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Funkamateure auf Reisen : Der laute Ruf der Ferne

Mit Generator und Sonnenschirm: Die Station BS7H auf Scarborough Reef im April 2007 Bild: DARC

Abenteuerlust gehört dazu: Funkamateure klönen drahtlos nicht nur, bis die Antenne glüht. Manche nehmen echte Strapazen auf sich und erleben wahre Abenteuer auf ihren DXpeditionen.

          Die Abkürzung DX bedeutet distance unknown. Daraus folgt, dass sie aus einer Zeit stammt, als die genaue Entfernung zwischen zwei Punkten auf der Erde tatsächlich noch unbekannt sein konnte, weil der Globus noch nicht mit Netzen von Vermessungssatelliten umsponnen war. In der von Abkürzungen nur so strotzenden Fachsprache der lizenzierten Funkamateure wird DX heute für eine Fernverbindung benutzt. Was dabei fern bedeutet, hängt von der Wellenlänge ab: auf Kurzwelle müssen es schon mehrere tausend Kilometer sein, auf UKW-Bändern sind bereits 300 Kilometer, von Punkt zu Punkt überbrückt, eine DX-Verbindung.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der DXer ist jemand, der nicht nur rund um den Orts-Repeater funkt, sondern systematisch Verbindungen mit Stationen in der Ferne herzustellen versucht. Wenn das gelingt, gibt es dafür eine Bestätigung, meist auf dem Wege einer sogenannten QSL-Karte. Gewöhnlich steht auf deren Rückseite das eigentlich Wichtige: Datum und Uhrzeit der Verbindung und die Frequenz. Vorn tragen schlichte QSL-Karten nur das Rufzeichen der Station, die „gearbeitet“ wurde. Häufiger aber sieht man den Operator in seinem „Shack“, also den fernen Funkfreund vor seinem Wandschrank voller Geräte. Und wenn die QSL-Karte aus einem Emirat am Golf kommt, dann ziert sie ein bildschönes Pferd oder ein Falke.

          England, Schottland, Wales - drei Entities

          QSL-Karten zu sammeln, um damit die Zahl und auch die Seltenheit getätigter Verbindungen im Wettbewerb mit anderen zu dokumentieren, ist die wohl älteste Form des Versuchs, dem technischen Hobby Amateurfunk eine sportliche Note zu geben. Mit ganzen Stapeln von Verbindungsbestätigungen kann man sich um Diplome bewerben, deren Urkunden wiederum der geeignetste Wandschmuck im Shack sind. Allen voran hat das - sehr variantenreiche - Diplom DXCC, der DX Century Clubs der American Radio Relay League (ARRL) ein besonders hohes Prestige - nicht zuletzt deshalb, weil die Regeln und Anerkennungsverfahren kompliziert sind und nur als historisch gewachsen begriffen werden können.

          Amateurfunk aus der Antarktis: Antennen über der norwegischen Peter-I.-Insel
          Amateurfunk aus der Antarktis: Antennen über der norwegischen Peter-I.-Insel : Bild: DARC

          1935 schlug Clinton B. DeSoto erste Regeln vor, nach denen auch heute noch gewertet wird, was ein anerkennbares Land, pardon eine „Entity“, ist. Nur ein auch für nichtfunkende Fußballfans leicht fassliches Beispiel: England, Schottland und Wales sind nicht ein Land, sondern drei Entities, Jersey, Guernsey und die Isle of Man sind drei weitere von aktuell 340.

          Um gleich noch ein zweites renommiertes Diplom zu erwähnen: Für die vom britischen Amateurfunkverband, der Radio Society of Great Britain (RSGB) ausgegebenen Islands-on-the-air-Diplome (IOTA) kann man versuchen, mit rund 1200 Inselgruppen auf der weiten Welt zu funken. Bei den Inseln und Inselchen wird es sofort klar: Von denen aus wird nicht ständig gefunkt. Viele von ihnen sind unbewohnt und haben von der internationalen Telegrafen-Union kein Rufzeichen zugeteilt bekommen, sie sind nicht in den UN vertreten - alles das sind nur einige der (Ausschluss-) Kriterien für DXCC-Entities -, und manche werden von verschiedenen Staaten beansprucht. Aus all dem folgt: Es gibt viele Weltgegenden, mit denen würden Funkamateure liebend gern in Verbindung treten, aber in der Ferne antwortet niemand.

          Anfahrt mit dem Schlauchboot vom Schiff aus: Im September 2011 wurde der etwa 30 Meter hohe Rockall aktiviert
          Anfahrt mit dem Schlauchboot vom Schiff aus: Im September 2011 wurde der etwa 30 Meter hohe Rockall aktiviert : Bild: DARC

          Es sei denn, dass sich eine sogenannte DXpedition dorthin aufmacht, zu keinem anderen Zweck als dem, diese Entity oder Insel zu „aktivieren“. Keineswegs geschieht das für immer, sondern nur für einen kurzen, zuvor meistens (aber nicht immer) abgesprochenen Zeitraum. Und da wird dann gefunkt, was das Zeug hält und die Funker aushalten. Ein Rekorde brechendes Beispiel: Die DXCC-Entity Ost-Kiribati (Rufzeichen: T32), zugleich IOTA-Inselgruppe OC-024, wurde zwischen dem 1. und 24. Oktober 2011 von 38 Funkamateuren aus elf Ländern aktiviert.

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