen am Niederrhein. Doch sie entschädigen Torsten Matschiess für den Winter, die Kälte, für unansehnlich gewordene Pflanzen. An Tagen wie diesen mag er seinen Garten beinahe noch lieber als im Sommer. Denn er schätzt das Melancholische, Vergängliche. Die trockenen Strukturen, die vor allem durch Nebel, Rauhreif oder Schnee sichtbar werden.

          Im Winter den Garten auf sich wirken lassen

          „Mit anderer Pflege würde man sich solche Bilder zerstören“, sagt der Gartengestalter. Andere Pflege meint: im Herbst aufräumen, wie viele es tun. Stauden zurückschneiden, die Vergänglichkeit auf den Komposthaufen verbannen. Doch das würde dem Garten die Atmosphäre nehmen und die besondere Stimmung vereiteln.

          Der Winter ist die ruhigste Zeit für Gärtner. Wenn es richtig kalt wird, ist draußen nichts zu tun. Eisige Tage bieten die Chance, alles mit Abstand zu betrachten. Einmal wirklich nur zu schauen - den Blick vom Boden zu lösen, den Garten als Ganzes wahrzunehmen. Zum Genuss wird das, wenn er einladend gestaltet ist. Im besten Falle lockt er auch bei Kälte heraus aus dem Haus. Wer sich umsieht, stellt fest: Obwohl mehr Platz ist, wirkt alles kleiner. In den Wintermonaten scheint der Garten zu schrumpfen. „Perspektive wird erzeugt durch das, was noch im Beet steht“, sagt Matschiess. Wer aufräumt, beengt sich. Denn der winterliche Garten lebt von der Ausprägung der Pflanzen im Raum.

          Fülle an Pflanzen wächst auf ehemaligem Maisfeld

          Üblicherweise sind es in Form geschnittene Gehölze, die Struktur geben. Hecken, Eibenkegel oder gar verschlungene Knotenformen kommen in dieser Jahreszeit besonders gut zur Geltung. Vor allem, wenn sie mit Schnee bedeckt sind. Manches dagegen wirkt verloren: Beetumrandungen aus Buchs zum Beispiel ähneln leeren Bilderrahmen, bis im Frühjahr endlich wieder etwas sprießt. Dass es auch anders geht, dass auch natürliche Formen genug sind, um das Winterbild zu akzentuieren, zeigt der Garten Alst.

          Seit 2004 leben Torsten Matschiess und seine Partnerin Daniela Pawert in Brüggen, wo die beiden über die Jahre hinweg 8200 Quadratmeter Land in einen Garten verwandelt haben. Dieser lässt manche Besucher etwas ratlos zurück. Denn Rasen, höhengestaffelte Staudenbeete, Formschnitt oder sonstige Merkmale einer typischen Gartenanlage sind nicht zu finden. Auch Dekoration ist keine vorhanden, selbst Sitzgelegenheiten sind nur spärlich verteilt. Dafür gibt es eine Fülle an Pflanzen, an denen man sich kaum sattsehen kann. Pflanzen, die bestens auf dem frischen bis feuchten Boden gedeihen, der noch vor wenigen Jahren ein Maisfeld war.

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