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Eisenbahnmodelle : Luxuszug für Liebhaber

  • -Aktualisiert am

Als feinstes Zubehör gehört auch der Wasserkran dazu Bild: Friedhelm Weidelich

Großformatige Eisenbahnmodelle werden wieder zum Luxusgut. Die Flut von Modellen aus China lässt Kunden umdenken. Wer sich’s leisten kann, bevorzugt Stücke, die Exklusivität versprechen.

          Das Mekka der Eisenbahnmodelle liegt in Sinsheim. Wenn andere das Wochenende in Bier- und Weingärten genießen, drängeln sich die Freunde feiner Modelleisenbahnen in der Juni-Hitze beim Spur-1-Treffen im Auto- und Technik-Museum an der A 6 zwischen Walldorf und Heilbronn. Zwischen 1:1-Lokomotiven die neuesten Abbilder im Maßstab 1:32 zu inspizieren hat Tradition. Und so pilgern die Sammler schwergewichtiger Modelle jedes Jahr mit leerem Kofferraum nach Sinsheim, um ein paar Lokomotiven und Wagen im Hochglanzkarton abzuholen und ihr Hobbybudget für die kommenden Jahre zu planen. Denn bei der S-Klasse der Eisenbahnmodelle muss tief in die Tasche gegriffen werden, vierstellige Preise sind normal. Nach oben gibt es keine Grenzen, nach unten schon.

          Als ob man ins Original blickte
          Als ob man ins Original blickte : Bild: Friedhelm Weidelich

          Eine kaum überschaubare Neuheitenflut ergießt sich in diesem Jahr über die meist zahlungskräftige Klientel. Wer alle zur Auslieferung angekündigten Lokomotiven für die 45-mm-Spur erwerben wollte, müsste rund 80 000 Euro aufwenden. Dazu kommen noch zwei Dutzend Wagenmodelle und feinstes Zubehör vom Wasserkran über Gebäude aus Naturstein und Fachwerk bis zu teuren Drehscheiben, Signalen und Oberleitungen. Jedem Familienvater wird bei den verlangten Preisen schwindelig, und doch erarbeiten sich nur wenige der kleinen Firmen ein gutes Auskommen mit den teuren Luxusgütern, die zum großen Teil aus China und Südkorea kommen. Das Angebot wächst dank Lasertechnik, Feinguss und 3D-Druckern auch hierzulande. Meist sind es einzelne Modellbauer, die sich in den schwierigen Herzblut-Markt wagen, der Ruhm und Ehre, aber kaum Rendite bringt, weil der Aufwand hoch und die Stückzahlen klein sind.

          Das Arbeitstier: Die legendäre Rangierlok V 60
          Das Arbeitstier: Die legendäre Rangierlok V 60 : Bild: Friedhelm Weidelich

          Doch fast unmerklich wandelt sich der Markt, dessen Volumen niemand genau kennt. Zehn- bis fünfzehntausend Spur-1-Kunden gibt es schätzungsweise in Europa, 2500 bis 3000 aus Deutschland und den angrenzenden Ländern besuchen jedes Jahr das zweitägige Treffen in Sinsheim, bei dem etwa 80 Hersteller und Händler ausstellen. Der Umsatz erreicht zweistellige Millionensummen, obwohl er nur fünf bis acht Prozent der Modellbahnbranche ausmacht.

          Spot an unter der Lok
          Spot an unter der Lok : Bild: Friedhelm Weidelich

          Die Premiere des neuen Anbieters Spur1-Exklusiv aus Dreieich ist nur ein Indiz, dass sich der Markt wieder in die Richtung entwickelt, aus der er gekommen ist: Die Spur 1 wird wieder zum Luxusgut. Was die Massenhersteller mit relativ preiswerter Ware aus China und Ungarn nicht leisten können und wollen, bieten exklusive Marken wie Dingler, Bockholt und Fine Models ganz selbstverständlich: persönliche Beratung, fundierte Vorbildkenntnisse, akribische Recherche vor der Umsetzung ins Modell, kleine Serien oder Einzelstücke, kalkulierbare Liefertermine und manchmal den Lieferservice bis ins Haus. Auch andere liefern hochwertige Spezialitäten, auch wenn es manchmal endlos dauert und die Kommunikation Geduld erfordert.

          Umstritten: 01 504 der DR in Grün
          Umstritten: 01 504 der DR in Grün : Bild: Friedhelm Weidelich

          Neu im Geschäft, als Sammler aber ein alter Hase ist Matthias Martin von Spur1-Exklusiv: Der hessische Unternehmer lässt jetzt die Tradition der alten deutschen Marke Pein aufleben, die bis heute einen guten Klang hat. Gebrauchte, in kleinen Serien gebaute Lokomotivmodelle werden zu fünfstelligen Europreisen gehandelt. Martin kalkuliert mit gut 9000 Euro und lässt in Polen bei der Firma bauen, die bereits die vom längst verstorbenen Hans-Dieter Pein entwickelten Modelle produzierte.

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