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Immobilienmarkt in Kroatien : Noch nicht ganz fertig

  • -Aktualisiert am

So sehen geplatzte Träume aus: Auf dem Balkan stehen auch Ruinen zum Verkauf. Bild: Christoph Borgans

„Ich verkaufe“ statt „Zimmer frei“: Im Osten Kroatiens werden die Häuser nach dem Prinzip Hoffnung gebaut – und zum Kauf angeboten.

          In Kroatien tragen die Häuser zwei Arten von Schildern. Die eine findet man an der Küste. In Istrien und Dalamtien etwa; in Dubrovnik, wo man so hervorragend gegrillte Calamari in Knoblauchsauce essen kann, und auf den wilden Inseln mit ihren Stränden und Weinbergen wie Rab und Brac. „Zimmer“ steht auf diesen Schildern, oder „Zimmer frei“ oder „Rooms“, oder auch mal das kroatische Wort: „Sobe“.

          Die andere Sorte Schilder findet man in Slawonien, also in dem langen Zipfel Kroatiens, der sich hinter Zagreb nach Osten zieht. Es beginnt dort, wo das Meer und die herrlichen kroatischen Inseln weit weg sind, und endet dort, wo das Meer ganz weit weg und Kroatien selbst eine Insel geworden ist. Umgeben von Ungarn, Bosnien und Serbien, die es von drei Seiten umbranden. Die Ungarn wissen nicht so recht, was sie in Kroatien suchen sollen, und die Serben und Bosnier wissen seit den Kriegen in Jugoslawien, dass sie da nichts suchen wollen. Und so halten sie sich alle von der Insel fern.

          Die Schilder der Häuser auf der Festland-Insel Slawonien sagen: „Prodajem kuću“. Oder „Prodaje se“. Und der Besucher lernt schnell, was es heißt: „Ich verkaufe das Haus.“

          Keine Käufer in der Idylle

          Es leuchtet sofort ein, warum man hier ein Haus kaufen sollte, denn die Pannonische Tiefebene ist vielleicht nirgends so schön. Schmale Straßen schlängeln sich zwischen Mais- und Sonnenblumenfeldern hindurch zu Bauerndörfern, in denen auf jedem zweiten Telegrafenmast Störche ihren Nachwuchs großziehen, und zu schönen Häusern mit Rosen am Zaun und neugierigen Menschen, die ihre Zimmer nicht vermieten, sondern verschenken. Und die den Gast, der hier nach einer Pension sucht, zur Übernachtung in ihr Haus bitten und obendrein zu Rakija und Speck der eigenen Schweine einladen.

           „Prodaje se“ - „Ich verkaufe“ - steht auf vielen Häusern . . . Bilderstrecke
          „Prodaje se“ - „Ich verkaufe“ - steht auf vielen Häusern . . . :

          Aber je mehr Schilder der Gast sieht, umso drängender wird die Ahnung, dass niemand diese Häuser kaufen wird. Denn nicht nur ansehnliche Höfe mit Säulengang und Rosen werden verkauft, sondern alles, was vier Seitenwände hat. Selbst wenn die Wände noch nicht fertig sind, selbst wenn die Wände im Krieg zerschossen wurden.

          Verrostete Metallschilder, verwitterte Holztafeln

          Manche Verkaufsangebote sind auf Plastikplanen gedruckt, die der Wind schon vor Monaten so verdreht hat, dass niemand mehr die Telefonnummer darauf lesen kann. Manche sind auf Metallschilder gepinselt, die längst vom Rost zerfressen sind. Manche auf verwitterte Holztafeln am Gartenzaun geschrieben.

          Man findet die Schilder auf dem Land, und man findet sie in den Städten. In Vukovar etwa - heftig umkämpft im kroatisch-serbischen Krieg - und in Osijek, der einzigen Großstadt Slawoniens. „Jede Woche ziehen zwei oder drei meiner Bekannten aus Osijek weg“, sagt eine junge Frau, die im Gegensatz zu ihren Freunden in der Stadtverwaltung eine Arbeitsstelle gefunden hat.

          Wohin? Mindestens nach Zagreb, wo sie besser zahlen, sagt die Sekretärin eines Gymnasiums. Oder an die Küste. Oder nach Österreich. Oder nach Dublin. Keiner weiß so recht warum, aber in der irischen Hauptstadt gibt es mittlerweile eine wachsende Exil-Gemeinde.

          Osijek und Dublin - das sind zwei Hälften einer Sanduhr, mit Osijek auf der oberen Seite.

          Ungeahnte Folge der Zentralisierung

          „Wir dachten, in Jugoslawien wäre alles zentralisiert gewesen, Belgrad im Zentrum und wir am Rand“, sagen die Leute hier. „Aber wir hatten ja keine Ahnung, was Zentralisierung bedeutet.“ Statt in der nördlichen Mitte des Landes Jugoslawien, zwischen den Großstädten Zagreb und Belgrad, liegt Osijek nun am Rand des Landes Kroatien, 200 Kilometer von der nächsten kroatischen Großstadt entfernt.

          Und mit der Zeit begreift der Besucher, dass er gar nicht verstanden hat, was „Prodajem kuću“ überhaupt heißt. Es heißt nicht: „Ich verkaufe das Haus.“ Es heißt bloß: „Ich bin dann mal weg.“

          Quelle: F.A.Z. Magazin

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