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Veröffentlicht: 12.03.2017, 12:13 Uhr

Elegante Müllverstecke Versteckt und zugeklappt

Müll ist nur etwas für flüchtige Blicke. Umso wichtiger ist es, ihn geschickt zu verstecken. Das kann sogar gut aussehen. Hier zeigen wir, wie.

von Jörg Niendorf
© Gartenakzente Müllboxen mit begrüntem Dach haben sich durchgesetzt.

Der Blick auf deutsche Eigenheime offenbart oft beengte Verhältnisse. Das schmale Grundstück teilt sich das Haus mit Carport und Geräteschuppen, weil viele Häuser keinen Keller mehr haben. Dann sind da noch der Unterstand für die Fahrräder sowie der Platz für die Mülltonnen. Häufig steht eine ganze Batterie vor dem Eingang Spalier, denn mindestens drei Tonnen braucht ein Einfamilienhaus im Schnitt, in manchen Kommunen sind es sogar vier: in Gelb, Braun, Blau und Schwarz. Man muss kein Ordnungsfanatiker sein, um sich an diesem Anblick zu stören.

Und außerdem: Wo, wenn nicht vorn an der Straße, sollen die Tonnen stehen, will man sie nicht jedes Mal, bevor die Müllabfuhr anrückt, aus dem Schuppen holen? Also muss die Tonne eingepackt werden. Nur wie?

Ein Gründach für die Tonne

Jahrzehntelang stand ein Waschbetonquader wie zum Empfang am Eingang vieler Einfamilienhäuser in Deutschland: eine kieselgraue Müllbox, verkleidet in 40-mal-40-Zentimeter-Platten, mit einer meist dunklen Stahltür, in der die Hausbewohner die Mülltonne einhaken konnten. Vorbei. Mittlerweile fehlt es weder an Ideen noch Angeboten, um die Tonnen optisch aus dem Weg zu räumen - wenn auch bisweilen mit zweifelhaftem Erfolg: Es gibt Bretterverschläge und Gabionenummantelungen, Rolloboxen mit Aufdruck (Widmer), Toplader-Verkleidungen (Peters + Peters) und begehbare Stellplätze. Vor allem aber setzen selbst die günstigen modernen Ausführungen aus Kunststein heute auf Farbe, manchmal kombinieren die Hersteller den Beton mit bunt lackiertem Metall oder Holzlamellen, um dem Ganzen einen etwas vorgartengerechten Touch zu geben.

Was aber passt am allerbesten zum Grün des Gartens? Grün. Daher sind seit einiger Zeit bepflanzte Dächer auch auf solchen Kleinbauten wie Mülltonnenhäuschen modern. In der unteren Etage stehen die Tonnen Spalier, oben wachsen Fetthenne, Gräser und Sommerblumen.

45015343 © Cortinox Vergrößern Stahlbehälter, mit oder ohne Farbe, sind im Trend.

Der bayrische Landschaftsarchitekt Wolfgang Huber nimmt für sich in Anspruch, sich vor zwanzig Jahren diese ökologische und farbenfrohe Verkleidung für zwei Mülltonnen an einem Neubauvorhaben ausgedacht zu haben. Seither hat die Idee Kreise gezogen. Viele Hersteller kopierten sie. Huber orientierte sich damals schlicht an den lokalen Gegebenheiten. Das neue Haus, dessen Garten er entwarf, hatte viel Holz an der Fassade, „da hätte eine Betonbox am Eingang alles verschandelt“, sagt Huber. Zudem war der Auftraggeber durchaus bereit, für einen ästhetisch anspruchsvollen Müllcontainer verhältnismäßig viel Geld auszugeben.

 
Müll ist nur etwas für flüchtige Blicke. Über Wege, die Tonnen vor dem Haus zu verstecken.

Huber lebt und arbeitet in Eschenlohe in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Mit heimischen Lärchenholzlatten und einem Edelstahlrahmen baute er damals seine neuartigen Müllboxen, obendrauf setzte er die metallene Pflanzwanne. Diese Mischung aus wetterbeständigem Holz, poliertem Stahl und Blumen darauf wollten danach sehr viele Kunden, sagt Huber, und das nicht nur in Bayern. Sein Betrieb „Gartenakzente“ liefert bis heute die begrünten Boxen, für zwei, drei oder vier Mülltonnen, die Preise dafür starten bei etwa 1300 Euro. Andere Hersteller, die den Gründach-Stil nachahmten, sind teils günstiger, es ist ein großer Absatzmarkt geworden. Bei Gartenakzente gibt es die Mülltonnenhäuser aber auch vollständig aus Lärchenholz. Die Latten bekommen bei diesen Modellen nach ein, zwei Jahren eine silbrige Patina, das passt gut in naturnahe Gärten und zu Zäunen und Sichtschutzwänden, die möglicherweise aus ähnlichem Holz sind.

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