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Garten-Expertin im Interview : „Der Engländer kennt den Namen der Pflanze, der Deutsche den Preis“

  • -Aktualisiert am

Gabriella Pape Bild: Isabelle van Groeningen

Gabriella Pape berät Menschen in Gartenfragen. Manchmal verzweifelt sie darüber. Ein Gespräch über deutsche Eigenarten, langweilige Tropen und Rasen liebende Männer.

          Frau Pape, welche Kundenfrage bringt Sie in Rage?
          „Wir haben nur Sandboden. Was wächst denn da?“

          Und was antworten Sie?
          „Pflanzen können Sie alles, aber kommen wird nichts.“ Dann gucken die meisten Leute erst mal empört. Aber es ist so: Das, was wir die letzten 20 Jahre mit Laubbläsern und Harken rausgekratzt haben, müssen wir jetzt eben wieder reintragen, damit wir überhaupt einen Boden bekommen. Der Garten ist etwas, bei dem die Menschen oft noch unsicher sind. Es gibt heute eigentlich nichts, was man nicht googeln kann, aber der Garten und die Natur bleiben für viele unberechenbar. Nur weil man einen Busch kauft, heißt das nicht, dass der da auch sein will, wo man ihn hinstellt.

          Ich muss also erst den Boden austauschen?
          Das Problem kennen ja viele in Berlin und Brandenburg. Da macht es mich mitunter sprachlos, dass es Menschen gibt, die neugekaufte Pflanzen in den vorhandenen Boden setzen und weder Erde dazugeben noch Dünger. Oder Wasser. Dann wundern sie sich, dass die Pflanzen am nächsten Tag schon vertrocknet sind. Diese Leute muss man an die Hand nehmen und sagen: erst das Loch ausheben, dann Kompost rein, dann gießen, dann die Pflanze reinstellen, Kompost drumherum und etwas Dünger und dann noch mal gießen. Dann sagen die Leute: „Mein Gott, ist das aufwendig! Und das nur für die eine Pflanze.“ Aber die soll ja nun auch mehr erleben als nur die kommende Woche.

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          Sie haben lange in England gelebt und gearbeitet. Warum sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt?
          Die Engländer brauchen mich nicht, um ihnen die Gartenkultur zu zeigen. Außerdem war ich es satt, dass die Leute sagten: Das geht vielleicht bei Ihnen in England, aber in Deutschland wächst ja nichts.

          Ist aber auch ein doofes Klima hier.
          Ist doch toll, dass wir vier Jahreszeiten haben. In den Tropen ist es doch stinklangweilig, die Banane ist immer grün. Der Garten hat auch die Aufgabe, die menschliche Seele durch das Jahr zu tragen.

          Was machen die Engländer anders?
          Der Engländer kennt den Namen der Pflanze, der Deutsche den Preis. Wenn in Deutschland eine Pflanze stirbt, sagen alle: „Ach, wie schrecklich!“ Der Engländer sagt: „Toll, da kann man was Neues ausprobieren.“ Das sind Fragen der Mentalität. Wenn eine Pflanze tot ist, ist sie tot. Viele Deutsche kaufen dann das Gleiche noch mal. Sie denken gar nicht daran, dass die Pflanze da gar nicht sein will. Sie sagen: „Einmal probier ich’s noch!“ Aber ich bin auch froh drum, dass sich die Leute nicht reinreden lassen. Manche Erfahrungen muss man einfach selbst machen. Und manchmal klappt es ja im dritten Anlauf.

          Ist es nicht paradox, dass die Menschen immer unsensibler für die Natur werden und gleichzeitig ihr Heil im Garten suchen?
          Der Garten weist einen in die Schranken. Weil man mit Dingen zu kämpfen hat, die stärker sind. Aber er gibt auch viel zurück. Die tägliche Arbeit am Computer macht müde; mal so richtig mit den Händen in der Erde wühlen oder einen schönen Baum pflanzen und davon etwas ernten, das ist sehr befriedigend. Es gibt Mikroorganismen in der Erde, die das Glückshormon Serotonin produzieren. Wir müssen also nicht unbedingt durch die Straße joggen, in der Erde buddeln reicht manchmal schon.

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